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Sturm der Herzen

Sturm der Herzen

Titel: Sturm der Herzen
Autoren: Shirlee Busbee
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dachte an die vielen einsamen Jahre in Indien ohne die Vorzüge, eine Ehefrau an seiner Seite zu haben. Und Isabel beachtete die Stimme in ihrem Kopf nicht weiter, die ihr zuschrie, dass sie vorschnell und unüberlegt handelte - genau, wie Marcus es ihr immer wieder vorhielt. Na und, was kümmert mich das , dachte sie schmerzlich. In England hält mich nichts.
    »Bist du dir sicher?«, fragte Hugh. Er wusste, dass er diese Unterhaltung nicht fortsetzen sollte, konnte sich aber nicht beherrschen. Das hier war Irrsinn. Es gab viele Gründe, weshalb er einfach aufstehen und weggehen sollte, aber er blieb, wo er war. Isabel wäre nicht die Ehefrau seines Herzens, aber er würde sie gut behandeln - und wer konnte das schon wissen, ob mit der Zeit sogar Liebe zwischen ihnen wachsen würde? Aber auch wenn das nicht der Fall war, so würden sie einander stets achten, das sollte doch gewiss reichen. Sonst lagen Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte der Einsamkeit in Indien vor ihm.
    Mit besorgter Miene fragte er: »Was ist mit deiner Tante und deinem Onkel? Was werden sie dazu sagen?«
    Sie erwiderte seinen Blick fest. »Sie werden sagen, dass ich zu jung bin. Dass ich nicht weiß, was ich will.«
    »Oh, dann«, erwiderte er, »wird es ohnehin nicht gehen.«
    »Aber ja!«, widersprach Isabel heftig. »Es ist doch egal, was sie denken. Sobald wir erst einmal verheiratet sind, kann Marc… können sie nichts mehr dagegen tun.« Sie schaute ihn flehentlich an. »Oh, bitte, Hugh. Ich verspreche, ich werde dir eine gute Frau sein. Bitte! «
    In ihren goldfarbenen Augen verloren, geriet Hughs Vernunft ins Hintertreffen. Sie war ein einnehmendes kleines Ding. Er mochte sie sehr. Er stellte sich seinen leeren Bungalow in Indien vor, sah die Jahre sich öde vor ihm erstrecken, nur Arbeit und wieder Arbeit. Isabel konnte das ändern. Es gäbe vielleicht sogar Kinder …
    Seine Entscheidung war gefallen; Hugh stand auf und ging vor ihr auf und ab. »Wenn deine Tante und dein Onkel nicht einverstanden sind, werden wir durchbrennen müssen. Wir können uns in London mit einer Sondererlaubnis trauen lassen, noch ehe mein Schiff ausläuft.« Er sah sie unsicher an. »Ich weiß nicht, ob ich auf demselben Schiff die Passage für dich buchen kann; ich aber muss auf diesem Schiff fahren; die Gesellschaft erwartet mich zu einem bestimmten Datum zurück, deshalb kann ich meine Abreise nicht aufschieben. Es könnte daher sein«, warnte er sie, »dass du mit deiner Zofe mehrere Wochen lang in London bleiben musst, ehe ein Schiff nach Indien segelt. Du könntest im Stadthaus meines Vaters bleiben; er hat immer die notwendigsten Diener dort, die sich um dich kümmern würden.« Er machte eine Pause. »Das ist keine schlechte Idee. Ich kann alle Papiere unterzeichnen und meinen Anwalt beauftragen, das Notwendige in die Wege zu leiten. Du hast dann Zeit, alles einzukaufen, was du noch brauchst. Ich werde dir eine Liste schreiben.« Er sah sie zweifelnd mit seinen blauen Augen an. »Ich habe vor, morgen früh gleich nach Tagesanbruch aufzubrechen. Wenn du das hier wirklich willst, musst du packen und heimlich aus dem Haus schlüpfen. Wir treffen uns am Tor von Denham Manor. Bis jemand bemerkt, dass du fort bist, sind wir längst auf dem Weg nach London.«
    Von dem Wissen beinahe überwältigt, mit einem Streich von allem befreit zu sein, was sie unglücklich machte, nickte Isabel. Die unverhoffte Aussicht, ins ferne Indien zu reisen, echte Tiger zu sehen, Elefanten und wer weiß was für seltsame Wesen, raubte ihr schier den Atem. Sie sprang auf und warf Hugh ihre Arme um den Hals. »Ich verspreche, ich werde dir eine gute Frau sein, sodass du diesen Moment nie bereuen wirst«, versprach sie leidenschaftlich. Den kleinen Stich in der Gegend ihres Herzens, als ihr ein Bild von Marcus’ gutgeschnittenen Zügen durch den Kopf schoss, ignorierend umarmte sie Hugh fester und schob das Bild entschlossen beiseite. »Ich schwöre es.«
    Hugh holte tief Luft. »Nun, dann, meine Liebe, scheint es, als ob wir, bevor wir wesentlich älter sind, Mann und Frau sein werden - und auf dem Weg nach Indien!«

1

    Devon, England
Frühling 1808

    D iese Frau!«, entfuhr es Marcus Sherbrook aufgebracht, während er missgestimmt in der Bibliothek von Sherbrook Hall auf und ab lief.
    Seine Mutter blickte von ihrer Stickarbeit auf, ein leises Lächeln lag auf ihren Lippen. »Ich nehme an, du sprichst von Isabel Manning?« Auf sein knappes Nicken hin erkundigte sie sich: »Was

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