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Sturm der Herzen

Sturm der Herzen

Titel: Sturm der Herzen
Autoren: Shirlee Busbee
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schließlich, »aber da dein Vater vor seinem Tod keine anderen Bestimmungen für dein Wohlergehen hinterlassen hat und niemand ahnen konnte, dass mein Vater so unerwartet sterben würde, fürchte ich, sind wir beide miteinander geschlagen.«
    Isabel zuckte die Achseln. »Das weiß ich alles, und im Prinzip«, räumte sie widerstrebend ein, während sie sich etwas zu beruhigen schien, »bist du auch gar nicht so schlimm. Ich begreife nur einfach nicht, warum du so stur sein musst, ausgerechnet in dieser Angelegenheit. Schließlich verlange ich ja gar keine so hohe Summe. Dein neuer Zweispänner und das Paar schöner Rappen, die du dir kürzlich gekauft hast, waren teurer als das, worum ich dich heute bitte.« Ihre Augen wurden schmal. »Und es ist mein Geld, nicht deines.« Als Marcus weiter nichts sagte, fügte sie hinzu: »Es wäre auch nicht verschwendet.«
    »Das ist Ansichtssache«, antwortete er. Sie betrachtete ihn unter finster zusammengezogenen Brauen, und er grinste. »Komm schon«, sagte er, und in seinen kühlen grauen Augen funkelte Belustigung, »du weißt doch, dass ich dir als dein Vormund wenig verweigere, aber es wäre nachlässig von mir, wenn ich dir gestatte, ein kleines Vermögen für ein Pferd auszugeben.« Er schüttelte den Kopf. »Besonders für dieses Pferd.«
    Ihr Temperament flammte wieder auf, und ihre topasfarbenen Augen wurden schmal. »Und was, sag mir bitte, ist an Tempest auszusetzen?«
    »An ihm ist nichts auszusetzen. Der Preis, den Leggett für ihn verlangt, ist zwar hoch, aber nicht übertrieben. Ich stimme dir auch zu, dass der Hengst wunderschön ist. Sein Stammbaum ist makellos, und jeder mit einem Auge für gutes Pferdefleisch wäre stolz, ihn sein Eigen zu nennen.«
    Ihre finstere Miene heiterte sich sogleich auf, und ein strahlendes Lächeln glitt über ihre schmalen, lebhaften Züge. »Oh, Marcus, er ist doch wirklich ein prächtiger Hengst, nicht wahr?«
    Marcus nickte, trotz allem von dem Lächeln behext. »Ja, ist er.« Sich zur Ordnung rufend, schob er nach: »Aber er ist nichts für dich.«
    Das Lächeln verschwand so jäh, als hätte sich eine Gewitterwolke vor die Sonne geschoben. »Und warum nicht?«
    »Weil«, erklärte er unverblümt, »du im Augenblick weder über die Körperkraft verfügst noch über die Erfahrung, ein Tier dieser Größe und dieses Temperaments zu kontrollieren.« Er lächelte leicht. »Du und das Pferd, ihr seid beide jung und untrainiert, sodass ihr euch vermutlich innerhalb einer Woche gegenseitig umbringt.« Ein empörtes Keuchen war zu hören, und er hob die Hand. »Aber es gibt noch einen Grund, weshalb ich deine jüngste Laune nicht finanzieren werde. Wie oft hast du schon einen verrückten Plan nach dem anderen ausgeheckt, nur um innerhalb von zwei Wochen das Interesse daran wieder zu verlieren? Erinnere dich nur an die Zeit, als du Ziegen züchten wolltest. Oder als du felsenfest davon überzeugt warst, dass du Hühner halten wolltest. Wenn meine Erinnerung mich nicht trügt, haben die Ziegen beinahe den gesamten Rosengarten deiner Tante Agatha bis auf die Wurzeln abgefressen, ehe sie auf den Markt gebracht werden konnten; und was die Hühner angeht … War da nicht etwas mit einem Hahn und dem geschnitzten Treppenpfosten aus Rosenholz auf Denham Manor?« Ohne auf den Sturm zu achten, der sich in ihren Augen zusammenbraute, fuhr er fort: »Und jetzt sagst du, du wolltest Pferde züchten, aber was ist nächsten Monat oder nächstes Jahr? Und noch etwas gilt es zu bedenken: Was soll mit deinen Pferden geschehen, wenn du nächstes Jahr zur Saison nach London gehst?« Er schüttelte den Kopf, lächelte sie an. »Ich kenne dich. Spätestens im Sommer wird in deinem Kopf nur noch für Ballkleider und Flitterkram Platz sein, für die Gesellschaften und die Bälle, die du im Frühjahr besuchen wirst, und die Herren, denen du den Kopf verdrehst. Wenn du dann heiratest, wie du das sicher tun wirst, wirst du keine Zeit mehr für die Pferdezucht haben, sondern mit anderem beschäftigt sein. Das Geld für Tempest wäre zum Fenster hinausgeworfen.«
    Ihr schlummerndes Temperament erwachte, und ihre kleinen Hände ballten sich zu Fäusten. »Das ist unfair!«, warf sie ihm wütend vor. »Ich war gerade mal elf Jahre alt, als ich die Hühner wollte, und es war nicht meine Schuld, dass der Hahn ins Haus geflogen ist; Papas alter Hund Lucy hat ihn dorthin gejagt«, verteidigte sie sich. »Es stimmt, die Ziegen haben Tante Agathas Rosen letzten Herbst

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