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Sternenfaust - 092 - Widerstand

Sternenfaust - 092 - Widerstand

Titel: Sternenfaust - 092 - Widerstand
Autoren: Sascha Vennemann
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    Prolog – Gegenwart
     
    Das Licht warf scharfe und dunkle Schlagschatten gegen die grob und sandig wirkenden Wände des Gewölbes. Hier und da flackerte die Beleuchtung, der mehr als taghelle Schein zitterte wie eine Flamme im Wind.
    Doch daran störte sich die hier versammelte Gesellschaft nur wenig. Sie alle mochten die karge Stimmung dieses Ortes, die Schlichtheit, die von ihm ausging. Es entsprach dem Zweck, zu dem sie zusammenkamen. In lange Gewänder gehüllt, wirkten die insgesamt elf Männer und Frauen wie Geistliche, die sich an einem runden Tisch gegenübersaßen und gegenseitig misstrauisch oder verschwörerisch taxierten. Was es nun war – ein Uneingeweihter hätte das nur schwerlich eindeutig sagen können.
    Wer in den Solaren Welten noch glaubte, dass die Genetics nur an die Wissenschaft und das Recht des Menschen, in sein eigenes, genetisch auferlegtes Schicksal eingreifen zu dürfen, glaubten, der irrte. Wie allen Menschen war auch den Bewohnern der Drei Systeme der Glaube an eine höhere Macht ein Bedürfnis, dass nichts von seiner Jahrtausende alten Magie verloren hatte. Auch hier auf Darelis II waren viele Wissenschaftler und ihre Familien religiös und zwischen den hohen Verwaltungs- und Forschungsgebäuden der Hauptstadt Einstein-City fanden sich immer wieder auch Sakralbauten, die nicht nur rein funktionale Zwecke erfüllten, sondern auch durchaus den Schönheitssinn der Bewohner und der eifrigen Besucher fanden.
    Die Moschee der evangelikal-islamischen Bewegung war dabei das auffälligste Bauwerk dieser Art im administrativen Zentrum von Einstein-City. Das architektonisch etwas seltsam anmutende Gebäude bestand aus einem quaderförmigen Kirchenschiff aus schwarzem Basaltstein, in das lange Lichtschlitze wie Kiemen hineingetrieben worden waren. Je nach Lichteinfall wurde so mal mehr und mal weniger das minimal eingerichtete Innere der Moschee beleuchtet. Die Lichtstreifen, die von allen Seiten in das Gebäude drangen, sollten laut dem Architekten die Herrlichkeit Allahs, des Herrn, symbolisieren. In der Tat war der Anblick sich kreuzenden Lichts im Inneren ein Schauspiel, dass jeden der sich dort drinnen nicht aufs Beten konzentrierte, immer wieder in seinen Bann zog. Die Gläubigen in Einstein-City waren stolz auf diese wunderbare Kathedrale.
    Das Kirchenschiff war außerhalb von vier halbhohen Minarett-Türmen umgeben, deren Bauweise ein wenig an die Türme der jahrhundertealten Sagrada Familia des Baumeisters Gaudi in Barcelona auf der Erde erinnerten – nur das die vier Türme der evangelikal-islamischen Moschee größtenteils aus gehärtetem und schwarz lackiertem Aluminium bestanden. Die filigranen, gotisch anmutenden Türmchen neigten sich an den Spitzen halbrund zur Mitte hin, so dass sie wie die Finger einer nach oben gerichteten Hand zusammenzeigten und dem eckigen Gebäude eine besondere kompakte und natürliche Harmonie bescherten. Die Minarett-Türme wurden aber nicht nur, wie bei normalen herkömmlichen Moscheen, dazu benutzt, um den Gebetsruf auszusenden. Zwar stand auch hier ein Muezzin an der Spitze der Türme und rief zum Glaubensbekenntnis, zwar wurden auch hier über Lautsprecher die gleichförmig wirkenden Sprech-Gebete des Imam nach außen übertragen. Darüber hinaus aber waren die Turmspitzen mit schwachen Sendern ausgestattet, die über das gesamte Stadtgebiet sternförmig ein Positionssignal sendeten. So konnten auch Gläubige, die zum ersten Mal in Einstein-City weilten, die Moschee finden und dort beten. Ebenso diente das Signal dazu, die Richtung des Gebets für die Gläubigen zu bestimmen, die gerade nicht an dem allgemeinen Gebet in der Moschee teilnehmen konnten.
    Die Gruppe, die sich im Kellergewölbe des Gebäudes getroffen hatte, brauchte kein derartiges Peilsignal, um zusammenzufinden. Sie alle kannten den Ort, denn sie trafen sich regelmäßig hier.
    Noch sprach niemand. Es schien, als warteten sie noch auf jemanden. Und tatsächlich stieg bald darauf ein weiterer Vermummter die Treppen aus dem Erdgeschoss herab und begab sich an den freien Platz am Tisch.
    Die Gestalt schlug die Kapuze zurück.
    Der Anblick hätte einem Menschen aus dem Zentralsystem der Solaren Welten oder den Wega-Welten den Atem stocken lassen. Das kleine runde Gesicht war über und über mit blassem weißem Flaum bedeckt. Die darunter schimmernde Haut war bläulich-blass. Kleine schwarze Augen blickten verkniffen in die Runde, die tief in den Höhlen lagen und eine

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