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Sherlock Holmes - Das ungelöste Rätsel

Titel: Sherlock Holmes - Das ungelöste Rätsel
Autoren: Alisha Bionda
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unterbrochen.
    „Buffalo Bills Wild West Show ein großer Erfolg“, zitierte ich weiter. „Sakkara-Ausstellung im Natural History Museum um einen Monat verlängert, mhmm ...“
    „Nicht so weit unten. Meine Güte, so machen Sie doch endlich Ihre Augen auf, Watson!“
    Und dann fand ich den Artikel: ‚Bizarre Mordserie überschattet London’ lautete die Überschrift. Ich las laut: „Am gestrigen Abend wurde erneut eine Frau Opfer eines offenbar geistesgestörten Mörders. Wie schon in den Fällen zuvor ging der Täter ohne jede Deckung zu Werke. Das Opfer, eine 42-jährige Näherin aus Westminster, wurde auf dem belebten Cavendish Square brutal erstochen. Obwohl der Mord direkt vor den Augen unzähliger Passanten geschah, konnte der Täter unerkannt entkommen. Neben einer unauffälligen Größe und Statur gab es lediglich eine Besonderheit, an die sich Zeugen erinnerten: Der Mörder schien unter Atemproblemen zu leiden.
    Übereinstimmend wurde ein seltsames Schnaufen und Keuchen beschrieben. Noch immer ist nicht gewiss, ob für die Morde ein oder mehrere Täter verantwortlich sind. Auch was die Motive des oder der Unbekannten betrifft, stehen die ermittelnden Behörden noch vor einem Rätsel. Aufgrund des Keuchens wurde dem Mörder bereits der Namen einer alten urbanen Legende verliehen: Wheezy-Joe.“ Ich reichte Holmes die Zeitung zurück, um die nun nur noch lauwarmen Überreste meiner Makrelen zu vertilgen. „Eine in der Tat höchst unerfreuliche Geschichte“, kommentierte ich zwischen zwei Bissen. „Unerfreulich?“ Holmes sprang auf und schrieb mit der hektisch wirbelnden Hand, die seine Pfeife hielt, kryptische Rauchsymbole in die Luft. „Unerfreulich? Es ist geradezu eine Katastrophe, Watson! Ein Offenbarungseid.“
    Verdutzt blickte ich auf. „Ich verstehe nicht ...“ Wie eine Lokomotive unter Volldampf umrundete Holmes den Tisch. „Ich meine selbstverständlich die dilettantische Vorgehensweise der Polizei“, sagte er.
    „Aber es fehlt doch offenbar an jeglichen konkreten Hinweisen“, entgegnete ich. „Nicht einmal das Motiv scheint klar zu sein.“ Holmes machte auf der Stelle kehrt, um den Tisch mit noch ausgreifenderen Schritten in der Gegenrichtung zu umrunden. Allein schon der Versuch, ihn im Auge zu behalten, ließ mich schwindlig werden.
    „Papperlapapp!“, stieß er schließlich ungehalten hervor. „Wir haben bereits eine Fülle von Indizien. Schauen Sie, Watson!“ Notgedrungen drehte ich mich zum Fenster um, wo Holmes wie ein Lehrmeister neben der Tafel stand. Nun sah ich endlich, mit welcher Thematik sich mein Freund die letzten Wochen über heimlich beschäftigt hatte. Seine klare prägnante Handschrift füllte beinahe die gesamte Tafel aus.

    „Der erste Mord geschah am 7. Mai in den Surrey Gardens. Ungefähr an der Stelle, an der vor zehn Jahren noch die Löwengehege standen. Das Opfer war Sir William Donhurst, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Natural History Museum. Donhurst wurde von vorne mit einem langen Dolch oder Stilett erstochen. Täter und Motiv unbekannt.“
    Sein Finger wanderte zur nächsten Zeile.
    „Mord Nummer zwei ereignete sich am 10. Mai, diesmal am Kennington Oval in der Nähe des Gasometers. Das Opfer war ein junger Sattler-Geselle aus Newington. Wieder geschah die Tat unter Zeugen und wieder konnte der Mörder unerkannt entfliehen.“ Holmes beachtete kaum mehr seine Aufzeichnungen; längst kannte er alle Daten, Namen und Orte auswendig.
    „Die dritte Bluttat fand auf dem Bishops Walk in Palace Gardens statt“, fuhr er fort. „Am 13. Mai wurde dort am frühen Abend eine Blumenhändlerin erstochen. Zum vierten Mal schlugen der oder die Täter am 16. Mai in der Gate Street am Lincoln Inn Field zu. Diesmal traf es eine betagte Offizierswitwe, die auf dem Weg zu ihrer wöchentlichen Bridge-Partie war.“ Holmes nahm sich ein Stück Kreide und begann eine weitere Zeile hinzuzufügen. „Und dann gestern der fünfte Mord.“ Kraftvoll notierte er das Datum. „Am Abend des 19. Eine 42-jährige Frau aus Westminster. Dahingemeuchelt auf der Wigmore Street am Cavendish Square. Erneut eine Stichwaffe, erneut keine brauchbare Täterbeschreibung.“ Seine letzten Kreidestriche erzeugten ein markerschütterndes Kreischen. Er wirbelte zu mir herum und streckte seine langen Arme weit von sich. Holmes’ leidende Miene sowie sein Gestus ließen ihn wie den Gekreuzigten höchstselbst erscheinen. „Was für eine Schande für das britische Empire!“, rief er aus.

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