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Roeslein tot

Roeslein tot

Titel: Roeslein tot
Autoren: Marketa Haist
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Eins
    Der Sepp ist nicht nach Hause gekommen, stellt euch vor!
    Jeden Donnerstag geht er am frühen Abend in den »Löwen« zum Schafkopfen, kommt so gegen elf zurück, macht noch eine Kontrollrunde durch seine Gärtnerei und dann ab ins Bett, die zwei oder drei Maß ausschlafen, die er beim Kartenspielen getrunken hat. Normalerweise. Aber nicht gestern Abend.
    Als er um drei viertel zwölf immer noch nicht da war, ist die Anni, seine Tochter, mit Fahrrad und Taschenlampe hinaus. Nach einer Stunde kam sie wieder, total aufgelöst. Danach stand sie die ganze Zeit am offenen Küchenfenster und hat in die Finsternis hinausgestarrt.
    Um Viertel nach eins hörte man ein Auto am Straßenrand anhalten. Ein Taxischild leuchtete auf. Die Anni war ganz aufgeregt. Der Sepp? Für die paar Schritte von der Wirtschaft würde der doch kein Taxi nehmen! Nein, es war der Jens, Annis Mann.
    »Anni, warum bist du noch nicht im Bett? Was ist los mit dir?«
    Die Anni drehte ihr tränenüberströmtes Gesicht zu ihm hin. »I wui hörn, wenn der Vatter kimmt. Du woaßt doch, dass er oiwei scho um elfe do is. Und jetzt is er ned do, und der Hintergruber Hansi hot gsogt, er is scho vor elfe naus aus der Wirtschaft!«
    »Vielleicht hat er sich in der dunklen, mondlosen Nacht ja auf den dreihundert Metern von der Wirtschaft bis nach Hause verirrt«, witzelte der Jens.
    »Soi i des jetzt spaßig findn?«, würgte die Anni hervor.
    »Reg dich doch nicht auf, der wird irgendwo betrunken in den Büschen liegen. Erfrieren kann er nicht, es ist ja sogar nachts warm. Glaub mir, morgen früh kommt er mit einem ordentlichen Kater ins Gewächshaus getorkelt.«
    »Wia kost so was sogn vo meim Vatter! Du woaßt genau, dess er no nia so bsoffa wor, dess er den Hoamweg nimma gfunden hätt. Nia! Außerdem hob i scho des gonze Dorf abgradlt mit der Toschnlampn. Nix! Koa Spur vo eam.«
    »Du wirst morgen schon sehen, dass die ganze Aufregung umsonst war. Geh jetzt schlafen.«
    »Dei Schwiagervatter is verschwundn, und di interessiert’s überhaupts ned! Oiso, wenn du nix unternimmst, i ruf jetzt bei der Polizei o.«
    »Nein, nein, nein, das mach lieber ich. Hier, ich geh schon zum Telefon. – Hallo? Ja, wir vermissen einen Senior, Herrn Josef Schladerer aus Reindlfing. Er ist einundsiebzig Jahre alt, mittelgroß, graue Stoppelhaare und trägt wahrscheinlich eine grüne Hose und eine braune Jacke, wie immer. Er hätte eigentlich um elf Uhr zu Hause sein sollen. Jetzt ist er immer noch nicht da und irrt vermutlich irgendwo herum. Ich habe zu meiner Frau gesagt, dass sich das Ganze sicher von allein aufklären wird, aber sie gibt keine Ruhe.«
    »Mei Vatter irrt ned rum wia so a dementer Senior. Wia kost du bloß so an Schmarren verzähln?«
    »Beruhige dich doch. Die Polizei ist dran, und bei denen ist die Sache in den besten Händen. Jetzt kannst du dich wirklich schlafen legen.«
    »Schlofa? Ned dro zum denka! Moanst vielleicht, i tat meinen Vatter eifach vergessn?«
    Da ist der Jens allein ins Bett gegangen, und die Anni hat weiter aus dem Fenster gestarrt. Später hat sie sich auf einen Küchenstuhl gesetzt und ist dort eingeschlafen.
    Ich habe von all dem erst heute Morgen erfahren, als in der ganzen Gärtnerei über nichts anderes mehr geredet wurde. Und ich muss sagen, dass ich Annis Sorge um den Sepp voll und ganz teile. Wie kann der Jens die Sache nur so auf die leichte Schulter nehmen? Er ist ein rücksichtsloser Kerl, das habe ich immer gewusst. Mit ihm stehe ich auf Kriegsfuß, seit es mich überhaupt gibt.
    Als ich noch ein Baby war, packte er mich einmal im Vorbeilaufen mit seiner Pratze an meinem einzigen Zweiglein. Die ersten Haarwurzeln fingen schon an zu reißen, da kam, dem Himmel sei Dank, der Sepp aus der Gewächshaustür und brummte: »Geh, Jens, loß de Holunder stoa, a Holunder is de Apotheek vom liam Herrgott! Den Herrgott gibt’s zwoar ned, ober de Heilwirkunga, de hob i selber ausprobiert.«
    Uff, das war damals Rettung in letzter Sekunde. Da kann sich keiner wundern, dass mir der Sepp viel bedeutet und der Jens wenig.
    Seitdem bin ich an der hinteren Wand des kleinen Gewächshauses, wo mich ein Vogel als winziges Samenkorn hingekleckert hat, kräftig gewachsen. Das große Gewächshaus mit dem Heizungsraum, der Kasse und dem Giftschrank befindet sich an der Straße und das kleine dahinter, übers Eck vom Fahrzeugschuppen. Zwischen dem kleinen Gewächshaus, dem Fahrzeugschuppen und dem Zaun mit dem rückwärtigen Tor, wo es zur

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