Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
PR Odyssee 01 - Die Kolonisten der Zukunft

PR Odyssee 01 - Die Kolonisten der Zukunft

Titel: PR Odyssee 01 - Die Kolonisten der Zukunft
Autoren: Hubert Haensel
Ads
Prolog
    Unheimlich und faszinierend zugleich ging die Sonne auf. Weitaus fahler als die Terraner es gewohnt waren und um ein Drittel kleiner, stieg sie über den zerklüfteten Horizont. Doch ihre Umrisse verwischten schnell - ein aufkommender Sturm peitschte Sandfontänen vor sich her.
    Im Widerstreit von Licht und Schatten verwischten die Kraterwände. Sekunden später fegte der Orkan über den Schwebebus hinweg. Die Ebene zwischen dem unwirtlichen Süden und den Lavafeldern des Nordens verwandelte sich in einen mahlenden, alles verschlingenden Strom. Mit Urgewalt brandete die rote Sandflut heran.
    »Es besteht kein Grund zur Aufregung.« Die Stimme des Piloten klang geschäftsmäßig monoton. »Bislang hatte die Anreicherung der Atmosphäre mit Sauerstoff Vorrang vor der Einführung der Wetterkontrolle.« Er lachte leise. »Der Sturm ist eine Zugabe; in wenigen Monaten wird das in den Siedlungsgebieten niemand mehr erleben.«
    Sand und Geröll schmirgelten über den Rumpf. Jenseits der Scheiben tobte eine rotschwarze Hölle. Es war unmöglich geworden zu erkennen, ob Mars-Liner-01 weiterhin dem engen Grabenbruch folgte oder schon zum Stillstand gekommen war.
    Kaum jemand sagte noch etwas. Hier und da war ein Murmeln zu vernehmen, eine erschreckte Äußerung, nicht mehr.
    »Wir ändern den Kurs, um dem Orkan auszuweichen...«
    Ein dumpfer Aufprall übertönte die Durchsage. Der Schwebebus bockte. Er schüttelte sich unter dem heranprasselnden Gesteinshagel. Die porösen Brocken zerplatzten beim Aufprall in ein Meer von Splittern.
    Die erste Verwünschung war zu hören. »Mars sehen und sterben -hieß es nicht einmal so?«
    »Wahnsinn!«, konterte eine jugendliche Stimme. »Wenn ich mir vorstelle, dass wir bald hier leben werden...«
    »Ahnst du überhaupt, was es heißt, in dieser Wüste auf sich allein gestellt zu sein?« Ein rot geädertes, aufgequollenes Gesicht wandte sich der jungen Frau zu. »Wie alt bist du? Neunzehn? Dann halte dich mit solchen Äußerungen zurück!«
    Shim Caratech lächelte säuerlich. »Siebzehn.« Sie nutzte die Gelegenheit, den Mann zu taxieren. »Sonst noch Fragen?« Zögernd strich sie mit einer Hand über das verhüllte Bündel auf ihrem Schoß.
    »Bewahre...« Ihr Gegenüber verzog das Gesicht, fasste sich an die massige Nase - und nieste schallend. Gleich darauf ein zweites Mal, während er aus zusammengekniffenen Augen suchend um sich blickte.
    Draußen herrschte Weltuntergang. Unaufhörlich malträtierte der Gesteinshagel das museumsreife Gefährt. Der Mars präsentierte sich von seiner denkbar schlechtesten Seite.
    »Man könnte annehmen, diese Welt mag uns nicht«, sagte der Mann hinter Shim.
    Braungebrannt und gut aussehend gefiel er ihr vom ersten Moment an, er gefiel vermutlich jeder Frau. Aber wenn sie ihn mit Perry Rhodan verglich, der vorn im Bus saß... Rhodan war interessanter. Trotzdem wandte Shim sich halb um. »Ich finde das aufregend. Eine beinahe unberührte Welt, wo gibt es die sonst noch?«
    »Wenn du das so siehst. Wir wurden uns leider noch nicht vorgestellt. Allgame. Pratton Allgame. Ich bin...« Seine Züge versteinerten, als das Aufheulen des Triebwerks die Isolierungen durchschlug. Der Orkan drückte den Bus zur Seite und schob ihn einen Abhang hinab. Die Schräglage wurde trotz der Stabilisatoren bedrohlich.
    »Kein Grund zur Aufregung...!«, meldete der Pilot.
    Das Kreischen berstenden Stahls übertönte die Durchsage. Mars-Liner-01 schrammte an Felsblöcken vorbei. Blitze zuckten durch die Düsternis. Ein gigantischer Sog tobte jetzt über dieser Region des Mangala Vallis.
    Mit dem Heck voran rutschte der Bus ab, Sekunden später überschlug er sich. In dem Moment schienen nur noch die automatischen Rückhaltesysteme der Sitze zu funktionieren. Shim Caratech wurde tief in die Polsterung gedrückt. Sie verkrampfte beide Hände um das Bündel auf ihrem Schoß, während sie Schicksalsergeben die Augen schloss.
    Jemand schimpfte erbärmlich.
    Eine andere Stimme lachte fast hysterisch - und brach gurgelnd ab, als die Prallfelder wieder wirksam wurden. Mars-Liner-01 schlingerte spürbar, doch Augenblicke später sank er so dicht neben einer zerfurchten Felswand zu Boden, dass niemand den Bus verlassen konnte. Jedenfalls nicht über eine der beiden Schleusen.
    »Wir hatten ein kleines Problem«, meldete der Pilot. »Bitte bewahrt Ruhe...«
    »Problem?«, rief jemand aufgebracht. »Ich muss verrückt gewesen sein, als ich... als ich glaubte... hier mein Glück

Weitere Kostenlose Bücher

Die Verlorenen
Die Verlorenen von Vampira VA
Des Teufels Alternative
Des Teufels Alternative von Frederick Forsyth