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Pakt des Bosen

Titel: Pakt des Bosen
Autoren: Gerling V S
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oder was?“ Voges sah in die Runde. „Machen wir uns an die Arbeit!“
Berlin, 14. Juni, 18.55 Uhr
    Gerling legte gerade den Telefonhörer auf, als Rosenthal sein Büro betrat.
    â€žAlles in Ordnung?“, fragte Rosenthal und setzte sich.
    â€žJa, alles ok. Das war Katja. Sie ist gerade mit einer Freundin in Griechenland und wollte wissen, wie es mir geht. Ich hab gelogen.“
    â€žWie meinst du das: du hast gelogen?“
    â€žIch habe ihr gesagt, dass es mir gut geht. Das war eine Lüge. Mir geht’s beschissen!“
    Rosenthal nickte. Er verstand seinen Kanzler. Sie hatten bereits gemeinsam eine schwere Krise überstanden. Als Gerling zum Kandidaten bestimmt worden war, hatten sie herausgefunden, dass ein deutscher Unternehmer viele einflussreiche Politiker erpressbar gemacht hatte. Dieser Unternehmer, Jürgen Ehlers, hatte den Politikern Prostituierte und in einigen Fällen sogar kleine Kinder besorgt und sie bei ihren sexuellen Handlungen gefilmt. Im Zuge ihrer Ermittlungen fanden Gerling und seine Mitarbeiter heraus, dass Ehlers nicht nur die Politiker erpressbar gemacht hatte, sondern auch Nazi war und schon Jahre vorher Nazi-Schläfer in die demokratischen Parteien Deutschlands eingeschleust hatte. Sie deckten die ganze Verschwörung auf, was der Kanzler fast mit seinem Leben bezahlt hätte, als auf ihn ein Attentat verübt wurde. Sie glaubten, alles überstanden zu haben, und hatten gehofft, jetzt Politik machen zu können, da sich das Land immer noch in einer wirtschaftlichen Krise befand. Und nun die Bombenanschläge. Es war nicht weiter verwunderlich, dass es Gerling nicht gutging. Zu allem Überfluss strebte Fachner auch noch eine Klage gegen den Bundeskanzler an. Das einzig Positive war, dass es schlimmer nicht kommen könnte, dachte Rosenthal.
Berlin, 14. Juni, 21.15 Uhr
    Gerling saß mit seinem neuen Sicherheitsberater zusammen, als die Tür aufging und Werner Rosenthal das Büro betrat. Er wirkte angespannt.
    â€žDas solltet ihr euch ansehen“, sagte er und ging zum Fernseher. Der Kanzler hatte das starke Gefühl eines Déjà-vus. Vor etwas mehr als zehn Stunden hatte der Innenminister sein Büro mit denselben Worten betreten. Zu dem Zeitpunkt hatte der Journalist Fachner angekündigt, dass er vorhabe, den Kanzler zu verklagen.
    Jetzt sahen sie die Liveübertragung einer Demonstration. Hunderte von Menschen gingen dicht gedrängt eine Straße entlang. Sie trugen Transparente mit Aufschriften wie „Stoppt das Töten“ oder „Wir haben genug vom islamischen Wahnsinn“. Einer hatte geschrieben „Moslems raus aus Europa!“.
    Die Kamera schwenkte nach vorne und Gerling erkannte, dass es dort an der Spitze des Demonstrationszuges zu ersten Ausschreitungen kam. Ein Kommentar wurde eingespielt:
    â€žWir befinden uns hier im Herzen von Kreuzberg, wo sich Hunderte von Berlinern zu einer spontanen Demonstration zusammengefunden haben. Bis eben verlief alles friedlich, obwohl in diesem Stadtteil der Anteil von Ausländern, darunter sehr viele mit islamischem Glauben, sehr hoch ist. Jetzt jedoch scheint die Stimmung umzuschlagen. Ich sehe mehrere Schlägereien. Schaufenster werden eingeworfen. Ich kann im Augenblick nicht feststellen, ob es Polizeikräfte in der Nähe gibt. Hier droht eindeutig eine Eskalation, obwohl bis jetzt keine rechtsradikalen Parolen zu hören waren.“
    Gerling stand auf und griff zu seinem Jackett.
    â€žWo willst du hin?“, fragte Rosenthal.
    â€žWohin wohl“, sagte der Kanzler knapp und ging Richtung Tür. Rosenthal sprang auf. Der Sicherheitsberater des Kanzlers beobachtete das Geschehen irritiert.
    â€žWenn du das vorhast, was ich glaube, dann rate ich dir dringend davon ab!“
    Gerling blieb stehen und sah seinen alten Freund lange an. Er kannte Werner Rosenthal seit vielen Jahren. Dieser war sein Jura-Professor an der Uni gewesen und sie hatten sich damals angefreundet. Rosenthal war dem jungen Kanzler schon vor dessen Wahl eine große Hilfe gewesen und es war der ausdrückliche Wunsch Gerlings gewesen, dass Rosenthal das Amt des Innenministers übernahm. Jan legte seinem Freund eine Hand auf die Schulter und lächelte.
    â€žSoll ich mich hier in meinem Büro verstecken und hoffen, dass alles gut wird? Ist es das, was du von mir erwartest?“ Es war das erste Mal, dass der Kanzler ihn duzte, und Rosenthal blinzelte erstaunt.

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