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Pakt des Bosen

Titel: Pakt des Bosen
Autoren: Gerling V S
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Ohne ein weiteres Wort verließ Gerling das Büro.
    Als Kirchner bewusst wurde, wo Gerling hinwollte, griff er mit entsetzter Miene zum Telefon.
Berlin, 14. Juni, 21.26 Uhr
    Martin von Sengen rannte auf der Suche nach Gerling durch das Kanzleramt. Kirchners Anruf hatte ihn natürlich alarmiert. Von Sengen gab sofort die Anweisung, dass der Kanzler nicht eher das Amt verlassen dürfe, bis er an dessen Seite sei. Es knackte in seinem Headset.
    â€žDer Kanzler ist in der Tiefgarage und wartet auf Sie.“
Berlin, 14. Juni, 21.30 Uhr
    Zwei Fahrzeuge verließen die Tiefgarage des Kanzleramtes und fuhren in Richtung Kreuzberg. Martin von Sengen hatte, als er die zuständige Polizei über den Plan des Kanzlers informiert hatte, erfahren, dass die Lage dort tatsächlich eskalierte. Mehrere hundert Demonstranten standen ebenso vielen Moslems gegenüber. Von Sengen war sehr besorgt, wusste aber, dass es keinen Zweck hatte, Gerling von seinem Vorhaben abzubringen. Nach wenigen Minuten tauchten vier Polizeimotorräder auf und verteilten sich. Zwei fuhren an der Spitze und zwei bildeten die Nachhut. Die beiden vorderen Motorradfahrer standen in ständigen Kontakt zur Einsatzzentrale und wurden über Nebenstraßen in die unmittelbare Nähe der Demonstration geleitet. Dort angekommen, stiegen sie ab und die Sicherheitsbeamten bildeten einen Schutzgürtel um den Kanzler. Von Sengen trat dicht an Gerling heran.
    â€žSobald die Lage bedrohlich wird, bringe ich dich da raus. Mir ist es egal, ob dir das gefällt oder nicht. Hast du mich verstanden?“, flüsterte Martin. Jan zwinkerte ihm zu und Martin verdrehte die Augen. Dann setzten sie sich in Bewegung.
    Sie bahnten sich einen Weg durch die Massen. Als die Demonstranten nach und nach bemerkten, wer sich dort einen Weg frei schob, wurde es ruhiger. Vor ihnen bildete sich eine Gasse, die sich hinter ihnen wieder schloss. Die Menschen folgten ihnen langsam. Dann erreichten sie das Epizentrum der Unruhen. Sofort spürten sie die aggressive Stimmung, die in der Luft hing. Die Sicherheitsbeamten rückten näher an den Kanzler heran. Der Lärm war hier ohrenbetäubend. Jan wandte sich an von Sengen.
    â€žIch brauche ein Megafon“, stellte Gerling fest. Martin leitete den Wunsch weiter und wenig später drückte ihm jemand ein Megafon in die Hand.
    â€žUnd jetzt?“, fragte von Sengen und hielt dem Kanzler das Megafon hin.
    â€žJetzt muss ich auf die andere Seite – zu den Moslems“, sagte dieser und schob sich nach rechts durch die Menge. Die wich, als sie ihn erkannte, erstaunt aus. Von Sengen fluchte und folgte Gerling.
    Die beste Übersicht hatte der Polizeihubschrauber, der über dem Geschehen kreiste. Der Demonstrationszug schob sich durch die Yorckstraße in westlicher Richtung auf eine Moschee zu. Ungefähr zehn Meter davor kam der Zug zum Stehen und dort standen sich die beiden Gruppen gegenüber. Auf der einen Seite die aufgebrachten Demonstranten und auf der anderen Seite die Moslems. Die Moschee selbst hatte noch keinen Schaden genommen, aber links und rechts vom Demonstrationszug gab es eingeworfene Schaufenster und Fensterscheiben sowie demolierte Autos. Beide Seiten schrieen sich nach Leibeskräften an und die Atmosphäre war bedrohlich. Jeden Augenblick konnte sie sich entladen.
    Plötzlich kam Bewegung in die Gruppe der erregten Moslems. Der Kanzler bahnte sich einen Weg. Viele erkannten ihn und waren erstaunt über sein Erscheinen. Ein in weiß gekleideter Mann mittleren Alters mit schwarzem Haar und Vollbart stellte sich Gerling in den Weg.
    â€žGuten Tag, Herr Bundeskanzler“, sagte er in akzentfreiem Deutsch. „Mein Name ist Akbar Ganji. Ich bin der Mufti dieser Moschee. Darf ich Sie fragen, was Sie vorhaben?“ Ganji lächelte den Kanzler freundlich an. Gerling erwiderte das Lächeln.
    â€žIch will vermeiden, dass das hier eskaliert“, antwortete er.
    Ganji nickte.
    â€žIch verstehe. Aber Sie müssen wissen, dass eine Eskalation nicht von unserer Seite aus erfolgen würde.“
    â€žDas weiß ich. Deshalb bin ich ja auch auf Ihrer Seite“, erwiderte Gerling doppeldeutig. Dann schob er sich weiter nach vorn bis an die Spitze der Menge. Jetzt hatte er freien Blick auf die aufgebrachte Menge vor ihm. Er hob das Megafon.
    â€žHallo. Mein Name ist Jan Gerling“, rief der Kanzler. Es wurde still. „Ich möchte Sie bitten, wieder

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