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Pakt des Bosen

Titel: Pakt des Bosen
Autoren: Gerling V S
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gewachsen.“
    Jetzt blickte auch der Kanzler nachdenklich.
Berlin, 14. Juni, 11.05 Uhr
    Die Beamten des Verfassungsschutzes und des BKA saßen um den Fernseher herum und sahen sich immer wieder den gleichen Film an. Aufgenommen von den Überwachungskameras, die auf den Gebäuden rund um das Holocaust-Mahnmal angebracht waren. Die sechs Beamten, drei vom BKA und drei vom Verfassungsschutz, bildeten gemeinsam die Spitze der neuen Anti-Terror Abteilung. Ins Leben gerufen war diese neue Abteilung vom Innenminister worden, als dieser erfahren hatte, dass beide Ämter über unterschiedliche Informationen über Terrororganisationen- und Zellen verfügten, der Austausch untereinander aber zu wünschen übrig ließ.
    Das Video zeigte einen Lieferwagen mit dem UPS-Logo, der langsam die Ebertstraße entlangfuhr und stehen blieb. Niemand verließ das Fahrzeug – es stand einfach nur da. Dann gab es plötzlich einen grellen Lichtblitz und man sah nur noch Qualm.
    Es hatte etwas Unwirkliches an sich, diese Bilder ohne Ton und in schwarz-weiß zu sehen.
    â€žOK. Jetzt wissen wir wie. Bleiben noch die Fragen wer und warum“, stellte Michael Rensing, Beamter des Verfassungsschutzes, fest. Dirk Voges, Hauptkommissar des BKA, spulte das Band noch einmal zurück, drückte an einer bestimmten Stelle auf die Pause-Taste und starrte auf das Standbild.
Berlin, 14. Juni, 11.15 Uhr
    Normalerweise vermittelten Pressekonferenzen dem Kanzler immer ein wenig das Gefühl von Langeweile. Die Journalisten hingen mehr oder weniger interessiert in ihren Stühlen, ließen die leeren Worte der Politiker über sich ergehen, machten sich dann und wann Notizen oder taten nur so, als würden sie sich welche machen, stellten hin und wieder ein paar sinnvolle Fragen und verließen dann, in der Regel nicht viel klüger als vorher, den Presseraum.
    Diese Pressekonferenz jedoch war anders. Das spürte Gerling sofort, als er den Raum betrat. Die Atmosphäre war voller Spannung und die anwesenden Journalisten musterten ihn voller Erwartung. Gerling ging zum Rednerpult, nahm einen Schluck Wasser und sah in die Runde.
    â€žHeute um 09.00 Uhr wurde unser Land Opfer eines feigen Anschlages. Noch unbekannte Täter haben in unmittelbarer Nähe des Holocaust-Mahnmals eine Bombe gezündet und nach bisherigen Erkenntnissen über hundert Menschen getötet. Unter den Opfern befinden sich viele Kinder und Jugendliche, die das Denkmal besichtigen wollten.“ Der Kanzler nahm noch einen Schluck Wasser.
    â€žDie Ermittlungen laufen auf Hochtouren, aber bislang wissen wir nicht, wer für dieses abscheuliche Verbrechen verantwortlich ist. Gleichzeitig explodierten in Madrid, London und Paris ebenfalls Bomben. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Anschläge von derselben Gruppe verübt wurden, die auch für den Anschlag in Berlin verantwortlich ist, ist sehr hoch. Insgesamt kamen bei den Attentaten mehr als eintausend Menschen ums Leben.“ Der Kanzler machte erneut eine Pause. Dann fuhr er fort.
    â€žZu diesem Zeitpunkt gibt es keine Anhaltspunkte, die darauf hindeuten, dass mit weiteren Anschlägen zu rechnen ist. Wir wissen nicht, wer dafür verantwortlich ist, daher möchte ich alle Medienvertreter bitten, sich mit Spekulationen über mögliche Terrorgruppen zurückzuhalten. Wir wollen nicht die üblichen Verdächtigen im Voraus beschuldigen. Dies würde uns keinen Schritt weiterbringen. Vielen Dank.“
    Der Kanzler wandte sich ab und wollte den Raum verlassen. Die Journalisten riefen durcheinander und bombardierten ihn mit Fragen. Ein Reporter wartete, bis etwas Ruhe einkehrte. Dann rief er Gerling zu: „Herr Bundeskanzler. Was sagen Sie zu den Vorwürfen des Kollegen Fachner hinsichtlich Ihrer angeblichen Drohung?“ Augenblicklich wurde es still im Presseraum.
    Der Kanzler sah den Journalisten streng an.
    â€žIst das Ihr Ernst? In dieser Situation diese Frage zu stellen, wo ich Ihnen gerade mitteilte, dass über eintausend Menschen ihr Leben verloren haben? Sie sollten sich ernsthaft Gedanken über Ihre Prioritäten machen!“ Mit diesen Worten verließ der Kanzler den Presseraum und ließ den Reporter mit hochrotem Gesicht zurück.

2
Berlin, 14. Juni, 12.30 Uhr
    Nachdenklich verließ Dirk Voges das Bürogebäude auf der Suche nach einem Imbiss, da er seit fünf Uhr heute Morgen nichts gegessen hatte. Er überquerte die Straße

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