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October Daye: Nachtmahr (German Edition)

October Daye: Nachtmahr (German Edition)

Titel: October Daye: Nachtmahr (German Edition)
Autoren: Seanan McGuire
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Kapitel 1
    Stiehlt vor dem Licht mein finstrer Sohn sich heim
    Und sperrt sich einsam in sein Kämmerlein,
    Verschließt dem schönen Tageslicht die Fenster
    Und schaffet künstlich Nacht um sich herum.
    William Shakespeare: Romeo und Julia
    7. September 2010
    E ines habe ich gelernt, seit ich als Privatdetektivin beziehungsweise fahrender Ritter für die Fae-Gemeinde in San Francisco tätig bin: Wenn etwas ganz einfach aussieht, ist es vermutlich alles andere als das. Nun mag man das für eine leichte Lektion halten, aber vielleicht bin ich etwas begriffsstutzig, denn leicht war diese Lektion beileibe nicht. Ich wurde in einen Fisch verwandelt, verflucht, beinahe ertränkt, kopiert, aufgeschlitzt, angeschossen, und mein Auto wurde in die Luft gejagt – glücklicherweise saß ich nicht drin, aber es war höllisch knapp. Im Augenblick turnte ich durch den Bankettsaal der ehrwürdigen Dame Eloise Altair und versuchte Barghests zu fangen, ohne dabei verletzt zu werden. Auch nicht leicht.
    »Toby! Ducken!« Danny hörte sich nicht sonderlich besorgt an. Allerdings ist Danny ein reinblütiger Brückentroll, was unter anderem bedeutet, dass seine Haut so hart wie Granit und doppelt so schwer zu beschädigen ist. Ich als halbblütige Daoine Sidhe bin entschieden verwundbarer.
    Ich duckte mich.
    Ein Barghest segelte über meinen Kopf hinweg und klatschte mit einem schmerzhaften Rums gegen die Wand. Nun sind Barghests zwar bösartige kleine hundeähnliche Monster mit Hörnern, einziehbaren Klauen und Giftstacheln an ihren Skorpionschwänzen, aber eines haben sie nicht: Flügel. Ich blickte kurz über meine Schulter, um mich zu vergewissern, dass der Aufschlag das Vieh nicht umgebracht hatte – es zuckte noch, was seinen Tod eher unwahrscheinlich machte – , dann wandte ich mich Danny zu und rümpfte die Nase.
    »Wechselbalg, schon vergessen? Könntest du dir ein bisschen mehr Mühe geben, mir keine stachligen Kreaturen an den Kopf zu schleudern?«
    »Klar doch«, erwiderte Danny unbekümmert. Zu unbekümmert für meinen Geschmack. Wenn jemand so sorglos auf die Forderung reagiert, gefälligst nicht mit Sachen zu werfen, hat er erfahrungsgemäß nicht die Absicht, sein Verhalten zu ändern.
    Mein Name ist October Daye, aber meine Freunde nennen mich Toby. Das mag damit zu tun haben, dass es sich riskant anfühlt, einen reizbaren dunkelhaarigen Wechselbalg mit einem Messer »October« zu rufen. Und eigentlich war dies nicht die Art, wie ich am liebsten meinen Samstagabend verbringe.
    Jeder Privatdetektiv bekommt es mit einem gewissen Prozentsatz schräger Fälle zu tun. Der Umstand, dass ich die einzige Fae-Privatdetektivin im ganzen Königreich bin, beschert mir allerdings eine deutlich höhere Quote an abgedrehten Jobs. Schlimmer ist, dass die meisten verrückten Aufträge vom hiesigen Adel kommen, was bedeutet, dass ich sie nicht ablehnen kann. Ich Glückspilz. Aber ich sollte nicht jammern. Arbeit ist Arbeit, und es war immer noch besser, in Dame Altairs Bankettsaal mit Barghests »Fang die Kuh« zu spielen, als wieder Taschenkontrollen im Supermarkt durchzuführen. Zumal der Supermarkt kaum geneigt war, mich wieder einzustellen, seit ich ohne Vorwarnung meinen Posten verlassen hatte. Damals hatte eine Freundin von mir sich ermorden lassen, weil jemand ein legendäres Fae-Artefakt aus ihrem Besitz an sich bringen wollte. Nicht gerade die Art von Notfall, die dem gesunden Menschenverstand leicht nahezubringen ist. Betonung auf Menschen verstand.
    Aber Wechselbälger glänzen selten in Jobs, die von festen Arbeitzeiten abhängen. Das haben wir von der Fae-Seite der Familie, während das menschliche Erbe uns zu stur macht, um es nicht immer wieder zu versuchen.
    Die ehrwürdige Dame Altair hatte am Montag angerufen und sich beklagt, dass »etwas« ihre Speisekammer verwüstete, ihre Dienerschaft erschreckte und das Leben überhaupt anstrengender machte, als sie es haben wollte. Am Mittwoch wusste ich, dass wir es mit einem Barghest-Befall zu tun hatten. Ich könnte versuchen, diese Erkenntnis allein meinen sagenhaften detektivischen Fähigkeiten zuzuschreiben, doch das wäre nicht ganz korrekt. Die Wahrheit war, dass ich auf einen drauftrat, als ich den Tatort besichtigte.
    Die Tatsache, dass es sich »nur« um Barghests handelte, war eine Erleichterung, zumindest für mich. Es hätte viel schlimmer kommen können. Die ehrwürdige Dame Altair wirkte nicht gerade erleichtert, allerdings nisteten sie auch auf ihrem Besitz,

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