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Nebel ueber Oxford

Nebel ueber Oxford

Titel: Nebel ueber Oxford
Autoren: Veronica Stallwood
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Gesicht.
    »Das ist Marianne«, stellte Blake die Frau vor. »Meine Lebensgefährtin.«
    »Ist das nicht schrecklich«, sagte Marianne. »Er hätte tot sein können.« Sie wandte sich wieder Blake zu. »Verdammt, du hättest tot sein können, Liebling. Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht, einfach in dieses Zimmer zu stürmen. Der Kerl hatte eine Waffe.«
    »Sie sehen deutlich besser aus als letztes Mal, Blake«, erklärte Kate heiter. »Wissen Sie schon, wann Sie nach Hause dürfen?«
    »Noch nicht. Hoffentlich bald. Ich würde alles für eine Zigarette geben.«
    »Ich denke, du hast aufgehört«, sagte Marianne zärtlich.
    »Wirklich?«
    »Oh ja, wirklich!«
    Über Mariannes Kopf hinweg warf Blake Kate einen flehenden Blick zu, doch sie schüttelte den Kopf. Auf keinen Fall würde sie Blake unter Mariannes wachsamen Augen Zigaretten zustecken. Wer wollte es sich schon mit Marianne verderben?
    »Das sieht ganz nach einem Brief von Roz aus«, sagte Jon am nächsten Morgen und reichte Kate ihren Teil der Post. »Endlich! Du kannst mir heute Abend erzählen, was sie geschrieben hat. Ich muss vor der Arbeit noch schnell zur Polizeiwache.«
    Kate blieb allein mit einem Becher Kaffee und dem Brief ihrer Mutter zurück.
     
    Liebe Kate,
    vielleicht überrascht Dich das, was ich Dir zu sagen habe.
    Erinnerst Du Dich, dass ich Dir von meiner zweiten Ehe erzählt habe? Ich habe in Kalifornien geheiratet. Mein Ehemann hieß António Soares da Silva. Falls Du Dich gefragt hast, wieso ich Dich nicht schon viel früher eingeweiht habe: Es gab dafür gute Gründe.
    António war ein charmanter, amüsanter und sehr gut aussehender, reicher Mann. Das alles trifft auch heute noch zu, nur dass er inzwischen noch viel reicher geworden ist.
     
    Himmel, sie wird sich doch nicht wieder in diesen Kerl verliebt haben, dachte Kate mit einem Anflug von Panik.
     
    Bei meiner Hochzeit wusste ich nicht, dass er sein Geld auf illegale Art und Weise verdient hat, und zwar hauptsächlich mit Wirtschaftskriminalität. Aber das ist noch nicht alles. Kurz gesagt: Er beschäftigt Auftragsmörder.
    Die genauen Details will ich Dir ersparen. Nur so viel: Als ich von dem Mord an meinen Freunden Marcus, Ayesha und Jefferson Freeman hörte, dachte ich – vor allem aufgrund der genauen Todesumstände – sofort an António. Ich beschloss, mich mit ihm in Verbindung zu setzen und nachzuforschen, ob ich mit meinem Verdacht richtig lag.
    Wir haben uns hier in Porto getroffen und viel Zeit miteinander verbracht. In der vergangenen Woche war ich Gast in seinem Haus, wurde von Bediensteten verwöhnt und von meinem charmanten Exmann unterhalten.
     
    Aha, dann ist sie also geschieden, dachte Kate erleichtert. Oder gebrauchte ihre Mutter den Ausdruck »Exmann« einfach nur so?
     
    Er ist ein faszinierender Mann, Kate, aber seine Moralvorstellungen decken sich nicht mit meinen und schon gar nicht mit Deinen. Im vergangenen Jahr fand er heraus, dass die Freemans ihm in die Quere gekommen waren, indem sie verrückte ältere Damen (ich weiß, dass Du jetzt sofort an Deine Mutter denkst) um Geld prellten. Als er dann meinen Namen auf ihrer Liste entdeckte, handelte er sofort. Er fühlt sich noch immer für mich verantwortlich, obwohl wir schon viele Jahre getrennt sind.
    Inzwischen ahnst Du sicher längst, dass er den Befehl zur Ermordung der Freemans gegeben hat.
    Ich habe daran gedacht, mit meinem Wissen hier zur Polizei zu gehen, doch ich glaube nicht, dass sie der Sache große Bedeutung beimessen würden. Also kehre ich irgendwann in den nächsten Tagen nach Oxford zurück und ziehe einen endgültigen Schlussstrich unter diesen Teil meiner Vergangenheit.
    Und weder Du noch ich werden je wieder darüber sprechen.
    Herzliche Grüße
    Roz
     
    Als Jon am Abend nach Hause kam, fragte er als Erstes nach dem Brief von Roz.
    »Nichts Besonderes«, berichtete Kate. »Ich habe den Eindruck, dass sie genug von ihrem Urlaub hat. Sie sagt, sie käme in den nächsten Tagen zurück. Und dann wird sie wohl wieder an ihre Arbeit gehen.«
    »Ich hatte gehofft, dass sie ein bisschen von ihrer Reise erzählt.«
    »Nein.« Jon sah ihren Gesichtsausdruck und fragte nicht weiter.
    Kurz darauf atmete Kate tief durch. »Es gibt da noch eine Sache, die ich gern klären würde.«
    »Und zwar?«
    »Susie Browne. Du mochtest sie noch immer, nicht wahr?«
    »Bis ich erkannt habe, wie sie tickt.«
    »Dann habe ich mir das also nicht eingebildet. Und du hast sie während ihrer Arbeit hier

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