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Im Todesnebel

Im Todesnebel

Titel: Im Todesnebel
Autoren: Clive Cussler
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Prolog
    Jeder Ozean fordert seinen Tribut an Schiffen und Mannschaften, doch kein Meer verschlingt sie mit solch unersättlicher Gier wie der Pazifik. Die Meuterei auf der
Bounty
ereignete sich auf dem Pazifik; die Meuterer verbrannten das Schiff später vor der Insel Pitcairn. Die
Essex,
das einzige Schiff, von dem man sicher weiß, daß es von einem Wal versenkt wurde (Melville fand hier das Thema zu seinem Roman
Moby Dick
), liegt begraben unter den Wogen des Pazifiks.
    Ebenso die
Hai Maru,
die in tausend Stücke zerrissen wurde, als unter ihr in der Tiefe der See ein Vulkan explodierte.
    Trotz alledem ist das größte Meer der Welt im Grunde ein ruhiges Gewässer. Selbst nach seinem Name heißt es friedlich und von sanftem Temperament.
    Vielleicht deshalb verschwendete Commander Felix Dupree auch nicht den leisesten Gedanken an die Möglichkeit einer Katastrophe, als er auf die Brücke des Atom-U-Bootes
Starbuck
stieg. Es war kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Dupree nickte dem wachhabenden Offizier zu und beugte sich dann über die Reling. Sein Blick ging nach vorn zum Bug des Schiffes, der mit fast schon gemächlicher Mühelosigkeit die Meeresdünung durchbrach.
    Seeleute betrachten gewöhnlich das Meer mit Respekt: Sogar Ehrfurcht befällt sie angesichts seiner Ruhe. Aber Dupree war nicht wie die anderen; er hatte sich nie von dem Zauber überwältigen lassen. Zwanzig Jahre fuhr er jetzt zur See, vierzehn davon hatte er auf Unterseebooten zugebracht – und immer noch quälte ihn der Hunger nach Anerkennung.
    Dabei war Dupree Captain des modernsten und revolutionärsten U-Bootes der Welt; doch das reichte ihm nicht.
    Er wollte mehr.
    Die
Starbuck
war in San Francisco auf Kiel gelegt worden, aber kein Unterseeboot vor ihr war gebaut worden wie sie. Jedes Bauteil, jedes technische System in ihrem Druckkörper war von Computern entworfen worden. Sie war das erste einer neuen Generation von Unterwasserschiffen, die wie riesige, unter die Wogen verlegte Städte in sechshundert Meter Tiefe und mit einer Geschwindigkeit von einhundertfünfundzwanzig Knoten ihrem Kurs folgen konnte. In gewisser Hinsicht glich die
Starbuck
einem Vollblutfohlen, das auf seiner ersten Leistungsschau ungeduldig an seinem Zügel reißt, bereit zu zeigen, was es kann.
    Doch es gab für die
Starbuck
kein Publikum. Das Amt für Unterwasserkriegführung hatte angeordnet, daß die Versuche unter strengster Geheimhaltung in einem abgelegenen Seegebiet des Pazifiks stattfinden sollten. Nicht ein einziges Begleitschiff war mit dem Unterseeboot ausgelaufen.
    Daß Dupree das Kommando für diese Jungfernfahrt der
Starbuck
übertragen worden war, verdankte er seinem außergewöhnlichen Ruf. Das »Computerhirn« hatten ihn seine Klassenkameraden in Annapolis genannt: Füttere ihm ein Bündel Fakten ein, und er wird dir in kürzester Zeit die einzig logische Antwort geben. Duprees Kenntnisse und Fähigkeiten waren bei der ganzen U-Boot-Flotte bekannt, aber wer in der Navy die Karriereleiter hinauf wollte, brauchte neben fachlichem Können auch Persönlichkeit, Einfluß und ein Geschick für wirksame Auftritte in der Öffentlichkeit. Da Dupree keines dieser drei Merkmale auszeichnete, war er bei den letzten Beförderungen einfach vergessen worden.
    Ein Summton zerriß die Stille. Der wachhabende Offizier, ein großer schwarzhaariger Lieutenant, nahm das Brückentelefon ab. Unsichtbar für den Anrufer am anderen Ende nickte er zweimal und legte dann wieder auf.
    »Der Kontrollraum«, sagte er knapp zu Dupree. »Nach der Anzeige des Echolots ist der Meeresgrund während der letzten zehn Kilometer um vierhundertfünfzig Meter angestiegen.«
    In Gedanken versunken, wandte sich Dupree langsam um.
    »Wahrscheinlich ein kleines Unterwassergebirge. Aber wir haben immer noch zwei Kilometer Wasser unter unserem Kiel.«
    Ein Lächeln zog auf sein Gesicht. »Auf Grund werden wir also nicht gleich laufen.«
    Der Lieutenant lächelte zurück. »Es geht doch nichts über ein paar Handbreit Sicherheit.«
    Dupree wandte sich wieder dem Wasser zu. Er hob ein Fernglas, das an einem Riemen um seinen Hals hing, an die Augen und beobachtete aufmerksam den Horizont. Während Tausender einsamer Stunden auf See, in denen er die Ozeane der Welt nach anderen Schiffen abgesucht hatte, war ihm diese Geste zur Gewohnheit geworden. Nichtsdestoweniger war sie vollkommen nutzlos. Das ausgeklügelte Radarsystem der
Starbuck
hätte jedes Objekt auf dem Meer lange entdeckt gehabt, bevor es

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