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Getäuscht - Thriller

Titel: Getäuscht - Thriller
Autoren: Bastei Lübbe
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London
    Storey's Gate, Westminster
    11.18 Uhr UTC
 
    Die Welt hatte sich in eine gigantische Feuerhölle verwandelt.
    Flammen schossen aus den Autowracks, die von der Wucht der Explosion kreuz und quer über die Straße geschleudert worden waren. Ölige schwarze Rauchwolken verdunkelten das Tageslicht und machten das Atmen zur Qual. Reglose, verrenkte, zerfetzte Körper lagen auf den Gehwegen und der Straße. Ein dichter Ascheregen sank auf die alptraumhafte Szenerie herab.
    Jonathan Ransom war mit dem Oberkörper nach hinten durch die Windschutzscheibe eines Pkw geschleudert worden. Als er benommen den Kopf hob, zerplatzte der Rest der Scheibe, und ein Scherbenregen prasselte ihm ins Gesicht. Benommen wischte er das Glas weg und fühlte sein warmes Blut auf der Hand. Außer einem schmerzhaft schrillen Pfeifton in seinen Ohren schien die Welt in Totenstille versunken zu sein.
    Emma, schoss es ihm durch den Kopf. O Gott, ist ihr was passiert?
    Benommen rutschte er von der Motorhaube, stützte sich am Wagen ab und atmete tief durch, bis das Schwindelgefühl verebbte. Nach und nach kehrte die Erinnerung zurück. Der Konvoi aus schwarzen Limousinen, die dreifarbige Flagge an der Antenne, das gleißende Licht, die plötzliche Hitzewelle und das seltsam losgelöste Gefühl, als er durch die Luft geschleudert worden war ...
    Langsam, mit unsicheren Schritten, bahnte Jonathan sich einen Weg zwischen schreienden Verletzten, rauchenden Trümmern und ausgebrannten Fahrzeugen hindurch bis zu der Stelle, wo er Emma zum letzten Mal gesehen hatte. Angestrengt hielt er Ausschau nach einer Frau mit rotbraunem Haar. »Emma!«, rief er und blickte in blutige, vor Entsetzen verzerrte Gesichter.
    Dort, wo der BMW gestanden hatte, war nur noch ein riesiger Krater. Der Wagen war fünf Meter durch die Luft geflogen und brannte lichterloh. Auf der anderen Seite, gegenüber vom BMW, entdeckte Jonathan die Überreste einer schwarzen Limousine. Die Insassen hatten nicht die geringste Chance gehabt. Sämtliche Fenster der umstehenden Gebäude waren von der Druckwelle aus den Rahmen gesprengt worden. Durch den Rauch konnte Jonathan die Gardinen sehen. Sie flatterten wie weiße Parlamentärsflaggen.
    Dann schälte sich am Ende der Straße eine drahtige blonde Frau aus dem Rauch und kam mit entschlossenen Schritten auf ihn zu. Die Frau rief irgendetwas, doch Jonathan konnte es nicht hören. In der einen Hand trug sie ein Walkie-Talkie, in der anderen eine Pistole, die auf Jonathan gerichtet war. Der Rauch war so dicht, dass er nicht erkennen konnte, ob die Frau allein war, aber das spielte ohnehin keine Rolle.
    Sie war Polizistin, und sie war hinter ihm her.
    Jonathan machte auf dem Absatz kehrt und rannte los.
    In diesem Moment hörte er den Schrei und blieb wie angewurzelt stehen.
    Unvermittelt taumelte ein Mann aus dem verkohlten Wrack einer schwarzen Limousine. Seine Kleidung schwelte, die Haut am Rücken war verbrannt, und seine Haare standen in Flammen, sodass sein Kopf von einem glutroten Lichterkranz umgeben war.
    Jonathan rannte auf den schreienden Mann zu, riss sich im Laufen den Blazer vom Körper, umwickelte damit den Kopf des Mannes und erstickte die Flammen. »Hinlegen!«, rief er. »Nicht bewegen! Ich hole Hilfe.«
    »Bitte ... bitte ...«, flehte der Mann.
    Jonathan hielt nach einem Rettungswagen Ausschau und sah einen Steinwurf entfernt einen Feuerwehrmann. Heftig gestikulierend versuchte er, auf sich aufmerksam zu machen. »Hierher! Ich brauche einen Arzt!«
    Im selben Augenblick wurde Jonathan brutal zu Boden gestoßen. Er spürte, wie jemand ihm die Arme auf den Rücken zerrte und ihm Handschellen anlegte. »Polizei!«, rief ihm eine Stimme ins Ohr. »Keine Tricks, oder Sie sind ein toter Mann.«
    »Kümmern Sie sich um den Verletzten!«, stieß Jonathan hervor und zerrte an den Handschellen. »Er hat schwere Verbrennungen. Decken Sie ihn zu. Wenn seine Wunden nicht vor dem Ruß geschützt werden, entzünden sie sich, und ...«
    »Schnauze!«, rief der Polizist grob und drückte Jonathans Kopf auf den Asphalt.
    Die blonde Frau kam heran und kauerte sich neben ihn. »Wie heißen Sie?«
    »Ransom... Jonathan Ransom. Ich bin Arzt.«
    »Warum haben Sie das getan?«
    »Was?«
    »Das hier. Die Bombe«, erwiderte die Frau. »Ich habe gesehen, dass Sie jemandem etwas zugerufen haben. Wer war das?«
    »Ich habe nicht ...« Jonathan verstummte abrupt und riss die Augen auf.
    »Was haben Sie nicht? Was ist mit Ihnen?«
    Jonathan hörte

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