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George Clooney, Tante Renate und ich (German Edition)

George Clooney, Tante Renate und ich (German Edition)

Titel: George Clooney, Tante Renate und ich (German Edition)
Autoren: Fanny Wagner
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    Kapitel 1
    Ich gebe es nur ungern zu, aber ich liebe Klatsch und Tratsch. Selbst in der Tageszeitung schlage ich zuerst «Vermischtes» auf, bevor ich mir das Elend dieser Welt zu Gemüte führe. Und nirgendwo kann man dieser Leidenschaft entspannter nachgehen als beim Friseur. Wenn alle haartechnischen Entscheidungen geklärt sind, versteht sich.
    «So, Frau Schumann.» Mona trat hinter meinen Stuhl und fuhr mir fachmännisch durch die schulterlangen Haare. «Was machen wir denn heute?»
    «Wie immer», sagte ich. «Waschen, Spitzen schneiden und auf jeden Fall eine Tönung.» Überall schimmerten neuerdings graue Haare durch, und mit vierunddreißig war ich eindeutig noch zu jung dafür, da durfte man schon mal schummeln.
    «Wissen Sie was?» Mona hielt ein paar Haarsträhnen in die Höhe. «Wie wäre es, wenn ich Ihnen heute mal ein paar ‹effects› mache?» Sie sprach das Wort wie «Iihfäkts» aus. Mit der Betonung auf einem langen «Iih».
    «Strähnchen?» Entsetzt dachte ich an das eine Mal, als ich mir so etwas hatte aufschwatzen lassen. Hinterher hatte ich wie ein missratenes Zebra ausgesehen. Nein, das musste ich nicht noch mal haben. Und schon gar nicht heute, wo ich mich doch am Abend endlich wieder mit Tobias …
    Mona schüttelte energisch ihre roten Locken. «Nein, mehr so Glanzlichter, verstehen Sie?» Um ihren Vorschlag zu unterstreichen, zupfte sie an meinen Haaren herum. «Das lockert total auf. Sie werden staunen!»
    Skeptisch schaute ich in den Spiegel. In solchen Dingen war ich sehr vorsichtig. Typisch Stier, wie meine Freundin Antonia sagen würde: Stiere halten am Bewährten fest. Und gerade beim Friseur schien mir das sehr vernünftig. Stichwort Zebra. Damals hatte ich das Haus wochenlang nur bemützt verlassen können.
    «Oder vielleicht eine Rottönung?» Mona ließ nicht locker.
    «Um Gottes willen!», rief ich erschrocken. Mona sah beleidigt drein, und erst da fiel mir auf, dass sie ja neuerdings selbst rothaarig war. «Ich meine, Ihnen steht das fabelhaft», ruderte ich zurück. Sie hob finster eine Augenbraue.
    Ich musste das wiedergutmachen. «Aber diese ‹Effects› klingen doch ganz gut», sagte ich schnell. Oje. Hoffentlich würde mir das nicht noch leidtun. Iih-fäkts von einer verärgerten Friseuse.
    Mona schien tatsächlich nicht mehr ganz so begeistert. «Sie müssen den Kopf gerade halten», sagte sie streng, als ich mir eine der Illustrierten schnappen wollte. «Sonst wird das nichts!»
    Sie zog kleinste Strähnchen aus meinem Haarschopf, legte sie auf Alublättchen und pinselte irgendwas drauf, wickelte sie ein und klappte das Ganze hoch.
    Das wollte ich nicht sehen. Ich schloss die Augen und dachte an heute Abend. Sofort machte sich ein warmes Gefühl in meinem Bauch breit, das sich allmählich nach unten ausdehnte und ein angenehmes Kribbeln im Unterleib verursachte. Es war schon Wochen her, dass ich mit Tobias geschlafen hatte. Immer wieder hatte er unsere Verabredungen kurzfristig abgesagt, weil er einen Auftrag fertig machen musste. Was zur Folge hatte, dass ich vor Lust und Sehnsucht kaum noch geradeaus gucken konnte.
    Aber damit war heute Schluss. Heute Abend würden wir es auf der ganzen Linie krachenlassen. Ich nickte voller Überzeugung, was einen Aufschrei von Mona zur Folge hatte.
    «Wenn Sie den Kopf nicht ruhig halten», drohte sie, «dann wird das nichts!»
    Kurz darauf sah ich aus wie ein Weihnachtsbaum, an dem lauter silberne Päckchen baumelten, und während die «Effects» in der Wärme vor sich hin bleichten, konnte ich mich endlich um Liebe und Leid der Promis kümmern.
    Ich schnappte mir eine von Monas alten Zeitschriften und landete bei den Pimperaffären von Dominique Strauss-Kahn. Bei dem Mann war anscheinend das gesamte Hirn in die Unterhose umgezogen, anders konnte ich mir diese Geschichten nicht erklären.
    Bei den anderen Promis ging es eher um die Folgen von Affären. Und so, wie sie mit ihren Bäuchen und Bälgern hausieren gingen, konnte man den Eindruck gewinnen, sie hätten Eizelle und Sperma persönlich erfunden.
    Auch die Firma Brangelina grübelte mal wieder über das Thema nach: zeugen oder adoptieren? Mhm. Vielleicht sollte sie zur Abwechslung einen kleinen Eskimo aufnehmen. Oder Inuk, wie das nun offiziell hieß. Die genaue Familienzusammensetzung hatte ich zwar nicht mehr auf dem Schirm, aber so ein Kind fehlte noch, da war ich mir sicher.
    Brad Pitts Ex Jennifer Aniston quälten ganz andere Sorgen. Sie

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