Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Einige werden überleben

Einige werden überleben

Titel: Einige werden überleben
Autoren: Algis Budrys
Ads
 
Prolog
     
    Dies alles geschah viele Jahre nach der Seuche, ungefähr zu derselben Zeit, als man davon sprach, den Amerikanischen Zwinger-Club im Osten und Süden neu zu beleben. Aber dieses hier passierte weiter nordwestlich: Es wurde dunkel auf der riesigen Ebene, die sich von den Appalachen bis zu den Ausläufern der Rocky Mountains erstreckte. Das hohe Gras flüsterte im Abendwind.
    Ein Kettenkampfwagen schob sich klappernd und heulend auf die untergehende Sonne zu. Hinter ihm lag der eintönige Horizont aus Gras, fast vollständig eben und ohne ein sichtbares Zeichen von Leben. Das öde Grasland erstreckte sich auf beiden Seiten. Vor ihm lagen, schwarz und von der Entfernung verwischt, die Ausläufer der Berge, ein Pinselstrich in einer kräftigen Linie direkt unter der Sonne.
    Der Kampfwagen, ein geduckter, dunkler, hastender Umriß, war der Anfang einer immer länger werdenden Spur von zerdrücktem Gras. Er bewegte sich mit unaufhaltsamer Geschwindigkeit vorwärts. Seine Panzerung war rostig und von Schweißstellen vernarbt. Die stumpfe dunkelgrüne Farbe blätterte ab. Irgend jemand hatte auf die Seite des breiten Doppelturms mit geübter Hand das Wappen der Siebten Nordamerikanischen Republik gemalt. Auch dort war die Farbe schlecht, obwohl sie viel frischer war. Ein anderes Wappen schimmerte darunter durch, und darunter wieder ein anderes.
    Joe Custis, mit dem angenommenen Dienstgrad eines Hauptmanns der Siebten Republikanischen Armee, saß auf dem sattelförmigen Kommandantensitz. Kopf und Schultern ragten aus der offenen Luke; die schweren Hände hatte er gegen ihren Rand gestützt. Der Kopfhörer der Gegensprechanlage drückte die Mütze mit dem breiten Schild, die er tief über die zerkratzte Schutzbrille der Amerikanischen Optischen Gesellschaft gezogen hatte, eng an seinen Schädel. Sein massives Kinn war braungebrannt, und die tiefen Furchen um seinen Mund waren schwarz von zusammengebackenem Staub und Schweiß. Sein Kopf drehte sich ständig von einer Seite zur anderen, und immer wieder wandte er sich um, um nach hinten zu sehen.
    Ein in der Entfernung noch weißer Fleck zur Linken wurde zu einem frischgestrichenen Hinweisschild, das man auf dem Scheitel eines niedrigen Hügels an einen Pfosten genagelt hatte. Er ließ seine Schutzbrille an seinem Hals herabbaumeln und schaute durch das Fernglas. Es war ein handgeschriebenes Schild in Totenkopfform – nicht neu, aber noch in gutem Zustand – auf dem folgendes stand:
     
    KEIN ESSEN
    KEIN TREIBSTOFF
    KEINE FRAUEN
     
    Custis griff zum Kommandantenmikrophon und sagte: „Lew, siehst du das Ding da? Gut, fahr langsam darauf zu. Paß auf – wenn ich es dir sage, hältst du ganz an.“
    Er stellte den Kommandantensitz so ein, daß sein Gesicht die Höhe der Okulare des Kuppelperiskops erreicht hatte. Dann hob er das Periskop an, bis es in seiner ganzen Länge dünn und biegsam über der Kuppel ausgefahren war. Es sah mit seinen vielen Gelenken wie die erhobene zitternde Antenne eines Wesens aus, das auf den roten Ebenen des Mars lebte und sich in unerhörte Kämpfe stürzte.
    „Langsam jetzt, Lew … langsam … halt.“
    Der Kampfwagen hielt mit laufendem Motor an, und das Periskop suchte den Hügel ab. Joe Custis griff nach oben und verschloß das Turmluk über seinem Kopf. Er beugte sich ungelenk nach unten und sah durch die Optik.
    Auf der anderen Seite des Höhenzugs lag ein Tal, oder vielmehr das, was vor langer Zeit einmal ein Tal gewesen war. Jetzt war es eine breite, flache Senke, in die zehntausend Jahrhunderte Regen die fetteste Krume hineingespült hatten. In dem Tal gab es Felder und verstreut niedrige, bucklige, grasbewachsene Erhebungen. Kein Licht war zu sehen. Auf den Feldern war keine Bewegung auszumachen, aber eines von ihnen war halb geeggt. Der Boden war frisch aufgebrochen, die Oberfläche schimmerte noch schwer und fett bis zu einem Punkt, an dem die Spuren der Spitzegge von ihrem vorherigen Kurs abwichen und auf eine der Erhebungen zuführten, die in Wirklichkeit eine Grashütte war. Ein Bauer hatte seine Arbeit unterbrochen und sein Pferd und die wertvolle handgefertigte Egge in Sicherheit gebracht.
    Die Stimme des Fahrers hallte im Kopfhörer von Joe Custis wider. „Soll ich näher ranfahren. damit wir es uns genauer ansehen können?“
    „Nein. Nein, fahre um die Sache hier herum, und dann nimm wieder den alten Kurs. Näher will ich nicht rangehen. Es könnte dort Fallen oder Minen geben.“
    Custis senkte das

Weitere Kostenlose Bücher

Killer Calories
Killer Calories von G.A. McKevett
Puppenbraut
Puppenbraut von May Brooke Aweley