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Die Spur der Füchse

Die Spur der Füchse

Titel: Die Spur der Füchse
Autoren: Ken Follett
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Vorbemerkung

    Dieser Roman wurde 1976 geschrieben, kurz vor meinem Thriller Die Nadel, und ich halte Die Spur der Füchse für den besten meiner nicht so bekannten Romane. Wie auch Der Modigliani-Skandal, wurde er unter dem Pseudonym »Zachary Stone« veröffentlicht, denn die Romane ähneln sich: In beiden gibt es keine Hauptfigur; statt dessen werden verschiedene Gruppen von Protagonisten vorgestellt, deren Einzelgeschichten ineinander verwoben sind und die einen gemeinsamen romanhaften Höhepunkt erleben.
    In Die Spur der Füchse sind diese Verbindungen weniger zufällig als in Der Modigliani-Skandal, denn der Roman soll zeigen, auf welch korrupte Weise das Verbrechen, die Hochfinanz und der Journalismus miteinander verknüpft sind. Außerdem fällt der Schluß dieses Romans im Vergleich zu Der Modigliani-Skandal ziemlich düster aus; man könnte ihn beinahe schon als Tragödie bezeichnen.
    Doch am aufschlußreichsten sind die Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen Die Spur der Füchse und Die Na del. (Leser, die sofort den Kuchen möchten, nicht erst das Rezept, sollten diese Vorbemerkung übergehen und sich sofort Kapitel 1 zuwenden.) Der Plot von Die Spur der Füchse ist der raffinierteste, den ich mir jemals ausgedacht habe, doch die Verkaufszahlen dieses Romans haben mich davon überzeugt, daß raffinierte Plots den Autoren größere Befriedigung verschaffen als den Lesern. Die Handlung von Die Nadel ist vergleichsweise unkompliziert; im Grunde kann man sie in drei Absätzen niederschreiben – wie ich es tatsächlich getan habe, als ich zum erstenmal über diesen Roman nachdachte. In Die Nadel gibt es nur drei oder vier wichtige Figuren, in Die Spur der Füchse hingegen ungefähr ein Dutzend. Doch trotz seines komplexen Handlungsgefüges und der Vielzahl der Personen ist Die Spur der Füchse nur halb so umfangreich wie Die Nadel. Als Schriftsteller mußte ich stets gegen die Neigung ankämpfen, mich allzu knapp zu fassen, und in Die Spur der Füchse habe ich diesen Kampf verloren. Demzufolge sind die vielen Protagonisten in raschen, flüchtigen Pinselstrichen gezeichnet, und es mangelt ein wenig an der starken inneren Beziehung des Verfassers zu Leben und Schicksal seiner Figuren, wie Leser es bei einem Bestseller erwarten.
    Eine der Stärken des Romans ist seine Form. Die Handlung beschränkt sich auf einen einzigen Tag im Leben einer Londoner Abendzeitung (1973/74 habe ich selbst für eine solche Zeitung gearbeitet). In jedem Kapitel wird eine Stunde dieses Tages in drei oder vier Abschnitten geschildert; in diesen Abschnitten wiederum wird beschrieben, was sich sowohl in der Redaktion als auch außerhalb ereignet. Mit anderen Worten: Ich erzähle die Geschichten, über die von der Zeitung berichtet wird (sofern die Zeitung sie mitbekommt), wie auch die Geschichten, die sich in der Zeitungsredaktion abspielen.
    In Die Nadel ist der inhaltliche Aufbau sogar noch strenger, was meines Wissens noch niemandem aufgefallen ist: Der Roman besteht aus sechs Teilen mit jeweils sechs Kapiteln (bis auf den letzten Teil, der sieben Kapitel aufweist). Der erste Teil eines jeden Kapitels beschäftigt sich mit dem Spion, der zweite mit seinen Jägern; so geht es weiter bis zum jeweils sechsten Kapitel, in dem stets von den internationalen militärischen Konsequenzen der zuvor geschilderten Ereignisse erzählt wird. Den Lesern fällt so etwas kaum auf – und warum auch? Ich bin der Meinung, daß diese Regelmäßigkeit, ja, Symmetrie der Form zu ei nem Ergebnis führt, das der Leser – auch ohne sich bestimmter Muster bewußt zu sein – als gut erzählte Geschichte aufnimmt.
    Das zweite gemeinsame Merkmal von Die Spur der Füchse und Die Nadel ist die Vielzahl der Nebenfiguren – Huren, Diebe, geistig zurückgebliebene Kinder, Arbeiterfrauen und einsame alte Männer. In späteren Romanen bin ich anders verfahren; denn ein solches Konzept lenkt von den Hauptfiguren und deren Geschichten ab. Dennoch frage ich mich häufig, ob ich dabei nicht zu schlau sein möchte.
    Was die Verbindungen von Verbrechen, Hochfinanz und Journalismus angeht, bin ich mir heute nicht mehr so sicher wie 1976. Aber ich glaube, der vorliegende Roman ist auf eine andere Weise lebensnah: Er zeigt ein detailliertes Bild Londons, wie ich es aus den siebziger Jahren kenne, mit seinen Polizisten und Ganoven, Bankern und Callgirls; mit seinen Läden und seinen Slums, seinen Straßen und seinem Fluß. Ich habe dieses London geliebt, und ich hoffe, auch

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