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Die schoene Muenchnerin

Die schoene Muenchnerin

Titel: Die schoene Muenchnerin
Autoren: Kaemmerer Harry
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WWWRRROOOAAAAARRRRRRRRRRRRRRRR
    Der Sound war unbeschreiblich. Hanke trat das Pedal voll durch, dann Gas zurück, Schalthebel vor, das Getriebe jaulte auf, der Maserati ging auf hundertzehn runter, Hanke stieg auf die Bremse, ließ sie los, gab am Scheitel­punkt der Kurve wieder Gas, die Hinterreifen drehten durch, griffen und katapultierten den Wagen aus der Neunzig-Grad-Kurve. Hankes Lederhandschuhhände hielten das Lenkrad ruhig und gelassen. Er lächelte. Was für ein geiles Auto! Gestern hatten sie es geliefert. Und heute war Sonntag und Kaiserwetter. Gut, dass die Kesselbergstraße am Wochenende für Motorräder gesperrt war. Und die hielten sich auch noch dran, ha! Na ja, vorhin hatte er noch zwei Typen auf einer alten Triumph gesehen. Die letzten Gesetzesbrecher. Wo käme man hin, wenn alles nach Vorschrift liefe? Bei ihm lief es gerade besonders gut – finanziell. Und definitiv nicht vorschriftsmäßig! No risk, no fun.
    Er schaltete den CD-Player an. Verdis Requiem erfüllte den Innenraum des Wagens mit Bombast. Dies irae. Tag des Zorns. Das passte zur Stimmung, die das Telefonat vorhin bei ihm ausgelöst hatte. Grasser hatte sie doch nicht alle! Sein ewiges Misstrauen. Wenn die Jungs das wahre Potenzial bei dem Geschäft nicht erkannten, dann musste er eben die Konsequenzen ziehen. ›Die Hosenscheißer! Und dieser blöde Sammer. Will mitspielen bei den Großen, und dann gibt er diesem Journalisten ein Interview. Was für ein Depp! Scheißt ins eigene Nest. Soll mal bei seiner kleinen Priener Praxis bleiben!‹ Aber den hatte er gut eingebremst, auf Spur gebracht. Hanke lachte. Das Chefmäßige war genau seins, das würde Grasser auch noch einsehen. Er schnaufte durch. Der Ärger hatte sein Testosteron in Wallung gebracht. Da war der Maserati genau das Richtige! Yeah! Er trat aufs Gas, und der Wagen machte einen Satz. Und morgen ab in den Urlaub, nach bella Italia. »In deine Heimat, Baby!«, sagte er zu seinem Wagen. »Drei Wochen!« Wann hatte er zum letzten Mal so lange Urlaub gemacht? Er brauchte dringend eine Auszeit. Dass sich sein Nebenjob so prächtig entwickelte, war nicht abzusehen gewesen. Kostete aber auch Zeit und Nerven. Doch der Einsatz lohnte sich. Spitzenrendite!
    Er sah in den Rückspiegel. Was war das denn? Ein schwarzer BMW. Bisschen nah dran, die Proletenschleuder. Er tippte noch mal aufs Gas und gab Gummi. Aber die Kiste hielt mit. Am Ende würde der ihn überholen! Jetzt war der BMW ganz nah dran. ›Echt nicht!‹, dachte Hanke. Er schaltete einen Gang runter und gab Stoff. BROAAAARRRR …
    Auf der kurvenreichen Strecke würden allerdings nicht die PS darüber entscheiden, wer die Hosen anhat, sondern das Fahrkönnen. Das wusste Hanke. Aber er hatte keine Zweifel, wer der Bessere war. Blöde Frage. Er schnitt die nächste Kurve scharf an, schaltete einen Gang runter und beschleunigte aus der Kurve heraus. Von neunzig auf hundertvierzig. Weg waren sie. Er entspannte sich auf der Geraden und legte einen höheren Gang ein.
    Nein, verdammt, jetzt tauchten sie schon wieder auf. Er spürte, dass seine Hände feucht wurden, trotz Lederhandschuhen. ›Hey, der Typ will’s wissen‹, dachte er – »Komm schon, du Arsch!« – und drückte noch mehr aufs Gas. Der Maserati ging ab wie eine Rakete. Rein in die die nächste Kurve, nur Motorbremse, der Motor brüllte – Verdi auch –, und raus aus der Kurve, eine lange S-Kombination, die gerade noch hundertdreißig aushielt, dann wieder Gang runter, Drehzahl auf 8000. Kehre. Weiter den Berg hoch. Der verdammte BMW war immer noch da. Klebte geduckt auf der Straße, wie eine Raubkatze vor dem Sprung. ›Was will der von mir?!‹ Hankes Hände krallten sich ins Lenkrad, beinahe kam er von der Strecke ab, Steine spritzten an den Wagenboden. ›Cool bleiben, Alter, lass dich von dem Bauern nicht provozieren!‹ Er blieb nicht cool, denn jetzt war der BMW fast an seiner Stoßstange. Hinter der tiefgetönten Scheibe konnte er keinen Fahrer erkennen. »Du Arsch machst mir keine Kratzer in den Lack«, zischte Hanke und trat aufs Gas. Aber der BMW blieb dran. Panik verschleierte jetzt Hankes Blick. Der Typ meinte es ernst! Hanke schaltete einen Gang hoch und gab auf der langen Geraden Gas. Doch der BMW klebte wie Pech an seinem Heck. Hanke tippte aufs Bremspedal, das Bremslicht flammte auf. Sofort stieg der BMW-Fahrer in die Eisen, das pumpende ABS drückte die Wagenfront auf die Straße, der BMW kam ins Schlingern. »Siehst du wohl!«, sagte Hanke

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