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Die Schatzsucher-Mafia schlägt zu

Die Schatzsucher-Mafia schlägt zu

Titel: Die Schatzsucher-Mafia schlägt zu
Autoren: Stefan Wolf
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1. Überfall in der
Diepensiek-Gasse
     
    In dieser kalten Aprilnacht
schien die Großstadt zu schlafen. Leergefegte Straßen, nieselnder Regen, Öde,
wohin man sah.
    Nur wenige Typen waren
unterwegs — darunter Tim, der Anführer der TKKG-Bande, und Klößchen, sein
Internatsfreund und Budenkamerad.
    Ein Disko-Besuch lag hinter
ihnen. Keine heimliche Aktion, sondern ein genehmigter Ausflug. Der EvD (Erzieher
vom Dienst) stand dafür gerade, denn die beiden arbeiteten heute nacht als
Reporter: für die Schülerzeitung DURCHBLICK
    Um den Lärmpegel der Diskos
ging’s. Und um die Preise. Um die Szene allgemein. Um die Abgabe von Alkohol an
Minderjährige. Und um andere, viel gefährlichere Drogen, denn bekanntlich sind
Dealer in den einschlägigen Schuppen zu Hause.
    O Mann! dachte Tim und lenkte
sein Rennrad über die Schmalseite vom Opern-Platz. Was wir gesehen haben! Das
füllt Seiten. Harte Tatsachen! Und unsere Kritik wird noch härter sein. Worauf
konzentrieren wir uns? Klar! Drogen-Trip. Schwerhörigkeit wegen brutaler
Beschallung. Und die Unfälle auf dem Heimweg. Das sind Themen.
    Klößchen, der hinter ihm
radelte, keuchte.
    „Kannst du nicht langsamer?“
    „Wieso? Schläfst du schon?“
    „Ich dampfe. Und wir haben nur
drei Grad plus. Nicht mal der Regen kühlt. Außerdem ist meine Schokolade weg.
Hat mir sicherlich so ein Drogen-Freak geklaut in dem Disko-Gedränge. Der
dachte wohl, es wäre schwarzer Afghane (Haschisch). Häh, wird der sich
wundern über den Kakao-Geschmack. Du, wie schmeckt Haschisch eigentlich?“
    „Keine Ahnung. Ist ‘ne
Erfahrung, auf die ich verzichten kann.“
    „Im In-and-out hat’s mir am
besten gefallen. Diese grüne Beleuchtung. Alle sahen aus wie Wasserleichen.
Fahren wir durch die Diepensiek-Gasse? Das kürzt ab.“
    „Wir sind bereits in der
Diepensiek-Gasse“, erwiderte Tim.
    Scharfer Wind kam von vorn. Die
Leuchtpeitschen schwankten. Nur wenige erleuchtete Fenster.
    Hinter einer Haustür bellte ein
Hund, als Klößchen über eine scheppernde Blechdose fuhr.
    Die Gasse führte vorbei an
einem Innenstadt-Parkplatz, der an Werktagen schon morgens um acht gerammelt
voll war: wegen der nahen Bürohäuser, deren Angestellte null Bock hatten auf
öffentliche Verkehrsmittel wie Bus oder U-Bahn. Alle kamen mit dem eigenen
Wagen.
    Eine dichte Hecke aus dornigem
Allwetter-Gestrüpp grenzte den Platz ab — offen nur die Ein- und die Ausfahrt.
    Tims Kopf ruckte nach rechts.
War da ein Stöhnen?
    Hell oder gelb schimmerte was
durchs Geäst. Ein Wagen? Und da waren auch Geräusche. Als falle was — platsch!
— auf regennassen Asphalt.
    Tim stoppte, wandte sich
Klößchen zu und legte warnend den Zeigefinger über die Lippen.
    Klößchen trug seine
Baseball-Mütze, den Schirm hinten. Verständnislosigkeit auf dem Mondgesicht.
Aber dann begriff er, denn Tim hatte sein Rad zur Hecke geschoben, bückte sich
nun und spähte durch eine Lücke.
    Was er sah, verschlug ihm den
Atem. Der Parkplatz war leer - ausgenommen einen Kleinlaster. Gelb, ein
Postauto.
    Drei Personen waren
beschäftigt; zwei davon maskiert, der dritte ein Postbeamter. Der Größere, in
schwarzer Regenkluft, hielt eine Maschinenpistole im Anschlag.
    Die Mündung bedrohte den
Postler. Postjacke, Uniformhose, Arbeitsmütze. Er stand, Gesicht zum Wagen, an
der Seite und reckte die Arme zum Himmel. Die Arme zitterten, die Knie auch.
Außerdem stöhnte er. Sicherlich hatte er eins in die Rippen gekriegt.
    Der zweite Maskierte war
ebenfalls hochgewachsen, reichte aber nicht an die 190 cm des Bewaffneten
heran. Auch auf der zweiten wollnen Sturmhaube glitzerten Regentropfen wie
Perlen. Dadurch wirkte die Maskierung wie eine kalte Kompresse (feuchter
Umschlag).
    Räuber
Nr. zwei war bekleidet mit heller Regenjacke, hatte die Hecktüren des
Kleinlasters geöffnet und schlitzte mit einem Messer die Postsäcke auf.
    Dabei hatte er schon erhebliche
Arbeit geleistet, denn den schmutzig-nassen Boden übersäten Briefe, Päckchen,
Pakete. Nr. zwei nahm nicht alles, sondern wählte aus — nach welchem Maßstab
auch immer. Was seine Billigung fand, wurde in einen Müllsack gestopft. Der war
schon halbvoll.

    „R... Räuber“, flüsterte
Klößchen.
    „Sie rauben Wertbriefe,
Wertpakete“, erwiderte Tim ebenso leise.
    „Da... können wir nichts
machen.“
    Er hat recht, dachte Tim. Nr.
eins luchst nach allen Seiten. Da geht kein Anpirschen. Der würde schießen.
    „Wir brauchen ein Telefon,
Willi. Polizei

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