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Die Judenbuche

Die Judenbuche

Titel: Die Judenbuche
Autoren: Annette von Droste-Hülshoff
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Annette von Droste-Hülshoff (1779-1848)
    Die Judenbuche

    Die Judenbuche

    Ein Sittengemälde aus
    dem gebirgischen Westfalen

    Literatur Online: Kunstguerilla for Freewarez am: 11.10.2000
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    Annette von Droste-Hülshoff (1779-1848)
    Die Judenbuche

    Wo die Hand so zart, daß ohne Irren
    Sie sondern mag beschränkten Hirnes Wirren,
    So fest, daß ohne Zittern sie den Stein
    Mag schleudern auf ein arm verkümmert Sein?
    Zu wägen jedes Wort, das unvergessen
    In junge Brust die zähen Wurzeln trieb,
    Des Vorteils geheimen Seelendieb?
    Du Glücklicher, geboren und gehegt
    Im lichten Raum, von frommer Hand gepflegt,
    Leg hin die Waagschal, nimmer dir erlaubt!
    Laß ruhn den Stein - er trifft dein eignes Haupt!

    Friedrich Mergel, geboren 1738, war der einzige Sohn eines sogenannten Halbmeiers oder
    Grundeigentümers geringerer Klasse im Dorfe B., das, so schlecht gebaut und rauchig es sein
    mag, doch das Auge jedes Reisenden fesselt durch die überaus malerische Schönheit seiner
    Lage in der grünen Waldschlucht eines bedeutenden und geschichtlich merkwürdigen Gebirges.
    Das Ländchen, dem es angehörte, war damals einer jener abgeschlossenen Erdwinkel ohne
    Fabriken und Handel, ohne Heerstraßen, wo noch ein fremdes Gesicht Aufsehen erregte und
    eine Reise von dreißig Meilen selbst den Vornehmeren zum Ulysses seiner Gegend machte -
    kurz, ein Fleck, wie es deren sonst so viele in Deutschland gab, mit all den Mängeln und Tu-
    genden, all der Originalität und Beschränktheit, wie sie nur in solchen Zuständen gedeihen.
    Unter höchst einfachen und häufig unzulänglichen Gesetzen waren die Begriffe der Einwohner
    von Recht und Unrecht einigermaßen in Verwirrung geraten, oder vielmehr, es hatte sich ne-
    ben dem gesetzlichen ein zweites Recht gebildet, ein Recht der öffentlichen Meinung, der Ge-
    wohnheit und der durch Vernachlässigung entstandenen Verjährung. Die Gutsbesitzer, denen
    die niedere Gerichtsbarkeit zustand, straften und belohnten nach ihrer in den meisten Fällen
    redlichen Einsicht; der Untergebene tat, was ihm ausführbar und mit einem etwas weiten Ge-
    wissen verträglich schien, und nur dem Verlierenden fiel es zuweilen ein, in alten staubichten
    Urkunden nachzuschlagen.
    Es ist schwer, jene Zeit unparteiisch ins Auge zu fassen; sie ist seit ihrem Verschwinden ent-
    weder hochmütig getadelt oder albern gelobt worden, da den, der sie erlebte, zuviel teure Er-
    innerungen blenden und der Spätergeborene sie nicht begreift. Soviel darf man indessen be-
    haupten, daß die Form schwächer, der Kern fester, Vergehn häufiger, Gewissenlosigkeit selte-
    ner waren. Denn wer nach seiner Überzeugung handelt, und sei es noch so mangelhaft, kann
    nie ganz zugrunde gehen, wogegen nichts seelentötender wirkt, als gegen das innere Rechts-
    gefühl das äußere Recht in Anspruch nehmen.
    Ein Menschenschlag, unruhiger und unternehmender als alle seine Nachbarn, ließ in dem klei-
    nen Staate, von dem wir reden, manches weit greller hervortreten als anderswo unter gleichen
    Umständen. Holz- und Jagdfrevel waren an der Tagesordnung, und bei den häufig vorfallenden
    Schlägereien hatte sich jeder selbst seines zerschlagenen Kopfes zu trösten. Da jedoch große
    und ergiebige Waldungen den Hauptreichtum des Landes ausmachten, ward allerdings scharf
    über die Forsten gewacht, aber weniger auf gesetzlichem Wege als in stets erneuten Versu-
    chen, Gewalt und List mit gleichen Waffen zu überbieten.
    Das Dorf B. galt für die hochmütigste, schlauste und kühnste Gemeinde des ganzen Fürsten-
    tums. Seine Lage inmitten tiefer und stolzer Waldeinsamkeit mochte schon früh den angebore-
    nen Starrsinn der Gemüter nähren; die Nähe des Flusses, der in die See mündete und bedeck-
    te Fahrzeuge trug, groß genug, um Schiffbauholz bequem und sicher außer Landes zu führen,
    trug sehr dazu bei, die natürliche Kühnheit der Holzfrevler zu ermutigen, und der Umstand,
    daß alles umher von Förstern wimmelte, konnte hier nur aufregend wirken, da bei den häufig
    vorkommenden Scharmützeln der Vorteil meist auf seiten der Bauern blieb. Dreißig, vierzig
    Wagen zogen zugleich aus in den schönen Mondnächten mit ungefähr doppelt soviel Mann-
    schaft jedes Alters, vom halbwüchsigen Knaben bis zum siebzigjährigen Ortsvorsteher, der als

    Literatur Online: Kunstguerilla for Freewarez am: 11.10.2000
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    Annette von Droste-Hülshoff (1779-1848)
    Die Judenbuche

    erfahrener Leitbock den Zug mit gleich stolzem

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