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Die Heilerin

Die Heilerin

Titel: Die Heilerin
Autoren: Aufbau
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Kammer.
    »Ja?«
    Zögerlich trat Franz Daniel ein.
    »Margret.«
    Sie biss sich auf die Lippen, wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte.
    »Euch geht es besser?«
    »Ja.«
    »Das freut mich.« Er hustete verlegen, setzte sich dann aufden Stuhl neben ihrem Bett. »Ruth scheint genesen zu sein, die Köchin von Sir William gleichwohl. Wir haben Euch viel zu verdanken.«
    »Zwei andere sind gestorben, so wurde mir gesagt.«
    »Ja, sie spuckten schwarzen Schleim und bluteten aus Nase und Augen. Furchtbar.«
    Margaretha schloss die Augen, sie dauerte der Tod der Geplagten, auch wenn es nichts gab, womit sie ihnen hätte helfen können.
    »Margret …«
    »Franz Daniel«, unterbrach sie ihn. »Ich bin keine Heilige, aber auch keine Heuchlerin …«
    »Das weiß ich.« Er schüttelte den Kopf. »Ich war naiv, war leichtgläubig und verunsichert.«
    »Verunsichert?«
    »Ja, ich habe mich durch Eure Brüder verunsichern lassen und habe nicht auf mein Herz gehört.« Er lachte leise. »Was dumm war. Margret, das Fundament zu meinem Haus ist gelegt. Morgen wird der Kamin errichtet und danach die Außenwände. Das Holz ist schon gesägt, die Steine behauen und die Fenster bestellt. Ich habe allerorts in der Gemeinde um Hilfe gebeten, und plötzlich waren auch alle da. Ohne Zögern und Zweifel.« Wieder lachte er leise, es klang verlegen. »Die Zweifel kamen aus mir, wohin sie auch wieder zurückgingen. Ach, Margret … wenn ich doch nur in Worte fassen könnte, was ich fühle.«
    »Versucht es.«
    »Muss ich das wirklich?« Er rückte vor und nahm ihre Hand. »Muss ich es?«
    »Franz Daniel, meine Brüder haben nichts zu mir gesagt, nichts, was Eure Absichten betrifft. Niemals.«
    »Das weiß ich heute auch.« Er schüttelte den Kopf. »Und ich habe Euch ja auch nie selbst gefragt.« Er biss sich auf die Lippen, lächelte dann zögerlich. »Es fällt mir schwer, kaum traue ich mich.«
    »Warum?«
    »Ja, warum eigentlich? Möchtest du meine Frau werden, Margaretha?«
    Nun kämpfte sie mit den Worten, nickte nur.
     
    Ende September 1684 wurde das Haus von Franz Daniel Pastorius in Germantown, Philadelphia, fertiggestellt. Das Haus hatte eine Schreibstube und eine Vorratskammer für Kräuter und Arzneien. Anfang Oktober ehelichte Franz Daniel Pastorius Margaretha op den Graeff.

Nachwort
    Dies ist eine fiktive Geschichte, die meiner Phantasie entsprungen ist. Dennoch hat sie einen realen Hintergrund. Die Familie op den Graeff lebte tatsächlich in Krefeld. Es gab Isaak und Gretje, Hermann, Abraham und Dirck. Es gab auch Margaretha op den Graeff und Franz Daniel Pastorius.
    Im März 1683 weilte Franz Daniel Pastorius als Beauftragter der Frankfurter Land Compagnie in Krefeld bei den Brüdern op den Graeff. Schon einen Monat später hatten die op den Graeffs und weitere zehn Familien aus Krefeld und Umgebung all ihr Hab und Gut verkauft und machten sich auf nach Pennsylvania. Sie landeten am 6. Oktober 1683 in Philadelphia. Noch heute werden die dreizehn Familien als die »Original Thirteen« in Amerika gefeiert. Sie gründeten dort Germantown in der Nähe von Philadelphia. Und dies in einer Zeit, als es weder Fernsehen noch Internet gab und noch irgendwelche Auswanderershows.
     
    Die op den Graeffs waren ursprünglich Mennoniten, genauso wie die anderen Familien, die ihnen folgten. Aber auch der religiöse Konflikt hat tatsächlich stattgefunden. Es gab tatsächlichdie Kontakte zu Sir William Penn und Steven Crisp – der die Krefelder nachhaltig beeindruckte.
     
    Ich habe lange recherchiert. Eine große Hilfe waren mir dabei wieder einmal die Bücher »Krefeld – Die Geschichte einer Stadt« von Reinhard Feinendegen und Hans Vogt (Hg.) und »Vom Rhein zum Delaware« von Ernst Köppen.
     
    Auch haben mir die Schriften der Mennonitischen Gemeinde viele Informationen gegeben.
    Die Geschichte um Margaretha op den Graeff ist dennoch eine fiktive Geschichte. Ob sie der Heilkunst mächtig war, ist nicht bekannt.

Danksagung
    Dieses Buch hätte ich ohne Hilfe nicht schreiben können. Herzlich bedanken möchte ich mich bei dem Pastor der Mennonitischen Gemeinde, Christoph Wiebe, der mir wieder viele Fragen beantwortet hat.
     
    Bedanken möchte ich mich auch bei Imke Haesloop für die detailreichen Antworten zu Pferden, Jagd und Hunden.
     
    Ohne Thomas Schüren hätte ich manche Szene nicht schreiben können. Lieber Thomas, herzlichen Dank für Deine Mitarbeit und das Gegenlesen.
    Die Fehler, die trotzdem noch im Buch sein mögen,

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