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Der Vollstrecker

Der Vollstrecker

Titel: Der Vollstrecker
Autoren: Chris Carter
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    1
    E ine grausame Ironie, nicht wahr, dass das einzig Sichere im Leben der Tod ist?« Die Stimme des Mannes war ruhig, seine Haltung entspannt.
    Â»Bitte … tun Sie mir nichts …« Im Gegensatz dazu litt sein Opfer, das vor ihm am Boden kauerte, panische Angst. Die Hände waren hoch über dem Kopf ans nackte Mauerwerk gekettet. Seine Stimme war heiser von Tränen und Blut, sein nackter Körper zitterte vor Erschöpfung.
    Jemand hatte den dunklen Keller in ein mittelalterliches Verlies verwandelt. An allen vier Wänden hingen schwere Eisenketten. Der beißende Gestank von Urin erfüllte die Luft, und aus einer großen Holzkiste in der Ecke drang unablässig ein gedämpftes Summen. Der Raum war schalldicht und ausbruchssicher. War man einmal darin gefangen, gab es kein Entkommen mehr – es sei denn, man wurde herausgelassen.
    Â»Es spielt keine Rolle, wie man sein Leben gelebt hat«, fuhr der Mann fort, ohne dem Flehen seines blutenden Opfers Beachtung zu schenken. »Es spielt keine Rolle, wie viel Geld man besitzt, was man im Leben erreicht hat, wen man kennt oder welche Hoffnungen man hat. Am Ende passiert uns allen dasselbe: Wir sterben.«
    Â»O Gott, bitte, nein …«
    Â»Worauf es ankommt, ist, wie wir sterben.«
    Der Mann am Boden musste husten und spuckte dabei einen feinen Sprühnebel aus Blut.
    Â»Manche sterben eines natürlichen Todes. Ein sanftes, schmerzloses Hinübergleiten am Ende eines langen Lebens.« Der Mann lachte ein unheimliches, gurgelndes Lachen. »Andere leiden an unheilbaren Krankheiten, siechen jahrelang dahin und kämpfen verbissen um jede Sekunde.«
    Â»Ich … ich bin nicht reich. Ich habe nicht viel Geld, aber was ich habe, kann ich Ihnen geben.«
    Â»Schhhh.« Der Mann legte einen Finger an die Lippen, bevor er flüsterte: »Ich brauche dein Geld nicht.«
    Ein erneuter Hustenanfall, wieder flogen winzige Blutstropfen in alle Richtungen.
    Ein teuflisches Lächeln kroch über die Lippen des Mannes. »Und wieder andere sterben sehr langsam und qualvoll«, fuhr er bedächtig fort. »Der Todeskampf kann sich über viele Stunden hinziehen … über Tage … Wochen sogar. Wenn man weiß, was man tut, gibt es keine Grenze, wusstest du das?« Er hielt inne.
    Erst jetzt sah der angekettete Mann die Nagelpistole in der Hand seines Peinigers.
    Â»Und glaub mir, ich weiß genau, was ich tue. Erlaube mir, es zu demonstrieren.« Er machte einen Schritt nach vorn und trat dabei fast wie zufällig auf den Knochen, der aus einem offenen Bruch am Knöchel des gefesselten Mannes durch die Haut stak. Dann beugte er sich vor und feuerte in rascher Folge drei Nägel in das rechte Knie des Mannes. Ein unerträglicher, sengender Schmerz schoss sein Bein hinauf und presste ihm die Luft aus den Lungen. Mehrere Sekunden lang verschwamm alles vor seinen Augen. Die Nägel waren drei Zoll lang – zu kurz, als dass sie auf der anderen Seite wieder ausgetreten wären, aber dick und spitz genug, um Knochen und Knorpel zu zertrümmern.
    Der Gefesselte atmete keuchend in kurzen, flachen Stößen. Trotz der Schmerzen versuchte er zu sprechen. »Bi… bitte. Ich habe eine Tochter. Sie ist krank … ich bin alles, was sie noch hat.«
    Erneut hallte das seltsame gurgelnde Lachen im Kellerraum wider. »Und du glaubst, das interessiert mich? Pass auf – ich zeige dir, wie sehr es mich interessiert.« Der Mann packte einen der im Knie steckenden Nägel und drückte ihn ganz langsam immer weiter zur Seite, als ob er mit einem Schraubenzieher den Deckel von einer Dose Lack hebeln wollte. Ein Knirschen wie von Glasscherben war zu hören.
    Der Mann am Boden heulte auf, aber sein Peiniger übte unerbittlich Druck auf den Nagel aus, so lange, bis schließlich die Kniescheibe brach. Übelkeit stieg in dem Gefesselten hoch wie eine Flutwelle. Der andere Mann schlug ihm ein paar Mal mit der flachen Hand ins Gesicht, damit er nicht das Bewusstsein verlor.
    Â»Schön wach bleiben«, raunte er. »Ich möchte, dass du jede Sekunde genießt. Es kommt noch mehr.«
    Â»Warum … warum tun Sie das?«
    Â»Warum?« Der Mann leckte sich die spröden Lippen und lachte. »Ich werde dir zeigen, warum.« Aus seiner Hosentasche zog er ein Foto, das er dem anderen ganz nah vors Gesicht hielt.
    Mehrere Sekunden lang blickte

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