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Der Torwächter Bd. 2 - Die verlorene Stadt

Der Torwächter Bd. 2 - Die verlorene Stadt

Titel: Der Torwächter Bd. 2 - Die verlorene Stadt
Autoren: Markus Stromiedel
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Prolog
    Die plötzliche Hitze traf Simon wie ein Schlag. Er riss den Mund auf und sog den Atem ein wie ein Ertrinkender, der verzweifelt nach Luft ringt. Nach zwei, drei Atemzügen ging es besser. Dann kam der Schmerz. Er kroch in seinen Körper hinein, vom Kopf abwärts in den Rumpf und weiter bis zu den Spitzen seiner Finger, den Enden seiner Zehen.
    Wo war er?
    Simon blieb liegen, bis die Schmerzen nachließen und er unter seinen Händen feuchte Erde spürte. Der satte Geruch von Moder stieg ihm in die Nase. Vorsichtig bewegte er seine Arme, seine Beine. Dann richtete er sich auf und blinzelte in das Licht.
    Um ihn herum war es grün. Großblättrige Pflanzen wucherten unter gewaltigen Bäumen, Schlingpflanzen hingen von den Ästen herab und bedeckten die Stämme. Dazwischen öffneten sich Blüten in allen Formen und Farben. Der Boden dampfte, wie Nebel hingen die Wassertröpfchen in der Luft. Ein vielstimmiges Kreischen und Zetern erfüllte das Dickicht.
    Mühsam stand Simon auf. Es fiel ihm schwer, seinen Körper zu beherrschen, doch mit jeder Bewegung ging es besser. Seine Haut war feucht, der Dunst kroch in seine Kleidung und durchnässte den Stoff.
    Wie kam er hierher?
    Erst jetzt sah Simon, dass er sich in einer Senke befand. Wände aus Backstein lugten durch das wuchernde Grün. Er kletterte an einer Liane aus der Vertiefung. Auch oben entdeckte er Mauerreste im Dickicht der Pflanzen. Moos überzog die Trümmer, Schlingpflanzen schoben ihre Triebe in jede Ritze. Der Dschungel umklammerte alles mit festem Griff.
    Ein Funkeln ließ ihn aufmerken: Es war ein Lichtschein, er schwebte über der Mulde. Das Licht verblasste, Simon kam es vor, als hörte er von weit her ein Klacken, so als ob eine Tür zufallen würde. Das Leuchten erlosch.
    Das Weltentor! Die Erinnerung durchzuckte ihn wie ein heißer Blitz. Jetzt wusste er wieder, was geschehen war! Er war durch ein Weltentor geflohen, hierher an diesen fremden Ort. Doch er hatte das Tor nicht alleine passiert. Sein Großvater war bei ihm gewesen.
    Eilig kletterte Simon zurück in die Senke und durchsuchte das Unterholz. Er fand seinen Großvater unter einer fetten Sumpfpflanze. Simon riss die Blätter zur Seite und beugte sich über ihn. »Opa!« Der Alte sah ausgemergelt aus, er war am Ende seiner Kraft. Simon rüttelte ihn. »Opa, wach auf!«
    Die Lider des Alten zitterten, dann, unendlich langsam, öffneten sich seine Augen. Sein Großvater schien überrascht zu sein, mit gerunzelter Stirn blickte er in den Blätterhimmel. Endlich erkannte er seinen Enkel. Er lächelte. »Hast du es geschafft?« Seine Stimme war schwach und heiser, Simon musste sich über ihn beugen, um die Worte zu verstehen. »Wo sind wir? Wo ist Ashakida?«
    Simon antwortete nicht.
    Der Alte tastete nach Simons Hand, er spürte die Sorge, die seinen Enkel erfüllte. »Was ist geschehen?« Er hustete.
    Simon holte eine Flasche mit Wasser aus seinem Rucksack. Der Großvater trank in kleinen Schlucken, bis er Simons Arm beiseiteschob. »Jetzt sag endlich: Was ist passiert?«
    Stumm steckte Simon die Wasserflasche in den Rucksack zurück.
    So viel war geschehen. Wo sollte er beginnen?
    Er dachte an die Nacht am Rand des Dorfes zurück, an die Stunden am Lagerfeuer, nachdem er tagelang suchend durch den Ort gestreift war. Auf einmal war alles wieder da: seine Sorgen, die Angst, die Einsamkeit.
    Sogar der Geruch des Feuers stieg in seine Nase …

[zurück]
1
    Das Haus brannte. Die Flammen schlugen aus den Fenstern, sie leckten aus dem Dach und loderten aus dem Schornstein. Gerade sprangen die ersten Feuerzungen hinauf in die alten Olivenbäume, die ihre Äste über dem Anwesen ausgebreitet hatten. Als wären sie glühende Eichhörnchen, huschten die Flammen über das knorrige Holz und vermehrten sich, bis die Bäume wie riesige Fackeln brannten. Die Nacht war hell wie der Tag.
    Erschrocken starrte Simon auf das Feuer. Die Hitze nahm immer mehr zu, je höher die Flammen tanzten. Er wich zurück und sah sich suchend um. Warum half ihm denn keiner? Der Brand musste kilometerweit zu sehen sein! Doch außer ihm war niemand hier, der Platz vor dem Haus war leer. Auch auf der Auffahrt und im Garten entdeckte er niemanden.
    Da bemerkte Simon etwas Merkwürdiges: Gleich hinter dem schmiedeeisernen Tor auf der anderen Seite der Mauer, die das Grundstück des Großvaters umgab, war alles wie erstarrt, so als wäre die ganze Welt ringsherum in einem großen Block aus Eis eingefroren.
    Was

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