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Der Ruul-Konflikt 2: Nahende Finsternis

Der Ruul-Konflikt 2: Nahende Finsternis

Titel: Der Ruul-Konflikt 2: Nahende Finsternis
Autoren: Stefan Burban
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Kapitel 1
     
     
    Das kleine, verschlafene Landhaus schmiegte sich eng an eine grüne, dicht bewaldete Hügelkette. Zu seiner Rechten führte eine schmale Straße ins nahegelegene Dorf. Zu seiner Linken lag ein kleiner See mit kristallklarem Wasser, der von einem ruhig dahinfließenden Fluss gespeist wurde.
    Es war eine idyllische Kulisse. Eine Kulisse, die typisch war für die Seraphim-Kolonie. Der Planet war eine kleine, abgelegene Agrargemeinschaft, etwa dreißig Lichtjahre von der Erde entfernt. Die Kolonie war spärlich besiedelt. Die Bevölkerung betrug weniger als vierzigtausend Menschen, die sich auf einige kleine Ortschaften verteilten.
    Unter normalen Umständen stellte man sich so den perfekten Urlaubsort vor. Wären nicht die sechs bewaffneten Männer gewesen, die das Anwesen mit Argusaugen und automatischen Projektilwaffen in den Händen bewachten. Zwei hatten sich auf dem Dach postiert und zwei weitere auf der Veranda, wo sie mit ihren bulligen Körpern die Haustür blockierten. Die letzten beiden Wachen hatten sich in der Nähe der Straße aufgestellt, wo sie ankommende Fahrzeuge bereits von Weitem ausmachen konnten.
    Der Scharfschütze beobachtete die Männer ohne erkennbare Gefühlsregung durch sein Zielfernrohr. Geistesabwesend kaute er auf einem Grashalm herum und ließ ihn abwechselnd vom linken Mundwinkel in den rechten und wieder zurück wandern. Das Fadenkreuz bewegte sich im Gleichklang zu seinen regelmäßigen Atemzügen. Er hatte sich bis auf weniger als dreihundert Meter an das Gebäude herangearbeitet und verharrte nun regungslos im hüfthohen Gras. Seine Kleidung, die exakt der Farbe der ihn umgebenden Flora entsprach, machte ihn praktisch für alle zufälligen Beobachter unsichtbar. Keine der Wachen bemerkte ihn. Befriedigt zuckte ein kurzes Lächeln über sein Gesicht. Es war die einzige Gefühlsregung, die er sich erlaubte.
    »Ich zähle sechs Ziele«, flüsterte er leise in sein Headset.
    »Ausschalten«, kam gedämpft die Antwort.
    Der Scharfschütze sah erneut durch das Zielfernrohr. Bewegte das Fadenkreuz von Ziel zu Ziel, um durchzuspielen, wie lange er für die Eliminierung brauchen würde. Diesen Vorgang wiederholte er mehrmals. Als er endlich zufrieden war, holte er einmal tief Luft und hielt den Atem an. Er bewegte das Fadenkreuz erneut von Ziel zu Ziel. Nur dieses Mal strich er bei jeder Wache kurz über den Abzug.
    Sechs Projektile verließen den Lauf des schallgedämpften Präzisionsgewehrs in ebenso vielen Sekunden. Die Wachen sanken ohne einen Laut zusammen, wo sie gerade standen. Leise und kontrolliert stieß er den Atem aus.
    »Erledigt«, meldete der Scharfschütze.
    Er hatte kaum ausgesprochen, als sieben Köpfe aus dem See auftauchten. Mit ihren Tauchermasken und den schwarzen Anzügen wirkten die Soldaten wie überdimensionierte Insekten. Die Waffen im Anschlag spähten sie umher. Kontrollierten so ihre Umgebung, bevor sie betont langsam und vorsichtig, um jedes unnötige Geräusch zu vermeiden, aus den Fluten wateten. Sie sparten an jeder überflüssigen Bewegung und verursachten nicht einmal Wellen im Wasser. Nur ein kurzes Plätschern, als sie aus dem Wasser stiegen. Aber selbst das fiel nicht weiter auf.
    Am Ufer angekommen legten drei von ihnen die Waffen ab und schälten sich aus ihren hauteng anliegenden Taucheranzügen. Die übrigen vier ließen sich jeweils auf ein Knie nieder und gaben ihren Kameraden währenddessen Deckung. Als die drei fertig waren, wurden die Rollen getauscht und die anderen vier Teammitglieder zogen die unbequeme, aber zweckmäßige Kleidung aus.
    Erst jetzt wurde erkennbar, dass es sich um fünf Männer und zwei Frauen handelte. Obwohl zwei von ihnen alles andere als athletische Körpermaße aufwiesen, bewegte sich jeder Einzelne mit der Eleganz und den sparsamen Bewegungen des geübten Spezialisten.
    Geduckt schlich das Einsatzteam zur Veranda. Ohne sie eines Blickes zu würdigen, stiegen sie über die Leichen der Wachen. Sie stellten sich links und rechts der Haustür auf. Einer der Soldaten – etwas kleiner, aber dafür umso muskulöser als der Rest seiner Kameraden – warf seinem Nebenmann einen kurzen Blick zu. Dieser nickte.
    Der Soldat hob den Fuß und mit einem wuchtigen Tritt riss er die Tür aus den Angeln. Sie zerbarst in einem Schauer aus Splittern, von denen einige so groß waren wie eine geballte Männerfaust. Die improvisierten Geschosse fegten regelrecht durch den Eingangsbereich. Ein Mann, der ihnen auf

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