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Der Graf von Monte Christo 2

Der Graf von Monte Christo 2

Titel: Der Graf von Monte Christo 2
Autoren: Alexandre Dumas
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Al e x a n d re D u m a s
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    Mo n t e C h r i s t o
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    Verlag Neues Leben

    Titel der französischen Originalausgabe: Le Comte de Monte-Christo Dieser Ausgabe liegt eine ältere bearbeitete Übersetzung zugrunde, deren Abdruck uns freundlicherweise der Verlag Rütten & Loening, Berlin, genehmigte Alle Rechte für diese Ausgabe
    beim Verlag Neues Leben, Berlin 
    Lizenz Nr.  (/a/)
    ES  D /
    Schutzumschlag und Einband; Eberhard Binder-Staßfurt Typografi e: Gerhard Schulz
    Schrift:  p Garamond-Antiqua
    Gesamtherstellung:
    Karl-Marx-Werk Pößneck V /
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    Am folgenden Tag gegen zwei Uhr nachmittags hielt ein mit zwei prächtigen englischen Pferden bespannter Wagen vor Monte Christos Tür. Darin saß ein Mann, der einen blauen Rock, eine weiße Weste mit einer prächtigen goldnen Kette und nußbraune Beinkleider trug.
    Sein Haar war so schwarz und ging so tief bis zu den Augenbrauen herunter, daß man es kaum für natürlich halten konnte, sowenig paßte es zu; den Runzeln des Gesichts. Dieser Mann, der fünfzig bis fünfundfünfzig Jahre alt war und off enbar wie ein Vierziger erscheinen wollte, steckte den Kopf aus dem Wagenschlag, der eine Baronskrone trug, und schickte seinen Diener, um den Hausmeister zu fragen, ob der Graf von Monte Christo zu Hause sei.
    Unterdessen betrachtete dieser Mann mit einer Aufmerksamkeit, die fast unverschämt war, das Äußere des Hauses, das, was man vom Garten unterscheiden konnte, und die Livree einiger Diener, die hin und her gingen. Das Auge dieses Mannes war lebhaft, aber mehr verschmitzt als geistreich. Seine Lippen waren dünn, und die hervortretenden dicken Backenknochen, ein unfehlbares Zeichen von Arglist, die niedrige Stirn, der große Hinterkopf und die breiten, nichts weniger als aristokratischen Ohren gaben dem Gesicht fast etwas Abstoßendes, während er im übrigen durch seine prächtigen Pferde, den mächtigen Diamanten in seinem Hemd und das rote Band, das sich von einem Knopfl och seines Rockes zum andern zog, imponierend genug erschien.
    Der Diener klopfte an die Scheibe des Hausmeisters und fragte:
    »Wohnt hier der Herr Graf von Monte Christo?«
    »Seine Exzellenz wohnt hier«, antwortete der Hausmeister,
    »aber …« Er sah Ali fragend an, der den Kopf schüttelte.
    »Aber …?« fragte der Diener.
    »Aber Seine Exzellenz ist nicht zu sprechen«, antwortete der Hausmeister.
    »Dann ist hier die Karte meines Herrn, des Barons von Danglars.
    Geben Sie sie dem Herrn Grafen von Monte Christo und sagen Sie ihm, daß mein Herr auf dem Weg zur Kammer einen Umweg gemacht hat, um ihm einen Besuch abzustatten.«
    »Ich spreche nicht mit Seiner Exzellenz«, sagte der Hausmeister;
    »der Kammerdiener wird die Bestellung ausrichten.«
    Der Diener kehrte an den Wagen zurück.
    »Nun?« fragte Danglars.
    Der Diener teilte ihm die Antwort des Hausmeisters mit.
    »Ah!« sagte dieser, »der Herr ist also ein Prinz, daß man ihn Exzellenz nennt und nur sein Kammerdiener das Recht hat, mit ihm zu sprechen; einerlei, da er einen Kreditbrief auf mein Haus hat, muß ich ihn ja sehen, wenn er Geld haben will.«
    Und Danglars warf sich in seinen Wagen zurück, indem er dem Kutscher zurief, so daß man es auf der anderen Straßenseite hören konnte: »Zur Deputiertenkammer!«
    Durch eine Jalousie hatte Monte Christo, der rechtzeitig benachrichtigt worden war, den Baron Danglars gesehen und ihn mit Hilfe eines vorzüglichen Opernglases ebenso aufmerksam gemustert wie dieser das Haus des Grafen.
    »Wahrhaftig, ein häßliches Geschöpf, dieser Mensch; man erkennt auf den ersten Blick die Schlange an dem platten Schädel und den Geier an dem scharfen Schnabel!«
    »Ali!« rief er und schlug dann auf die kupferne Glocke. Ali erschien.
    »Ruf Bertuccio«, sagte der Graf.
    In demselben Augenblick trat Bertuccio ein.
    »Eure Exzellenz haben mich rufen lassen?« sagte er.
    »Ja. Haben Sie die Pferde gesehen, die soeben vor der Tür hielten?«
    »Gewiß, Exzellenz, es sind sogar sehr schöne Tiere.«
    »Wie kommt es«, fragte Monte Christo stirnrunzelnd, »daß, während ich von Ihnen die beiden schönsten Pferde von Paris verlangt habe, es in der Stadt noch zwei ebenso schöne Pferde gibt wie die meinen und daß diese Pferde nicht in meinen Ställen sind?«
    Bei dem Stirnrunzeln und dem strengen Ton dieser Stimme senkte Ali den Kopf.
    »Es ist nicht

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