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Der eiserne Thron

Der eiserne Thron

Titel: Der eiserne Thron
Autoren: Simon R. Green
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gebeten. Hazel erschauerte noch immer bei dem Gedanken an
das, was sie und der Rest der Mannschaft als Gegenleistung
für die Informationen hatten versprechen müssen, die die Blutläufer ihnen überließen. Nichts, aber auch wirklich gar
nichts durfte bei diesem Deal schiefgehen. Es gab weitaus
Schlimmeres als den Tod.
Die Blutläufer hatten sie mit Leuten auf Virimonde zusammengebracht, draußen am Rand , und die Scherbe war in das
System gesprungen, um einmal mehr das alte Spiel zu spielen.
Ein allerletzter Wurf mit den Würfeln des Schicksals.
Hazel fragte sich nicht zum ersten Mal, wie sie in diese Geschichte hineingerutscht war. So hatte sie sich ihre Zukunft
ganz gewiß nicht vorgestellt, als sie zehn Minuten vor dem
Eintreffen eines Inhaftierungsbefehls und einem drohenden
längeren Aufenthalt im Gefängnis ihren Heimatplaneten auf
der Suche nach faszinierenden Abenteuern verlassen hatte.
Klonpascher waren die Niedrigsten der Niedrigen, der Abschaum des Imperiums. Selbst ein lepröser Bettler würde stehenbleiben, um auf einen Klonpascher zu spucken.
Menschen in gewissen höheren Kreisen brüsteten sich gerne
mit ihren eigenen, persönlichen Klonpaschern, wie man das
vielleicht mit einem wütenden Raubtier tun würde, das für die
Arena trainiert ist – aber es gab niemanden, wirklich niemanden, der in der Öffentlichkeit ein gutes Wort für Klonpascher
einlegen würde. Sie waren Parias, Ausgestoßene, Unberührbare, weil sie es wagten, ein Geschäft zu betreiben, dessen Existenz alle am liebsten totgeschwiegen hätten.
Hazel seufzte müde. Sie würde der Scherbe auf der Stelle
den Rücken kehren, wenn sie gewußt hätte, wohin sie sich
wenden könnte. Hazel d’Ark, dreiundzwanzig Jahre alt, groß,
geschmeidig, muskulös, mit scharfgeschnittenem, markantem
Gesicht und einer roten, unbezähmbaren Mähne auf dem
Kopf. Mit grünen Augen, denen nichts entging, und einem
Lächeln so schnell, daß andere es glatt übersehen konnten,
wenn sie nicht darauf achteten.
Hazel hatte seit ihrer Flucht von zu Hause einen Drecksjob
nach dem anderen angenommen, und das zeigte sich deutlich
in ihrer vorsichtigen Haltung und ihrem kaum verhüllten Mißtrauen gegenüber anderen Menschen. Auf Loki hatte sie als
Söldner gearbeitet, auf Golgatha als Leibwächter, und zuletzt
auf Brahmin II bei den Sicherheitsbehörden. Dort hatte sie
schließlich Kapitän Markee aufgelesen, als sie wieder einmal
um ihr Leben rennen mußte. Ein vorgesetzter Offizier war der
Ansicht gewesen, daß allein sein Rang ihm das Recht an gewissen Teilen ihres Körpers verschaffte – allerdings nicht
zum Klonen. Hazel d’Ark hatte ihre abweichende Meinung
kundgetan. Sie hatte schon vor langer Zeit entschieden, daß
sie nichts umsonst hergeben würde, das sich auch verkaufen
ließ. Es setzte Schläge und endete in Tränen – und Hazel fand
sich einmal mehr auf der Flucht, während das Blut des Bastards noch immer von ihrem Messer tropfte.
Zu jener Zeit war ihr das diskrete Geschäft des Klonpaschens wie ein bedeutsamer Schritt auf der Karriereleiter erschienen. Unauffällig, geringes Risiko, die einzige harte Arbeit ein wenig graben … perfekt. Ganz besonders mit so vielen Leuten auf ihren Fersen.
Aber dann hatte es doch wieder so ausgesehen, als würde
jemand mit bösen Absichten hinter ihr her sein. Wie immer
war es Hazels eigene Schuld; sie wußte es. Sie hatte seit jeher
die Tendenz gehabt, auf der Suche nach schnellem Geld in
illegale Geschichten zu schlittern und erst hinterher zu bemerken, auf was sie sich eingelassen hatte. Doch obwohl sie
eine Menge Dinge getan hatte, auf die sie nicht besonders
stolz war – Leute zu entführen und sie kaltblütig wegen ihrer
Organe abzuschlachten war ein neuer Tiefpunkt, selbst für
Hazel.
Sie wußte nicht, ob sie dazu imstande sein würde. Hazel
hatte das Gefühl, daß ihre Bedenken nur eine Prinzipsache
waren, etwas, mit dem sie noch nicht sonderlich gut vertraut
war. Aber jeder zieht irgendwo eine Grenze. Sie ging alle
Möglichkeiten durch, die ihr offenstanden. Es dauerte nicht
allzulange. Hazel konnte ihre neugefundene Integrität gegenüber ihren Schiffskameraden nicht einfach so aufgeben, nicht,
wenn sie nicht auf die harte Tour einen Blick in eine Körperbank werfen wollte. Sicher, sie konnte jederzeit vom Schiff
verschwinden; in einer der Rettungskapseln zum Planeten
hinunterrasen und ihre Spur in den Menschenmassen verwischen. Aber Virimonde war ein in

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