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Der eiserne Thron

Der eiserne Thron

Titel: Der eiserne Thron
Autoren: Simon R. Green
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wenn
man sich im Klonpascher-Geschäft Feinde machte.
Vor gar nicht langer Zeit hatte der Käpten den Friedhofsknaben mit seiner üblichen Mischung aus Risikobereitschaft
und Gerissenheit ein Geschäft vor der Nase weggeschnappt.
Kontrakte, um die sich die Scherbe seit Jahren bemüht hatte,
waren plötzlich wie durch Zauberei in ihren Schoß gefallen.
Hazel lächelte grimmig. Klonpaschen war ein halsabschneiderisches Geschäft. Manchmal im wahrsten Sinne des Wortes.
Klonpaschen war illegal. Ein Verbrechen, auf das die Todesstrafe stand. Aber das verringerte keineswegs die Flut von
Leuten, die willens waren, aus dem Tod ein Geschäft zu machen. Offiziell war es nur der obersten Oberschicht erlaubt,
geklontes menschliches Gewebe für Transplantationszwecke
zu verwenden. Nur denen, die eine entsprechende Erziehung
und Position (und ein nicht zu kleines Vermögen) besaßen. Es
ging schließlich nicht an, daß die niederen Klassen lange und
gesunde Leben lebten; dazu gab es viel zu viele von ihnen –
selbst wenn man die neu kolonisierten Welten mit berücksichtigte, die weiträumige Territorien zur Besiedelung eröffneten.
Außerdem mochte es sehr wohl dazu führen, daß die niederen
Stände sich auf einmal für etwas Besseres hielten.
Das war die offizielle Version. Inoffiziell – wenn man genügend Geld besaß und die richtigen Leute (oder besser gesagt: die falschen!) kannte, konnte man sich jedes erdenkliche
Organ transplantieren lassen. Entweder durch Klonen eigener
Zellen oder durch illegal gewonnene Organe aus Körperbänken. Mit körpereigenen geklonten Geweben gab es niemals
Abstoßungsprobleme, doch die ursprünglichen Organe wiesen
überraschend häufig angeborene Defekte auf. Manchmal traten auch andere Schwierigkeiten auf, die ein Klonen unmöglich machten. An dieser Stelle kamen die Körperräuber ins
Spiel. Niemand war vor ihnen sicher. Nicht die Toten, und
auch nicht die Lebenden.
Auf den meisten Planeten wurden die Toten verbrannt. So
lautete das Gesetz der Imperatorin. Es sollte sicherstellen, daß
Spenderorgane nur für die richtigen Leute zur Verfügung
standen. Aber Hinterweltplaneten unterhielten oftmals geheime, illegale Friedhöfe und Mausoleen. Man wußte nie, wann
die Ernte einmal ausfiel und sonstige Geschäfte schlecht liefen, und dann benötigte man möglicherweise kurzfristig ein
wenig Geld in der Tasche. Und so zogen die Klonpascher ihre
Bahnen, und jeder verdiente sich ein wenig hinzu. Die Klonpascher verdienten sich dumm und dämlich. Die Nachfrage
war gewaltig. Sie mußten nicht mehr tun, als ihre Lager zu
füllen und darauf zu warten, daß jemand zaghaft an ihre Tür
klopfte.
Leider war es nicht immer so einfach, wie es in der Theorie
klang. Klonen war eine ziemlich diffizile Angelegenheit, bei
der eine Menge danebengehen konnte. Die Organe, aus denen
die Klonzellen gewonnen wurden, verbrauchten sich rasch,
und dann mußte für Nachschub gesorgt werden. Die Körperbanken hatten einen unersättlichen Appetit, und versteckte
Friedhöfe gab es nur wenige, weit verstreut, häufig durch exklusive Verträge an eine bestimmte Mannschaft von Klonpaschern gebunden. Und so mischten sich die Körperräuber immer häufiger unter die Lebenden und suchten nach Opfern,
deren Verschwinden nicht allzu viel Aufsehen erregte. Eine
Schande, natürlich – aber für ein Omelett benötigt man nun
einmal Eier, und so weiter …
Der Käpten hatte Hazel versichert, daß sie nur Gräber berauben würden, als sie vor vier Planeten auf der Scherbe angeheuert hatte. Außer vielleicht, wenn die Geschäfte wirklich
ganz schlecht liefen. Schnell hinein ins System, genügend
Ware ausgegraben, um die Körperbanken aufzufüllen, und
dann nichts wie weg, als wäre der leibhaftige Teufel hinter
einem her – bevor man von irgendwem gegen eine Belohnung
an das Imperium verraten werden konnte. Einen Judas gab es
immer.
Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Alles,
aber auch wirklich alles war schiefgegangen. Die Friedhofsknaben waren ihnen zuvorgekommen und hatten die Ware mit
einem äußerst bösartigen Virus kontaminiert, der durch jeden
der üblichen Tests geschlüpft war. Jetzt war jedes Organ an
Bord wertlos, und zu allem Übel hatten sie auch noch Kontrakte mit Leuten zu erfüllen, die nicht eben für Geduld und
Verständnis bekannt waren.
Also hatte Käpten Markee mit der Mütze in der Hand die Blutläufer im Obeahsystem aufgesucht und um einen Gefallen

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