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Bis du stirbst: Thriller (German Edition)

Bis du stirbst: Thriller (German Edition)

Titel: Bis du stirbst: Thriller (German Edition)
Autoren: Michael Robotham
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Ein ganz schlechter Tag
    Some days are diamonds. Some days are stones. John Denver hatte das gesungen, bevor sein Flugzeug in die Monterey Bay stürzte. Es war kein Diamonds-Tag für ihn gewesen.
    Sami Macbeths Tag bestand bis jetzt nur aus Stolpersteinen. Als er aus der U-Bahn-Station Oxford Circus heraustritt, blinzelt er ins Sonnenlicht und muss so heftig husten, dass es sich anfühlt, als wolle sein Schließmuskel durch die Lunge hochkommen. Seine Kleider sind zerrissen und voller Blutflecken. Sein Gesicht ist schweißbedeckt. Seine Haut mit Staub überzogen.
    Sami duckt sich unter dem Absperrband hindurch. Leute weichen ihm aus und starren ihn an wie ein Gespenst.
    Sechseinhalb Pfund TATP – übelstes Teufelszeug – haben gerade ein klaffendes Loch in einen voll besetzten Waggon der Central Line gesprengt, das Dach abgeschält, als ob ein Riese eine Dose Pfirsiche geöffnet hätte.
    Es war schrecklich da unten. Chaos. Im einen Augenblick noch stand Sami an den Türen, und im nächsten lag er auf dem Rücken, mit Armen und Beinen zappelnd wie ein umgedrehter Käfer. Papier flog durch die Luft, Glas regnete auf ihn herab, und der Zug erbebte und hielt an.
    Einen Moment lang wurde es ruhig und vollkommen dunkel. Dann begann das Schreien.
    Menschen waren verletzt. Starben. Gott weiß wie viele. Wer hatte im anderen Wagen neben Dessie gesessen? Ein Kerl in einem Jesus-T-Shirt, eingeschlafen, sein Kopf nickte wie bei einem Wackeldackel. Daneben ein Anzugmensch mit Aktentasche. Ein Mädchen hatte auch noch dagestanden, an der Tür, mit einer kurzen Jacke. Das weiße Kabel ihrer Ohrstöpsel hing unter ihren langen Haaren heraus.
    Sami blickt die Oxford Street hinauf und hinunter. Der Verkehr steht still. Busse, Lieferwagen, PKW s und Taxis – nichts geht mehr. Jemand gibt ihm eine Flasche Wasser. Er kippt sie sich über den Kopf. Ruß rinnt in seinen Mund, und es knirscht zwischen seinen Zähnen.
    Als er zwischen zwei Lastwagen hindurch über die Straße geht, vergisst er, die Füße zu heben, und stolpert über den Bordstein. Der Fahrer ruft ihm etwas zu. Sami antwortet nicht. Er biegt in die Argyll Street ein und geht über die Great Marlborough, weicht Fußgängern aus. Er geht schnell.
    Die Leute sehen sich an. Schockiert. Ratlos. Sami hört Fetzen ihrer Gespräche. »… Terroristen …«, »… eine Bombe …«, »… U-Bahn …«
    Sie haben Angst. Sami hat auch Angst. Dessie hat sich gerade direkt ins verdammte Himmelreich gebombt. Er wird keinen großen Sarg brauchen – eine Y-förmige Kiste, damit seine Beine und seine Eier noch reinpassen.
    Der Rucksack schlägt gegen Samis Rücken. Den sollte er fallen lassen und wegrennen. Das Risiko eingehen. Aber was würde Murphy dann mit Nadia machen?
    Welche Ansage ist am Bahnsteig immer zu hören? »Bitte lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt. Melden Sie jedes verdächtige Verhalten unverzüglich einem Mitarbeiter der Bahn«.
    Sami sollte Murphy anrufen. Die ganze Sache erklären. Doch was sollte er ihm sagen? »Hey, Mr Murphy, auf dem Nachhauseweg ist uns was Komisches passiert. Wir haben aus Versehen einen Zug in die Luft gejagt, und Dessie hat den Kopf und noch ein bisschen mehr dabei verloren …«
    Sami hat kein Handy. Dessie hatte das nicht gewollt. Jetzt bemerkt er jemanden, der eine SMS schickt. Der Kerl ist unrasiert, trägt tief sitzende Levis, die seine Arschritze sehen lassen.
    Sami fragt, ob er das Handy kurz ausleihen dürfe. Der Kerl starrt ihn an. »Warst du da unten, Mann? Respekt.« Er gibt Sami das Handy. »Nimm. Ich komm sowieso nicht durch.«
    Sami tippt eine Nummer. Nichts geschieht.
    »Zu viele Gespräche. Alle wollen jetzt telefonieren«, sagt der Arschritzentyp. »Das Netz ist überlastet.«
    Sami gibt ihm das Handy zurück und geht weiter, überquert an der nächsten Kreuzung die Straße. Er entdeckt ein schwarzes Taxi. Öffnet die Tür. Rutscht auf den Rücksitz. Lässt den Rucksack zwischen seinen Füßen auf den Boden fallen.
    »Soll das ein Witz sein, mein Freund?«, fragt der Fahrer. Er zeigt auf die Straße vor ihnen. »Ich hab mich in vierzig verdammten Minuten keinen Zentimeter bewegt.«
    Sami sieht sich im Rückspiegel. Sein Gesicht ist mit dunklem Ruß verschmiert, abgesehen von zwei weißen Linien, eine auf seiner Nasenspitze und die andere ein Rinnsal aus Schweiß, das über den Wangenknochen am Hals hinunterläuft. Wie Kriegsbemalung. Er kommt aus einer Schlacht.
    Der Fahrer hört Radio.
    »Was ist passiert?«, fragt

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