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Acht Augen sehen mehr als vier

Acht Augen sehen mehr als vier

Titel: Acht Augen sehen mehr als vier
Autoren: Ravensburger
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Mein Handy klingelt. Ich taste mit geschlossenen Augen und greife danach.
    „Milan hier. Was ist?“
    „Hey, du Schlafmütze!“, tönt mein Freund Finn mit grausam fröhlicher Stimme in mein Ohr. „Was ist, kommst du mit zum Skaten?“
    „Aber doch nicht mitten in der Nacht, Alter!“
    Finn lacht, dass es mir ins Trommelfell schneidet. „Nacht? Es ist helllichter Tag, fast Mittag schon. Und tolles Wetter. Knallheiß!“
    „Kann gar nicht sein“, murmele ich und öffne vorsichtig ein Auge.
    Ist ja krass, Finn hat Recht. Die Sonne scheint mir grell ins Gesicht. Und heute ist der erste Ferientag!
    Meine Laune bessert sich schlagartig. Der Sommer liegt absolut schulfrei vor mir. Und außerdem hab ich die sechste Klasse geschafft. Es sah lange Zeit ganz schön gefährlich aus, aber ich hab es gepackt. Ich kann’s noch gar nicht glauben. Ich hab’s echt geschafft, wow!
    „Okay, Finn! In einer halben Stunde.“
    Ich lege auf, wühle mich aus dem Bett und tappe ins Bad. Kaltes Wasser prasselt auf meine verschwitzte Haut.
    In der Küche liegt ein Zettel auf dem Tisch. „Hallo, Milan, bin auf Jobsuche, Mama.“
    Meine Mundwinkel sacken nach unten. In diesen Ferien fällt die Reise an die Adria ins Wasser. Mama hat keinen Job mehr. Was mein Pa im Bauhof verdient, reicht nicht für Ferienreisen. Aber ich lasse mir die Laune nicht verderben. Hauptsache keine Schule. Sechs Wochen pure Freiheit liegen vor mir. Ich ziehe mir eine Cola rein, schnappe mir eine Brezel und mein Skateboard.
    Draußen schlägt mir die Hitze entgegen. Ich springe auf das Board, fahre bergab Richtung Schwimmbad und Skaterbahn.
    Wind im Gesicht. Yeaaaah!
    Ich bin happy, ich fliege. Urplötzlich reißt es mich nach hinten. Aah!

    Ich lande auf dem Po, schürfe mit dem Rücken das Straßenpflaster entlang, knalle mit den Zehen gegen den Randstein.
    Verfluchter Mist! Das Board hängt quer über der Straßenkante. Ein Rad kullert einsam weiter bergab. Alles total im Eimer. Dass mir auch immer so was passieren muss!
    Mit dem kaputten Board unterm Arm humple ich weiter zum Treff mit Finn.
    Der sitzt unter der alten Kastanie und kritzelt mal wieder in irgend so einen Minikalender. Und das in den Ferien!
    Finn ist mein bester Freund, aber manchmal ist er nicht ganz dicht. Echt nicht. Er hält sich für einen begabten Detektiv oder Fernsehkommissar oder so ähnlich. Jedenfalls beobachtet er Leute und schreibt alles auf. Könnte ja mal ein Mörder des Wegs daherkommen und sagen: Hi, Mister Finn, muss gleich mal einen Typ killen. Kommste mit und klärst meinen Fall auf? So ’n Quark.
    Heute hab ich darauf keinen Bock. Mein Rücken tut weh und der Schweiß läuft mir in Bächen runter. Im Schwimmbad nebenan johlen die Kids. Und meine Zehnerkarte ist leer. Alles Shit!
    „Hi, Finn!“ Ich hocke mich neben ihn.
    „Siehst du die beiden verdächtigen Typen?“, fragt er leise und kritzelt weiter.
    „Wieso verdächtig? Schau mal, mein Skateboard ist hin! Das Rad ist ab. Jetzt guck doch mal! Was schreibst du denn?“
    Da schreibt der glatt:
    Lesen streng verboten! Milan, hör sofort auf zu lesen!
    Und weil ich weiter in seinen Kalender starre, schreibt er:
    Hör sofort auf, hab ich gesagt!!!
    Damit klappt er den Minikalender zu, schaut mich mit seinen Blaubeeraugen an und grinst. „Okay, bei dir ist ein Rad ab? Gut beobachtet, Milan!“
    „Mann, du nervst, Finn. Bei meinem Skateboard ist eins ab, einfach abgebrochen. Materialermüdung oder so.“
    „Aha“, macht Finn und beobachtet weiter die beiden Jungs, die sich auf der Skaterbahn streiten. Der größere ist deutlich älter, wahrscheinlich schon achtzehn oder so. Er trägt ein schwarzes Muskelshirt. An den Oberarmen ist er tätowiert. Und eine Glatze hat er sich rasiert.
    Sehr verdächtig ist er trotzdem nicht, finde ich. An meiner Schule laufen ein paar Leute so ähnlich rum und sind eigentlich harmlos.
    Schweiß tropft unter meinem Käppi vor und rinnt mir den Rücken runter. Es brennt höllisch auf der wunden Haut.
    Finns Verdächtige streiten jetzt richtig laut. Ich gucke genauer hin. Hey, den Kleineren kenn ich ja!
    „Halt’s Maul!“, brüllt der Große gerade. „Schiss haben gilt nicht. Na, los! Rauf auf die Bahn.“
    „Finn, das ist Wolli Bauer. Der war in meiner Klasse, ist aber durchgerasselt.“
    „Gerasselt? Wo?“
    Finn hört mir überhaupt nicht zu, sondern schreibt schon wieder.
    „Der muss die Klasse wiederholen!“
    „Ach so“, murmelt Finn bloß. Er hat gar nicht gehört, was

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