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054 - Das Geheimnis der Mumie

054 - Das Geheimnis der Mumie

Titel: 054 - Das Geheimnis der Mumie
Autoren: Dämonenkiller
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Plötzlich hatte Christine Draxler Angst. Trotz der Hitze war ihr kalt.
    Zögernd stieg das junge Mädchen die Rampe hinauf, die zur zweiten Terrasse des Tempels der Hatschepsut führte. Sie wunderte sich, dass sie nochmals hierher gekommen war, da sie den Tempel schon gestern besichtigt hatte.
    Das blonde Mädchen blieb stehen, schob die Tasche höher auf die Schulter und blickte sich forschend um. Eben betrat eine laut schnatternde Reisegruppe amerikanischer Touristen die Punthalle. Der Tempel war an eine Steilwand gebaut, die in der Vormittagssonne rotgelb schimmerte.
    Ihre Angst wurde immer größer. Etwas hielt sie zurück; sie wollte nicht weitergehen. Ein leises Raunen war in der Luft.
    Christine schüttelte den Kopf. Sie hatte Kopfschmerzen und fühlte sich nicht gut. Das ungewohnt fette Essen war ihr nicht bekommen. Rasch ging sie weiter. Der links liegenden Punthalle schenkte sie keine Aufmerksamkeit. Sie trat in die rechts gelegene Geburtshalle ein. Einige Touristen studierten interessiert die farbenprächtigen Wandreliefs.
    Christine blieb unschlüssig stehen. Schon gestern hatte sie sich die Reliefs genau angesehen. Amun zeugt Hatschepsut. Ahmes, die Königinmutter, hört die Verkündigung des Toth, Chnum und die froschköpfige Heket begleiten die schwangere Ahmes zur Entbindung. Das Kind wird geboren. Amun hält es in seinen Armen.
    Christine wandte rasch den Kopf ab. Sie glaubte eine schemenhafte Gestalt zu sehen, nur einen Sekundenbruchteil lang, eine hagere Gestalt, den Kopf kahl geschoren und mit einem roten Umhang bekleidet.
    Sie nahm die Sonnenbrille ab und presste die Lippen unwillig zusammen. Das Gefühl der Bedrohung wurde stärker.
    Christine lief aus der Geburtshalle und blieb schwer atmend auf der Terrasse stehen. Doch irgendetwas trieb sie weiter. Die Stimmen der Touristen schienen leiser zu werden.
    Das Mädchen wandte sich nach rechts, ging an der Geburtshalle vorbei und stieg einige Stufen hoch, die zu einem kleinen Säulensaal führten. Die zwölf Säulen waren mit Bildern der Hatschepsut verziert, die mit verschiedenen Göttern dargestellt war.
    Sie blieb stehen, als sie Schritte hinter sich hörte. Blitzschnell drehte sie sich um. Nein, sie musste sich getäuscht haben; niemand war zu sehen. Sie hob den Kopf und blickte zur obersten Terrasse hinauf.
    Zwischen den zerstörten Säulen war ebenfalls kein Mensch zu sehen.
    Es war unwirklich still. Sie ging langsam weiter. Das Echo ihrer Schritte war das einzige Geräusch. Es klang überlaut in ihren Ohren. Je näher sie der Anubiskapelle kam, umso kälter wurde ihr.
    Sie betrat die kleine, aus drei überwölbten Kammern gebildete Kapelle. An den Wänden prunkten Bilder, die Thutmosis III. und die Königin zeigten, wie sie dem Anubis Opfer darbrachten.
    Die Kapelle war leer.
    Ihr Blick fiel auf einen Steinsockel – und da entdeckte sie etwas Ungewöhnliches. Auf dem Sockel lag ein kleines Totenschiffchen aus Ton und Holz, wie man es den Toten im alten Ägypten als Grabbeigabe überlassen hatte, damit sie darin den Himmel und die Unterwelt durchfahren konnten.
    Christine blieb vor dem Totenschiff stehen. Vorsichtig streckte sie den rechten Arm aus. Das Schiff war mit schwarzer Patina bedeckt. Es zog die junge Studentin magisch an.
    Ihre Finger strichen über die Grabbeigabe, und es war ihr, als würde sie einen leichten elektrischen Schlag bekommen. Sie wollte die Hand zurückziehen, doch es gelang ihr nicht; ihre Finger schienen festgeklebt zu sein.
    Dann hörte sie die Stimme. Sie war in ihrem Hirn. Laut und deutlich sprach sie – doch die Worte waren unverständlich.
    Das Geräusch nackter Füße auf dem Boden ließ sie herumfahren. Drei Gestalten umringten sie. Bevor sie noch schreien konnte, legte sich eine kräftige Hand auf ihren Mund. Die Stimme in ihrem Kopf wurde lauter, dröhnender. Der Druck gegen ihre Schläfen war unerträglich geworden.
    Undeutlich nahm sie wahr, was mit ihr geschah. Die kahlköpfigen Männer hoben sie hoch und trugen sie durch die Kapelle. Sie versuchte sich zu wehren, doch ihre Glieder waren unendlich schwer; jede Bewegung bereitete ihr Qualen. Sie biss in die braune Hand, die noch immer auf ihrem Mund lag. Vergebens.
    In einer der Wände klaffte plötzlich eine schmale Öffnung. Hohe Stufen führten in die Tiefe. Die Öffnung schloss sich hinter ihnen. Dunkelheit war um Christine. Die Hand wurde von ihrem Mund zurückgezogen, und sie schrie. Der Schrei klang seltsam verzerrt.
    »Schweigen Sie!«, sagte

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