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043 - Der Teufelskreis

043 - Der Teufelskreis

Titel: 043 - Der Teufelskreis
Autoren: Paul Wolf
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sich eine unverschlossene Tür, die in einen schmalen Lichthof führte. Durch ihn kam Dorian in das nächste Haus, von dort in einen größeren Hof und durch eine Hauspassage mit Schaufenstern auf die Straße.
    Auch draußen waren Krüppel postiert. Aber nur zwei. Es handelte sich um verwachsene Gnomen, die zwar bis an die Zähne mit Dämonenbannern ausgerüstet. Dorian jedoch körperlich bei weitem unterlegen waren.
    Dorian hatte einen kurzen spektakulären Auftritt. Er schleuderte den Morgenstern gegen die Schaufensterscheiben, daß sie klirrend barsten, beförderte die beiden Gnomen mit Tritten aus dem Weg, daß ihre Pentagramme wie Wurfgeschosse durch die Luft segelten, und erreichte ungehindert die Straße. Den Morgenstern ließ er in der Passage zurück.
    Lilli parkte in einem gelben Chrysler in zweiter Spur. Ein Polizist stand bei ihr und redete gestikulierend auf sie ein.
    Dorian öffnete die Beifahrertür und ließ sich auf den Sitz fallen.
    „Fahr los!“ befahl er.
    Lilli zwinkerte dem Polizisten zu, gab Gas und brauste los. Hinter ihnen quietschten die Bremsen der nachkommenden Wagen, als sich Lilli mit selbstmörderischem Tempo in den fließenden Verkehr einordnete.
    Sie warf Dorian einen prüfenden Blick zu und stellte fest: „Du hast nicht einmal eine Schramme abbekommen.“
    „Das habe ich einem der Dekorationsstücke zu verdanken“, antwortete Dorian. „Ich glaube, ich werde der Geschäftsführung ein Dankschreiben schicken. Eine glänzende Idee, die Wände mit mittelalterlichen Waffen und Folterinstrumenten zu schmücken.“
    Sie sagte nichts darauf. Nach einer Weile warf sie ihm abermals einen prüfenden Blick zu und fragte: „Hast du Schwierigkeiten?“ Und als er nicht antwortete, fuhr sie fort: „Ich habe mir schon heute nacht gedacht, daß mit dir etwas nicht stimmt.“
    „Du warst beschwipst“, sagte er.
    „Du meinst wohl besoffen“, entgegnete sie. „ Stimmt. Aber so voll kann ich gar nicht sein, daß ich nicht merke, was um mich vorgeht. Und dir merkte man es von weitem an, daß du dich auf der Flucht befindest. Wer ist hinter dir her, Rian?“
    „Hast du die drei Schauergestalten nicht gesehen?“
    Sie nickte und sagte: „Ich bin nicht neugierig, aber was gedenkst du jetzt zu tun?“
    „Ich habe im Vanilla auf jemanden gewartet, der mir weiterhelfen sollte“, sagte er wahrheitsgetreu, „aber daraus wird jetzt wohl nichts mehr.“
    „Wer weiß?“
    Er blickte sie an. Ihr Gesicht war ausdruckslos.
    „Bist du der Jemand, auf den ich gewartet habe?“ wollte er wissen.
    Sie lachte laut. „Wenn du deine Rendezvouspartner nicht kennst, wie sollte ich sie dann kennen?“ „Das ist schon wieder so eine ausweichende Antwort“, meinte er vorwurfsvoll. „Ich werde das Gefühl einfach nicht los, daß du mir etwas verschweigst, Lilli. Warum diese Geheimnistuerei, wenn dich Tim geschickt hat?“
    Sie biß sich auf die Lippen.
    „Fahren wir erst einmal zu mir“, sagte sie nachdenklich. „Dort bist du vorerst vor deinen Verfolgern in Sicherheit, und wir können alles in Ruhe besprechen. Dann werden wir weitersehen. Bist du damit einverstanden?“
    Dorian nickte. Ihm blieb nichts anderes übrig. Vielleicht erwartete ihn in ihrer Wohnung Tim Morton, möglicherweise aber auch eine unangenehme Überraschung.
     

Der schwarzlackierte Wagen fuhr in die Parklücke, in die ihn ein Mann mit Krücken lotste. Das vordere Seitenfenster wurde heruntergekurbelt, und auf dem Beifahrersitz wurde ein Mann sichtbar, der die Körpergröße eines etwa achtjährigen Jungen besaß. Hinter dem Lenkrad saß ein Buckliger mit kurzem Oberkörper und langen, spindeldürren Beinen.
    „Ich habe den Wagen gesehen“, sagte der Mann mit den Krücken. „Er ist da vorne in die River East Street eingebogen. Als ich jedoch hinkam, war er verschwunden. Er muß in eine der Garagen der Apartmenthäuser gefahren sein.“
    „Bist du sicher, daß es der Wagen war, den wir suchen, Jeff?“
    „Es war ein gelber Chrysler, Mick“, versicherte der Mann mit den Krücken. „Und drinnen saßen ein Mann und eine Frau.“
    „Hast du die Ausstrahlung des Dämons gespürt, Jeff?“ fragte der Gnom weiter.
    „Himmel, nein!“ sagte der andere ärgerlich. „Aber ich habe den Mann erkannt. Schließlich bin ich ihm im Kellergewölbe ganz nahe gewesen. Damals habe ich auch nicht die Ausstrahlung an ihm festgestellt. Niemand hat das, sonst hätten wir ihn wohl schon damals entlarvt. Aber ich habe mir sein Gesicht so stark
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