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039 - Der Griff aus dem Nichts

039 - Der Griff aus dem Nichts

Titel: 039 - Der Griff aus dem Nichts
Autoren: Ernst Vlcek
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vorgenommen, einen Baum zu erklettern und von einem der Äste den Sprung über die Mauer zu riskieren, aber das erübrigte sich.
    Er sah, daß zwanzig Meter links von ihm die Mauer gesprengt worden war. Ohne lang zu überlegen, kletterte er über die Trümmer auf die Lücke zu. Er hatte sie schon fast erreicht, als vor ihm ein Soldat in einem Tarnanzug auftauchte und den Flammenwerfer auf ihn richtete.
    Dorian streckte abwehrend die Hände von sich.
    „Nicht!“ rief er verzweifelt. „Ich bin kein …“
    Der entschlossene Gesichtsausdruck des Soldaten ließ ihn erkennen, daß dieser auf seine Worte überhaupt nicht hörte.
    Das ist das Ende! dachte Dorian. Es war paradox und eine Ironie des Schicksals. Er war Fuller und seinen mit übermenschlichen Kräften ausgestatteten Sklaven entkommen, und jetzt sollte er von seinen Rettern getötet werden.
    Er sah, wie die Flammenzunge aus dem Rohr schoß. Aber die Flammen züngelten nicht auf ihn zu, sondern schossen gen Himmel.
    Hinter der Mauer war eine kleine Gestalt hervorgesprungen, die den Lauf des Flammenwerfers in eine andere Richtung drückte. Dorian traute seinen Augen nicht, als er Roul Schwartz erkannte, den verwachsenen Gnom, den Jeff Parker in seinem Film für die Rolle des Roland engagiert hatte.
    „Sind Sie verrückt?“ herrschte Schwartz den Soldaten an. „Das ist Mr. Hunter!“
    „Das konnte ich doch nicht wissen“, verteidigte sich der Soldat. Dorian atmete auf.
    „Sie haben Glück gehabt, daß ich im richtigen Augenblick zur Stelle war“, sagte der Gnom. „Ehrlich gesagt, ich habe keinen Cent mehr für ihr Leben gegeben. Als wir hörten, daß Sie auf eigene Faust versuchen wollten, Fuller zur Strecke zu bringen, da haben wir sofort zugeschlagen. Aber wir hatten Sie bereits abgeschrieben, Mr. Hunter.“
    „Ich begreife immer noch nicht, wie die Geschehnisse diese Wendung nehmen konnten“, sagte Dorian fassungslos.
    Roul Schwartz lachte. „Das kann ich mir denken. Aber uns ist auch einiges unklar, was Ihre Person anbetrifft, Mr. Hunter. Tim Morton wird Augen machen, wenn ich Sie zu ihm bringe.“
    „Tim Morton“, wiederholte Dorian verblüfft. „Ist das der FBI-Agent, der mich in Dr. Hoppers Praxis verhören wollte?“
    „Richtig. Folgen Sie mir jetzt bitte, Mr. Hunter!“
    Tim Morton war jener Mann , der zusammen mit Roul Schwartz in Dr. Hoppers Haus gekommen war, als Dorian nach der Auseinandersetzung mit Lorna Blue flüchtete. Er war etwa vierzig Jahre alt, ein Meter fünfundachtzig groß, und er hatte ein scharfgeschnittenes Gesicht, in dem die Nase besonders hervorstach. Das braune Haar war links gescheitelt, und er trug es ziemlich lang und hatte mehr von einem verkappten Künstler als von einem FBI-Agenten an sich. Später erfuhr Dorian, daß er nur bedingt der amerikanischen Bundeskriminalpolizei zuzuzählen war.
    Morton stand bei einem Polizeiwagen nahe der Toreinfahrt und hielt ein Funksprechgerät in der Hand. Als er Dorian und den Gnom erblickte, legte er das Funksprechgerät weg und kam ihnen entgegen.
    „Es freut mich, daß Sie heil davongekommen sind, Mr. Hunter“, sagte der lächelnd. „Mein Alptraum war, daß meine Leute Sie nicht erkennen und Sie über den Haufen schießen.“
    „Diese Angst war bei mir noch viel ausgeprägter“, sagte Dorian.
    „Ihr Fehler, daß Sie versuchten, Fuller im Alleingang unschädlich machen zu wollen“, sagte Morton mit leisem Vorwurf. „Als ich mich dazu entschloß, Fullers Festung zu stürmen, konnte ich keine Rücksicht auf Unschuldige nehmen, die sich womöglich im Sanatorium aufhielten. Die Möglichkeit, daß einer von Fullers Sklaven entkam, war viel zu groß.“
    Dorian nickte und meinte zynisch: „Zumindest weiß ich jetzt, daß die Gerüchte über das brutale und kompromißlose Vorgehen des FBI einen wahren Kern haben.“
    „Diese Aktion hat mit dem FBI praktisch nichts zu tun“, erklärte Morton und blickte Dorian dabei fest an. „Ich bin sozusagen eine Ein-Mann-Sonderkommission innerhalb des FBI. Ich bin allein für die Geschehnisse hier verantwortlich.“
    „Warum erzählen Sie mir das?“ wollte Dorian wissen. „Mir sind Sie doch keine Rechenschaft schuldig.“
    „Warum ich Ihnen das sage?“ wiederholte Morton. Er lächelte schwach. „Ganz einfach, weil ich erkannt habe, daß Sie als einziger über Dr. Fullers wahre Machenschaften Bescheid wissen. Ich bin auch überzeugt, daß Sie über seine Abstammung informiert sind und – was für mich besonders bedeutungsvoll
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