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0359 - Ich stieß auf eine heiße Spur

0359 - Ich stieß auf eine heiße Spur

Titel: 0359 - Ich stieß auf eine heiße Spur
Autoren: Ich stieß auf eine heiße Spur
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Es war kurz vor Mitternacht.
    Der Mörder stand am Rand der Landstraße und winkte dem Sattelschlepper zu, der sich langsam näherte. Hinter dem Steuer saß Moll Quash, ein stämmiger, rotgesichtiger New Yorker mit schaufelblattgroßen Händen.
    Quash bremste den schweren Wagen ab, ließ ihn bis zu der im Scheinwerferlicht stehenden Gestalt rollen und kurbelte die Seitenscheibe herunter.
    »Was ist denn los?«
    »Sie müssen eine Umleitung fahren«, erwiderte der Mörder. »Die Cops haben dort vorn ein paar Gangster gestellt. Es kann sein, dass die Luft bleihaltig wird. Lassen Sie mich einsteigen. Ich zeige Ihnen die Abzweigung.«
    »Das ist nett von Ihnen«, meinte Quash arglos, und der Mörder kletterte zu ihm in das Führerhaus.
    Langsam fuhr Quash an.
    »Dort rechts geht’s rein«, sagte der Mörder. »Ein Waldweg, nicht asphaltiert. Fahren Sie vorsichtig.«
    »Keine Sorge! Einen Achsenbruch riskiere ich nicht.«
    Rumpelnd rollte der Sattelschlepper in das Wäldchen. »Da steht ja ein Wagen«, brummte Quash. »Scheint ’ne Panne zu haben.«
    »Ich seh mal nach.«
    Quash nickte und griff nach den Zigaretten, während der Mörder ausstieg, nach vorn ging und mit der Gestalt sprach, die neben dem Wagen stand. Dann kam der Mörder zurück und sagte: »Er hat ’ne Panne. Aber es ist nichts Ernstes. Können Sie mal mit anfassen?«
    »Sicher.«
    Quash stieß die Tür auf, sprang hinaus und ging auf das andere Fahrzeug zu. Da trafen zwei Stahlmantelgeschosse seinen Hinterkopf.
    ***
    »Cotton«, brummte ich.
    An dem Tonfall allein hätte jedermann merken müssen, wie sehr ich ihn verwünschte. Schließlich war es nachts um halb drei.
    »Hallo, Jerry! Befehl vom Einsatzleiter: Du holst Phil ab und fährst mit ihm nach Brooklyn.«
    »Ich hole Phil ab und fahre mit ihm nach Brooklyn«, wiederholte ich grimmig.
    »Ihr klingelt eine Frau namens Cindy Quash aus den Federn und bringt sie hinüber nach New Jersey. Auf dem Highway 9 ungefähr zehn Meilen nördlich der Washington-Brücke, werdet ihr auf Streifenwagen der State Police von New Jersey stoßen. Die Cops weisen euch dann schon ein.«
    »Erst nach Brooklyn, dann in die entgegengesetzte Richtung!«, maulte ich. »Die Nacht ist dahin. Was ist denn eigentlich los?«
    »Man hat einen Ermordeten westlich des Highways 9 in einem Wäldchen gefunden. Daneben steht ein verlassener Sattelschlepper, der auf den Namen Moll Quash in Brooklyn zugelassen ist.«
    »Wieso ist das ein FBI-Fall?«
    »Das Opfer ist im Bundesstaat New Jersey getötet worden, kommt aber aus dem Bundesstaat New York.«
    »Okay, okay«, seufzte ich. »Was soll die Frau am Tatort?«
    »Sie soll den Toten identifizieren.«
    »Keine schöne Aufgabe«, knurrte ich in den Telefonhörer. »Wo wohnt die arme Frau?«
    »Am Ende der 23rd Street gegenüber dem Greenwood-Friedhof. Ihr fahrt am besten durch den Battery-Tunnel und biegt von der Hamilton Avenue ab, wo sie in den Gowanus Parkway übergeht.«
    Ich notierte mir Namen, Adresse und Fahrtroute.
    »Ruf Phil an, während ich mich anziehe«, bat ich den Kollegen.
    »Sicher. Hoffentlich hat er bessere Laune als du.«
    Diese Hoffnung erwies sich als trügerisch. Als ich eine knappe Viertelstunde später an der Stelle stoppte, wo Phil auf mich wartete, raunzte er mich an: »Langsamer ging es wohl nicht? Ich stehe seit zehn Minuten in der Kälte und friere.«
    »Guten Morgen, Phil!«
    »Rutsch mir den Buckel runter«, sagte er, aber es hörte sich schon sanfter an. »Wenn du nicht der Besitzer eines Jaguars wärst, hätten sie andere Leute aus dem Bett gescheucht. Das hat man nun davon, dass man mit dir befreundet ist.«
    Er wusste noch nicht, was wir eigentlich tun sollten, und so durfte ich ihm die ganze Geschichte erzählen. Er war von diesem Auftrag ebenso wenig erbaut wie ich. Da es auf ein paar Minuten mehr oder weniger nicht ankam, verzichteten wir darauf, das schlafende Manhattan mit der Polizeisirene aufzuwecken. Trotzdem konnten wir verhältnismäßig schnell fahren, denn in diesen frühen Morgenstunden kommt selbst eine so hektische Stadt wie New York ein wenig zur Ruhe.
    Das Ende der 23rd Street in Brooklyn erreichten wir gegen drei Uhr fünfzehn. Ich stoppte den Jaguar vor der Friedhofsmauer, und wir stiegen aus. Nächtliche Stille herrschte. Es war empfindlich kalt geworden, und wir schlugen fröstelnd den Mantelkragen hoch.
    Wir gingen an den Häusern entlang und benutzten meine Taschenlampe.
    »Dort!«, sagte Phil.
    Quash Transporte stand neben einer

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