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03 - Sarggeflüster

03 - Sarggeflüster

Titel: 03 - Sarggeflüster
Autoren: Kimberly Raye
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erwachsene, selbstsichere, zeitweise einsame Frau), konnte ich mich doch des Gefühls nicht erwehren, dass es sich hier um mehr handelte als nur um ein verliebtes Groupie, das darauf aus war, seine privaten Fantasien auszuleben.
    Ich starrte den Container so lange an, bis sie sich für noch so einen heimlichen Blick auf mich hervorwagte. Für eine Nanosekunde traf mein Blick auf ihren, und sofort rollten ihre sämtlichen statistischen Angaben durch meinen Kopf wie der Abspann eines Films (ein weiterer Vorteil des Daseins als Vampir ist der, dass ich jemandem nur in die Augen zu sehen brauche, um seine Gedanken zu lesen).
    Gwen Rowley. Neununddreißig Jahre alt. Italienische Vorfahren. Arbeitet hauptberuflich als Lehrerin einer vierten Klasse und nebenberuflich als Privatdetektivin. Geschieden. Drei Kinder. Hasst Männer. Darüber hinaus hasst sie ihre Mutter, die sie darauf angesetzt hat, einer unbedeutenden Partnervermittlerin zu folgen, obwohl sie doch (a) die Mathehausaufgaben für morgen benoten und dann (b) ihren Ex und seine neue Freundin beschatten könnte. Sie gingen zum Bowling. Bowling hasst Gwen auch.
    Sie zog sich wieder hinter das riesige Metallmonster zurück. Damit brach die Verbindung ab, bevor ich zu den richtig guten Sachen kam.
    Wie zum Beispiel, wer in Damiens Namen ihre Mutter war und warum sie mich verfolgen ließ.
    Und, weitaus wichtiger: Hatte Gwen inzwischen schon wieder angefangen, sich zu verabreden?
    Zu Ihrer Information: Abgesehen davon, dass ich ein heißer, angesagter Vampyr bin, besitze ich auch noch Manhattans neueste erstklassige Partnervermittlung.
    Gwen spähte noch einmal mit gezückter Kamera um die Ecke. Meine Intuition riet mir dringendst, auf der Stelle in den Supervampirmodus zu wechseln, es dem Honorar meiner letzten Klientin gleichzutun und - puff- zu verschwinden.
    Schnellstens.
    Unsere Spezies, sowie Dutzende Anderer irgendwo da draußen, hatte nicht überlebt, indem sie sich besonders auffällig verhielt. Wir ließen Vorsicht walten, blieben unter uns und gingen Kameras um jeden Preis aus dem Weg.
    Ich bückte mich und nestelte angestrengt an meinem Schuh (für's Protokoll: Schlangenleder-Stilettos von Prada) herum, wobei ich ihr meine Schokoladenseite zuwandte.
    Hey, immerhin ging es hier um Stilettos. Mit anderen Worten: muchos Schmerzen. Ich musste ganz dringend mal kurz stehen bleiben und meinen Zehen etwas Bewegung gönnen.
    Und mein Gewissen beschwichtigen. Was soll ich sagen? Ich habe nun mal eine Schwäche für potenzielle Klienten. Genauer gesagt mutiere ich zu einem Riesen-Marshmallow, wenn es um potenzielle Klienten mit einer herrschsüchtigen, anmaßenden Mutter geht (aber davon will ich gar nicht erst anfangen).
    Der Fotoapparat klickte ein paarmal. Schließlich hörte ich mit meiner Schauspielerei auf und schaltete in den Action-Modus. Ich setzte mich in Bewegung, wobei sich meine Füße dermaßen schnell bewegten, dass ich einen halben Block entfernt aus dem Gewirr der engen Gassen auftauchte, das Hochhaus in der Nähe des Times Square betrat und im Aufzug verschwand, bevor Gwen auch nur hatte blinzeln, geschweige denn mir folgen können.
    Habe ich schon erwähnt, dass gebürtige Vampire nicht nur die heißesten Gedankenleser sind, sondern auch noch extrem schnell?
    Wenn ich auch nicht abgeneigt war, der Frau ein paar Fotos zu gönnen, damit sie nicht mit leeren Händen nach Hause gehen musste, hatte ich die Route durch diese finsteren Seitengassen nicht wegen der tollen Aussicht gewählt.
    Das Letzte, also wirklich das Allerletzte, was ich gebrauchen konnte, war, an so einem Ort erwischt zu werden - tot oder lebendig, also in meinem Fall eher tot ..
    Im siebten Stock verließ ich den Fahrstuhl und betrat die Lobby von KNYC, einem regionalen Kabelsender nahe der NBC-Studios. KNYC war für eine Reihe selbstgemachter Nachrichtensendungen, ein paar Talkshows und die megaerfolgreiche Reality-TV-Sendung Manhattans Most Wanted verantwortlich.
    MM W war die New Yorker Version der Kuppelshow Der Bachelor, die einem der begehrtesten Junggesellen der Stadt fünfzig heiratswillige junge Frauen der Creme de la Creme präsentierte und ihn so lange aussortieren ließ, bis schließlich nur noch Die Eine übrig blieb.
    So war es zumindest geplant. Der letzte Typ - so ein Finanzheini von der Wall Street - hatte am Ende alle aussortiert, bis auf Die Eine, die sich die Knete schnappte und verduftete. Sie hatte das Geld kassiert, war nach Mexiko abgedüst, der Finanzheini

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