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03 - Sarggeflüster

03 - Sarggeflüster

Titel: 03 - Sarggeflüster
Autoren: Kimberly Raye
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Stunden lang. Maximal sechseinhalb. Das bedeutete aber noch lange nicht, dass ich so verzweifelt war, dass ich mich dem ersten Mann an den Hals warf, der mich mit seinen Brüsten spielen ließ. Vor allem, da er ein Mensch war. Klar, Menschen waren toll für Sex und zum Saugen, aber es war ja schließlich nicht so, dass man sie mit nach Hause zu seiner Familie nehmen konnte. Wenigstens nicht zu meiner. Meine Mutter konnte sich im Augenblick nicht zwischen Arsen und einem Scharfschützen entscheiden, um sich der menschlichen Verlobten meines jüngsten Bruders zu entledigen -
    Verdammt noch mal, hörst du mir jetzt endlich zu!“
    Die tiefe, aufwühlende Stimme unterbrach erneut meinen Gedankengang und sicherte sich endlich meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Meine Hände erstarrten mitten im Kneten, mein Herz blieb stehen.
    „Ich hab nicht viel Zeit, Lil. Du musst mir zuhören. Ich brauche dich. Ich bin in... „
    Die Worte erstarben, noch bevor er den Satz beenden konnte, aber das spielte keine Rolle. Mein Magen verkrampfte sich, die Kehle wurde mir eng, und ich wusste es.
    Es war keine Halluzination gewesen, als ich vorhin das erste unverkennbare
    „Hilf mir“ gehört hatte.
    Es war seine Stimme.
    Der einzigartige Ty Bonner. Dieser Vollidiot von einem gewandelten Vampir, der mich hatte sitzen lassen. Und er war in Schwierigkeiten. In großen Schwierigkeiten.
    Das solltest du lieber lassen.
    Diese Warnung schrillte nun schon zum millionsten Mal durch meinen Kopf, seit ich den Sender verlassen hatte, aber ich war zu sehr mit meinem Einbruch beschäftigt, als dass ich ihr groß Beachtung schenken konnte.
    Ich befand mich ungefähr in der Mitte der Washington Street im Herzen des Meatpacking District. Während der Rest dieser Gegend den New Yorker Trendsettern in die Hände gefallen war, waren die Kunstgalerien und schicken Restaurants noch nicht bis hierher vorgedrungen.
    Es war früh am Abend, gerade mal acht Uhr, aber das riesige Lagerhaus, in dem sich Ty Bonners Loft befand, ragte dunkel und still in den mondhellen Himmel auf. Die große Stahltür lag im Schatten. Die vorherrschende Kunstrichtung in dieser Gegend war „classic gangsta“. Graffiti in Orange und Blau zogen sich über das verblasste Rot des Metalls bis auf die angrenzenden Mauersteine. Die Überreste einer Glühbirne baumelten über meinem Kopf, und in den Ritzen des Bürgersteigs glitzerten winzige Glasscherben.
    Das einzige Licht kam aus den Wohnungen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Nicht dass ich darauf angewiesen gewesen wäre. Meine Augen durchdrangen die Dunkelheit und erspähten mühelos den kleinen Klingelknopf neben der massiven Tür.
    Vor einiger Zeit, als ich mal wegen Mordes gesucht wurde, hatte Ty mir geholfen und sich damit quasi mitschuldig gemacht. Dann war ich für kurze Zeit seine Mitbewohnerin geworden. Ich wusste also aus erster Hand, dass im Erdgeschoss und im ersten Stock Nachbarn wohnten, also drückte ich auf den Knopf und wartete ab.
    Und wartete.
    Aber möglicherweise waren diese Nachbarn ja auch ausgezogen. Vor allem der Typ aus dem ersten Stock. Ich weiß genau, also wenn durch meine Zimmerdecke zwei Vampire herabgehüpft wären (von denen der eine wegen der Verarbeitung eines menschlichen Wesens zu Hackfleisch gesucht wurde), während ich gerade mit jemandem Sex hatte, hätte ich mit Gewissheit das Weite gesucht.
    Meine Finger schlossen sich um den Türknauf, ich drehte daran. Das Metall ächzte, und im Nu gab das Schloss nach. Dann legte ich die flache Hand gegen das Metall und drückte. Holz krachte und splitterte. Die Tür öffnete sich nach innen. Ich betrat den engen Korridor und machte mich auf den Weg zum Lastenaufzug am anderen Ende.
    Ich legte einen Finger unter das schwere Tor und zog. Das eiserne Gitter glitt mit einem Geräusch nach oben, als ob Nägel über eine Tafel kratzten. Ich trat ein und drückte den Knopf für die zweite Etage. Der Motor stöhnte, Räder drehten sich ... und das Teil setzte sich in Bewegung.
    Ich war nicht sicher, was ich eigentlich mit meinem Kommen zu erreichen hoffte. Ich wusste nur, dass ich irgendetwas tun musste. Seit Tys stiller Nachricht waren zwei Stunden vergangen.
    Und danach?
    Neida.
    Während ich im Studio meine Visitenkarten ausgeteilt und mein eigenes zehnminütiges Vorstellungsgespräch absolviert hatte (nicht dass ich auch nur im Entferntesten daran interessiert gewesen wäre, an dieser Show teilzunehmen - das würde meine Mutter glatt umbringen -, aber ich

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