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03 - Sarggeflüster

03 - Sarggeflüster

Titel: 03 - Sarggeflüster
Autoren: Kimberly Raye
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schenken wollen. Dass er jeden intimen Kontakt verzweifelt vermieden hatte, lag keineswegs an einer gewissen erektilen Funktionsstörung. Aber selbst wenn, was war denn dabei? Überall auf der Welt hatten Männer genau dasselbe Problem. Er war eben einer von der schnellen Truppe, das war alles.
    Keine große Sache. Sicherlich kein Grund, dass sich Melba Hals über Kopf in die Arme von so einem Latin Lover namens Julio warf, mit einem dicken Bankkonto und einem noch dickeren...
    Ich zwang mich wegzusehen und konzentrierte mich auf seinen perfekt umrandeten Mund. Von der ganzen Geschlechtssache mal abgesehen - der Mann wusste, wie man mit einem Konturenstift umging.
    „Was meinen Sie?“ Seine Stimme klang weich und rauchig, so als täte er sein Bestes, mich davon zu überzeugen, dass er eine Jane und kein John war. Er wackelte mit den Schultern, als wollte er einen schlecht sitzenden BH-Träger zurechtrücken.
    „Ich denke, Sie brauchen einen persönlichen Einkaufsberater.“
    „Was?“ Er blickte an sich hinunter. „Das habe ich gestern erst bei Macy's frisch aus dem Schaufenster gekauft. Es ist der letzte Schrei in dieser Saison. Und alles passt zueinander.“
    „Das Kleid ist toll. Aber es ist ein Kleid.“
    „Und?“ Mit gerunzelter Stirn sah er mich an. „Darf eine Tussi jetzt kein schönes Kleid mehr tragen, oder was?“
    „Ich sag es Ihnen ja nur ungern, aber Sie sind keine Tussi.“
    Seine Augen wurden schmal. „Ich bin sogar eine hundertprozentige, erstklassige, großartige Tussi. Ich bin eine Tussi durch und durch. Ich bin -“
    „Tussis sagen nicht Tussi“, unterbrach ich ihn. „Wenn ich mich auf eine meiner Geschlechtsgenossinnen beziehe, dann sage ich Frau. Oder Dame.
    Vielleicht gelegentlich mal du verdammtes Miststück. Tussi sagen dagegen nur Männer. Genau wie Alte oder heiße Braut. Die Schuhe sind aber echt gelungen.“ In seinem geistigen Repertoire hatte ich nichts von wegen Transe gelesen, aber ich fragte mich doch ... „Enzo Angiolini?“
    „Was?“
    Von wegen Transe. „Enzo ist ein Wer und kein Was, und Sie sind definitiv KEINE Tussi.“ Ich musterte ihn gründlich vom Kopf bis zu den Zehen - oooh, nette Pediküre -, und dann wanderte der Blick wieder nach oben. „Nicht mal annähernd.“
    „Bin ich wohl!“ Verzweiflung, gefolgt von Panik, jagte über sein Gesicht, und mit einem Mal fühlte ich mich wie der Finanzbeamte, dem die glückliche Aufgabe zugefallen war, bei Mutter Teresa die Bücher zu überprüfen.
    „Kommen Sie mit“, sagte ich, bevor ich es verhindern konnte. Ich packte ihn bei der Hand. Als er sich nicht vom Fleck rührte, übte ich ein kleines bisschen Vampirkraft aus und zerrte ihn hinter mir her.
    „Kommen Sie schon“, murmelte er, jetzt mit tieferer Stimme. „Verraten Sie mich nicht. Ich versuch doch nur, mir hier meine Brötchen zu verdienen.“ Er wollte seine Absätze in den Boden stemmen, aber das Einzige, was er erreichte, war, dass er jetzt hinter mir herstolperte. Seine Stimme wurde noch einen Tick tiefer. „Ich bin undercover, okay? Ich bearbeite gerade einen Fall von Versicherungsbetrug. Sehen Sie die Blonde da drüben?“
    Ich blieb stehen. Mein Kopf wirbelte zu einer Gruppe von Frauen herum.
    Sämtlich blond.
    „Die Große. Blaues Kleid. Hübsche Beine. Sie hat eben erst einen dicken, fetten Scheck kassiert wegen einer schweren Rückenverletzung.“
    „Ich finde, sie sieht ganz okay aus.“
    „Genau.“ Er senkte die Stimme, als hätte er vor, mir etwas anzuvertrauen, das ich noch nicht wusste. „Sie lügt.“ „Meinen Sie?“
    Er nickte. „Sie nimmt die Versicherungsgesellschaft aus. Ich bin ihr jetzt seit zwei Wochen auf der Spur.“
    Ich warf einen Blick auf ihre Schuhe. Pumps mit gut sieben Zentimeter hohen Absätzen. „Worauf warten Sie dann noch? Machen Sie sie fertig.“ Wenn die Höhe der Schuhe nicht schon Grund genug für eine Verhaftung war, dann doch sicher die Tatsache, dass sie weiß waren und der Memorial Day noch in weiter Ferne lag.
    „Kann ich nicht. Klar, die Schuhe sind ein klarer Verstoß gegen die Anordnung ihres Arztes, aber das reicht noch nicht, um sie vor Gericht festzunageln. Sie steht ja einfach nur hier rum. Sie hat nicht wirklich irgendwas gemacht. Noch nicht. Aber sollte sie auch nur einen Fuß auf die Tanzfläche setzen oder Wasserski fahren oder Bungeespringen oder irgendwas von all dem anderen Mist, den man heutzutage bei solchen Veranstaltungen so macht, dann gehört ihr Arsch mir. Darum dürfen Sie

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