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03 - Sarggeflüster

03 - Sarggeflüster

Titel: 03 - Sarggeflüster
Autoren: Kimberly Raye
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beleuchtete etwas, das einmal eine dunkelblaue Ledercouch gewesen war. Nun war sie vollkommen zerfetzt, genau wie der Ledersessel gleich daneben. Der Couchtisch aus Chrom und Glas war umgeschmissen worden. Die dazu passende Musikanlage ebenso.
    Der Boden war mit Glasscherben übersät, vermischt mit den Trümmern elektronischer Geräte. Der riesige Fernseher glich einer Höhle voller herabbaumelnder Kabel und zertrümmerter Komponenten.
    Mit einem dicken Kloß im Hals wandte ich mich der Küche zu. Das heißt, der ehemaligen Küche.
    Der Kühlschrank sah aus, als habe sich jemand seiner mit einem Baseball Schläger angenommen. Dank einiger zerschmetterter Flaschen 0 positiv bedeckte auch dort Glas den Boden. Der schwere, üppige Geruch lag immer noch in der Luft. Dunkle getrocknete Flecken besudelten den Holzboden dort, wo sich die Flüssigkeit gesammelt hatte.
    Ich weiß, ich weiß. Ich bin ein richtiges Miststück. Da hatte ich nichts Besseres zu tun, als dem Typen vorzuwerfen, er schlage seine Fänge in alles, was einen String trägt, und dabei war er auf Flaschenkost umgestiegen.
    Weil er den Gedanken nicht ertragen konnte, von einer anderen Frau zu trinken, deren Name nicht mit L anfing und mit il endete? Na ja. Das war es jedenfalls, was mein Herz lautstark in die Welt hinaussang. Hoffnung erblühte. Zugleich war ich von tiefen Schuldgefühlen erfüllt, als ich mich auf den Weg in die gegenüberliegende Ecke machte, wo sich früher einmal das Schlafzimmer befunden hatte.
    Das Bettgestell lag in einem Trümmerhaufen auf dem Boden, das Holz vollkommen zersplittert. Eine der Matratzen hatten sie gegen die nächste Wand geschleudert, die andere hing schlaff über der Kommode. Von der dunkelsaphirblauen Bettdecke war auf dem Fußboden nur noch ein Häufchen Fetzen übrig; gleich daneben erkannte ich einige dunkelrote Flecken.
    Hoffnung und Schuldgefühle lösten sich in panische Angst auf.
    Verrückt, ich weiß. Ich bin ein Vampir. Ich sollte vor nichts und niemandem Angst haben.
    Andererseits sollte ich auch nicht vollkommen verknallt in Brad Pitt sein (schließlich ist er ein Mensch, um Damiens willen!) oder wegen unbezahlter Rechnungen Anrufe von Inkassobüros bekommen (alle gebürtigen Vampire sind steinreich) oder so ziemlich all das tun, was ich Tag für Tag tue, wie zum Beispiel meiner menschlichen Assistentin Evie ihren Lieblings-Latte mitzubringen, dem Obdachlosen, der immer bei uns rumstand, fünf Mäuse in die Hand zu drücken oder das Lächeln eines GVs höher zu bewerten als seine Fruchtbarkeitsrate (das ist so ne Vampirspezialität).
    Kurz gesagt, ich bin halt kein Durchschnittsvampir.
    Meine Hände zitterten und meine Haut prickelte, als ich auf Zehenspitzen durch einen Haufen herumliegender Klamotten auf einen dieser Flecken zuschlich.

    Ich wusste, noch bevor ich das unvergleichliche Aroma einsog, dass es sich nicht um das importierte Zeug handelte, das überall in der Küche verspritzt war. Diese Flecken waren viel größer, die Farbe intensiver. Und der Duft ...
    Der Duft war zu vollmundig.
    Zu mächtig.
    Zu Ty.
    Ich versuchte zu schlucken, aber meine Kehle verweigerte plötzlich ihren Dienst. Mein Herz hörte auf zu schlagen. Die Luft blieb mir einfach in der Brust stecken (kein gutes Gefühl, da sie dort ohnehin nichts verloren hatte), und ich bekam das Gefühl, mir würde mein la-Blut in den Adern gefrieren.
    So eiskalt wie die Mündung der Waffe, die sich auf einmal zwischen meine Schulterblätter bohrte.
    „Das nenne ich Gerechtigkeit“, ertönte die ebenso frostige Stimme. „Er ist jetzt tot, genau wie du.“
    Nur keine Panik. Nur. Keine. Panik.
    Das war doch bloß ein Mann mit einem Schießeisen, der Todesdrohungen ausstieß.
    Keine große Sache.
    Zumindest was das Schießeisen und die Todesdrohungen betraf. Ich bin ein Vampir. Oder anders gesagt: Ich kann Kugeln ausweichen und mit einem einzigen Satz auf ein riesiges Gebäude springen. Augenblick mal, das ist Superman. Na ja, Sie wissen schon, was ich meine.
    Schießeisen? Null Problemo.
    Tod? Technisch gesehen: Kenn ich schon, hab ich ja schon hinter mir.
    Es war der Teil von wegen Mann, der mich ganz schwindlig machte und meine Nerven flattern ließ.

    Er stand direkt hinter mir, eine kompakte Masse aus Muskeln und warmem Fleisch, die mein untotes Herz einen Schlag lang aussetzen ließ. Er drückte sich dichter an mich, und sein Körper schien noch heißer zu werden, bis ich mich wie ein Marshmallow fühlte, das auf einen Stock

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