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0141 - Mein Todesurteil

0141 - Mein Todesurteil

Titel: 0141 - Mein Todesurteil
Autoren: Jason Dark
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Nur deshalb hatte ihm sein Vater kurz vor dem Tode den Eichenpflock vererbt, der das Herz des Vampirs durchbohren sollte. Gemeinsam mit John Sinclair, dem Mann aus der Zukunft, hatten sie eine Falle für den Vampir gebaut, und der war voll hineingetappt.
    Schweratmend näherte sich der junge Marek dem Sarg. In seinen Augen glitzerte es, seine Lippen zuckten. Er öffnete den Mund und schloß ihn wieder, doch kein Wort drang hervor. Nur sein schweres, keuchendes Atmen war zu hören.
    Hoch hielt er seinen rechten Arm. Und die Faust umklammerte den Pfahl so fest, daß seine Fingerknöchel weiß hervortraten.
    Mit einer wilden Handbewegung schleuderte er ein paar Kreuze zur Seite, die er und John Sinclair provisorisch vor dem Sarg aufgebaut hatten. Jetzt hatte er Platz. Die Kreuze brauchte er nicht mehr, sie sollten den Vampir nur schwächen, und den Zweck hatten sie restlos erfüllt.
    Fariac hatte Angst.
    Ja, der Blutsauger, der so viele Menschen ins Unglück gestürzt hatte, bebte und zitterte. Er wußte, daß ein gnadenloser Rächer vor ihm stand, ein Mann, der seinen Tod auf die Fahne geschrieben hatte.
    Fariac stieß drohende Laute aus und robbte in seiner prunkvollen Totenkiste immer weiter zurück. Seine Arme hatte er halb erhoben, als wollte er damit und mit seinem Mantel den seelenlosen Körper schützen. Doch er hatte sich verrechnet.
    Vor dem Fußende des Sargs blieb der junge Marek stehen. »Ich bin da!« sagte er nur.
    Fariac hechelte. »Du willst mich töten, nicht?«
    »Ja!«
    »Warum? Warum willst du das auf dich nehmen? Ich würde mich erkenntlich zeigen. Ich habe Beziehungen. Ich würde dich zu einem reichen Mann machen. Die Leute würden vor dir kuschen. Sie hätten Angst vor dir, sie würden…«
    »Nein!« schrie Karel Marek. »Nein!«
    »Überlege es dir!« zischte der Vampir.
    Wild schüttelte Karel den Kopf. »Denk daran, was du meinem Vater und meiner Schwester angetan hast. Ilona ist zu einer Untoten geworden. Nur durch deinen Biß. Du allein bist dafür verantwortlich, und den Tod meines Vaters hast du auch auf dem Gewissen. Es gibt keine Gnade mehr für dich!«
    Fariac zuckte zusammen. Sein Mund öffnete sich noch weiter. Die langen, leicht gebogenen Hauer blitzten, und urplötzlich sprang er hoch. Er wollte wieder aus dem Sarg flüchten.
    Damit hatte Karel gerechnet.
    Er warf sich ebenso schnell vor, streckte dabei auch seine linke Hand aus, rammte die Faust in das Gesicht des Vampirs und drückte ihn zurück.
    »Stirb!« brüllte er.
    Seine rechte Hand raste nach unten.
    Wuchtig bohrte sich der Pfahl genau dort in die Brust des Vampirs, wo auch das Herz saß.
    Fariac bäumte sich auf.
    Dunkles Blut schoß aus der Wunde, als der junge Marek den Pfahl wieder herausriß.
    »Das war für meinen Vater!« schrie er unter Tränen. »Und das ist für meine Schwester!«
    Wieder hieb er zu.
    Abermals zuckte der Vampir zusammen, öffnete seinen Mund und stieß einen markerschütternden Schrei aus. Es war ein Schrei, wie er nur in höchster Todesnot geboren wurde.
    Der junge Marek fuhr zurück und hielt sich die Ohren zu.
    Die Hände hatte Fariac um den Sargrand gekrallt. Er versuchte, sich hochzuwuchten, doch die Kraft verließ ihn bereits. Auf halbem Weg sackte er wieder zusammen, versuchte es noch einmal und mußte wieder aufgeben.
    Plötzlich wurde seine Haut grau. Die Fingernägel fielen ab, und das Fleisch verdorrte. An den Händen begann der Auflöseprozeß, setzte sich rasch weiter fort und erreichte zuletzt das Gesicht.
    Die Kleidung fiel ineinander, weil nichts mehr da war, was sie noch hielt. Dann verformte sich das Gesicht. Nase, Mund und Ohren wurden zu einer lehmigen Masse, die ineinanderfiel und die blanken Knochen freigab.
    Karel Marek stand vor dem Sarg und schluchzte. Er sah dem Kampf zu, während die Tränen über sein Gesicht liefen. Zuletzt glotzte ihn nur noch eine Skelettfratze an.
    Mehr nicht…
    Auch die würde zerfallen. Zurück blieb dann graubrauner Staub.
    Vorhin war er wie im Rausch gewesen, jetzt kam die Ernüchterung.
    Karel wandte sich um. Er schluchzte, und ihm war hundeelend zumute. Die Treppe verschwamm vor seinen Augen, er verfehlte die unterste Stufe, fing sich aber und torkelte die Treppe hoch wie ein Betrunkener.
    Karel Marek hatte seine Rache erfüllt.
    Fariac lebte nicht mehr!
    ***
    Der Schrei brach ebenso schnell ab, wie er aufgeklungen war. Plötzlich war es wieder still.
    Und sie stand vor mir.
    Sie – das war Ilona, das Zigeunermädchen, eine Blutsaugerin,

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