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0138 - Der Höllensohn

0138 - Der Höllensohn

Titel: 0138 - Der Höllensohn
Autoren: Walter Appel
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Selbst die stolzen Tuaregs zitterten vor ihm und wagten es nicht, seinen Namen laut zu nennen.
    Den Namen Dschafar al Kharums, des schrecklichsten aller Dschinns. Nur einen Mann gab es, der ihm gewachsen sein konnte.
    Professor Zamorra, der Meister des Übersinnlichen. Der Träger des zauberkräftigen Amuletts aus Merlins Magiewerkstatt.
    Zamorra folgte dem Ruf, und um einem Liebespaar zu helfen, wagte er die Auseinandersetzung mit dem Dämon. Zamorra, Bill Fleming und Nicole Duval gerieten in einen Sog des Grauens. Sie standen isoliert gegen die ungeheure Macht Dschafar al Kharums und gegen den ganzen Stamm der Adscher-Tuareg.
    Tod und Verderben erwarteten sie. Und Zamorra erlitt den größten Verlust seines Lebens…
    Silbern lag die weite Sahara im Schein des Vollmonds. Ein kühler Wind wehte und trug das Heulen eines Schakals aus der Ferne her.
    Im Beduinenlager an der Oase kläfften Hunde. Sacht rauschten die Wipfel der Dattelpalmen.
    Das Liebespaar saß am Rand des Palmenhains aneinandergeschmiegt. Roger Marais hatte sich wegen der Kühle der Nacht in eine dunkle Djellabah gehüllt. Die Kapuze hatte der blonde Franzose zurückgeschlagen.
    Er lächelte, seine Augen blickten träumerisch. Der Isâr, das Wickelgewand der Beduinenfrauen und -mädchen, konnte die Schönheit von Hadda bent Fatimas graziler Figur nicht verbergen. Hadda trug das dunkelblaue Kopftuch der Tuaregfrauen und Silberschmuck am Hals. Sie hatte das Stammeszeichen des Adscher-Clans auf die Stirn tätowiert. Ihr Gesicht war unverhüllt, denn bei den Tuareg trugen nur die Männer einen Schleier über der unteren Gesichtshälfte.
    Haddas große dunkle Augen funkelten wie zwei Sterne.
    Ihre schlanken, mit silbernen Ringfilbeln geschmückten Finger glitten sacht über die Saiten des Instruments, das die Araber Amir al alat nannten, den Prinzen unter den Instrumenten. Leise erklangen die Saiten der Knickhalslaute und untermalten das Gespräch der beiden Liebenden.
    »Erzähle mir von den großen Städten an der Küste, Roger«, sagte Hadda in gut verständlichem Französisch. »Von Casablanca, Tanger, Oran und Tripolis. Ich bin noch nie weiter gekommen als bis zu den Oasen von In Salah.«
    »Du wirst diese Städte sehen und noch viel mehr!« rief der junge Franzose leidenschaftlich. »Die ganze Welt will ich dir zeigen und zu Füßen legen, Geliebte. Siehst du den Stern dort? Ich hole ihn dir vom Himmel, wenn du es verlangst.«
    Das Targi-Mädchen blickte hinauf zu der schimmernden Pracht in der schwarzen Unendlichkeit. Unglaublich hell und klar strahlten die Sterne über der Wüste. Zärtlich strich Hadda Roger über die Wangen.
    »Du Dummer. Das ist der Nordstern. Wie sollten sich die Seeleute und Karawanenführer ohne ihn zurechtfinden, wenn du ihn mir herunterbringst?«
    Roger schob die Laute zur Seite und küßte Hadda zärtlich auf die Lippen. Das Knacken eines Astes ließ ihn aufschrecken. Im nächsten Moment sprangen in blaue oder schwarze Burnusse gekleidete Männer zwischen den Palmen hervor und umringten die beiden.
    Es waren ein Dutzend Tuareg, Angehörige des stolzen und kühnen Stammes der Adscher. Mit grimmigen Gesichtern betrachteten sie stumm die zwei Ertappten. Die Beduinen hielten Gewehre, oder ihre Hände schlossen sich fest um den Griff des Dolchs oder Säbels.
    Der Anführer trat vor. Abd el Malek, der Sheik des Stammes und Haddas Onkel. Er war ein großer, finsterer Araber. Der schwarzblaue Litham, der Gesichtsschleier, verhüllte die untere Hälfte seines Gesichts. Eine Hakennase ragte darüber hervor, und dunkle, tiefliegende Augen blitzten. Eine Säbelnarbe zog sich quer über Abd el Maleks linke Wange und verlieh ihm ein bedrohliches Aussehen.
    Er spielte wütend und nervös mit der kurzstieligen Peitsche, in deren Lederriemen Knoten geknüpft waren.
    Hadda und Roger hatten sich erhoben. Sie hielten sich bei den Händen. Die Laute lag am Boden. Vorbei war der Zauber, der sie kurz zuvor noch umfangen und in ein Traumland der Liebe entführt hatte.
    »Du Hure!« zischte Abd el Malek im alten Berberdialekt der Tuareg. »Schamloses Weib! Du gibst dich mit einem dahergelaufenen Fremden ab, der nicht einmal ein Ben Arab ist. Du entehrst deine Familie und den ganzen Stamm. Vielleicht trägst du bereits seinen Bastard im Leib, ha?«
    »Onkel!« rief Hadda flehend. »Sei einmal menschlich. Roger und ich lieben uns. Wir…«
    »Wage es nicht, mich noch einmal deinen Onkel zu nennen!« schrie der Sheik im höchsten Zorn. »Du

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