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0010 - Ich gegen alle

0010 - Ich gegen alle

Titel: 0010 - Ich gegen alle
Autoren: Delfried Kaufmann
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»Kommt herein, ihr beiden«, sagte Mr. High und deutete mit einer Handbewegung auf die beiden Sessel vor seinem Schreibtisch. »Kalter Tag heute, was?«
    »Tja, bald Schluß mit dem Sommer«, antwortete ich und ließ mich in den Sessel fallen.
    »Riecht langsam nach Herbst«, äußerte Phil und plazierte sich in den Sessel zu meiner Linken.
    Sehen Sie, auch zwischen G-men und ihrem Chef wird schon mal vom Wetter gesprochen, was nicht bedeuten soll, daß Mr. High uns nichts anderes zu sagen hatte.
    »Es geht um Uran«, sagte der Chef, »das Ausgangselement für die gesamte Atomtechnik, von der Bombe bis zu den Energiewerken. Dreihundert Dollar ist das Pfund ungereinigten Urans wert, je nach Höhe des Erzgehalts.«
    »Dann wird der Junge, der da oben in Kanada ’ne Uranmine gefunden haben soll, sich aber gewaltig die Nase vergolden«, sagte ich, denn davon hatte ich in der Zeitung gelesen.
    »Wir sind beim Thema«, sagte Mr. High lächelnd. »Wegen der Uranfunde in Kanada habe ich euch bestellt.«
    Er lehnte sich zurück.
    »Seitdem die erste Atombombe explodiert ist, gehört Uran zu den begehrenswerten Stoffen der Erde. Das weiß heute jedes Kind. Vor hundert Jahren war es das Gold, das die Menschen verrückt machte, heute ist es das Uran. Und wie vor hundert Jahren die Goldsucher, so streifen heute die Uranschürfer durch die gottverlassenen Gebirge unseres Kontinents. Ihre Ausrüstung ist besser, gewiß, und statt des Waschsiebes tragen sie einen Geigerzähler bei sich, aber die Bedingungen, unter denen sie arbeiten, sind praktisch die gleichen. Auf sich allein gestellt, durchstreifen sie die Wildnis, unerschlossene Wildnis, die es auch heute noch gibt. Wie die alten Goldsucher tragen sie den Traum vom plötzlichen und sagenhaften Reichtum im Herzen, und wie damals setzt, wenn einer von ihnen glücklich gewesen ist, der Run der anderen auf den Platz ein, wo Uran entdeckt worden ist. Ich habe immer gefunden, Leute, die auf solche Art zu Geld kommen wollen, müssen einen Spleen haben, und spleenige Leute sind unberechenbar. Die Golddigger vor hundert und weniger Jahren schossen sich nicht selten wegen eines Claims, und noch beim großen Yukon-Run um die Jahrhundertwende gab es dreihundertvierzig Tote durch Schießereien, ungerechnet diejenigen, die an den Strapazen in der Wildnis gestorben sind.«
    »Hat es bei dem Kanadafund auch schon Tote gegeben?« fragte ich.
    Der Chef lächelte. »Soweit ist es noch nicht. Hier sind die Meldungen, soweit sie mir vorliegen: Vor einem Monat fand ein Mann namens Glenford Hughs im Mackenzie District, nicht weit von der Alaska-Grenze, Uran. Es kam in die Zeitung, und der Run ging los. Nun geht uns Kanada nicht das geringste an, denn es gehört schließlich nicht zum Gebiet der Vereinigten Staaten. Da aber auf dem Territorium der USA kaum Uran vorkommt, Kanada andererseits keine Atomspaltungsanlagen unterhält, besteht zwischen beiden Regierungen ein Vertrag, der die Ausnutzung von Uranfunden durch Amerikaner möglich macht. Infolgedessen erteilt Kanada Schürfkonzessionen auch an amerikanische Staatsbürger. Seitdem der Run dort oben ausgebrochen ist, fürchten die Kanadier, daß es Schwierigkeiten geben könnte, und da ein großer Teil der Leute Amerikaner sind, wünschen sie amerikanische FBI-Beamte zur Unterstützung. Okay, ich habe gedacht, euch beide hinzuschicken. Einverstanden?«
    »Warum nicht? Ich kenne Kanada noch nicht. Wollt’ es immer schon mal kennenlernen.«
    ***
    Genau vierundzwanzig Stunden später saßen wir in einer Maschine, die strikten Nordkurs hielt.
    In Montreal wurden wir von zwei sehr höflichen, sehr englischen Herren erwartet, die uns mit ihrem Wagen zu einem imposanten Gebäude fuhren.
    Hier empfing uns ein noch englischerer Herr, der äußerte: »Ich freue mich, daß die Regierung der Vereinigten Staaten dem Wunsch der kanadischen Regierung nachgekommen ist. Ich hoffe, daß es Ihnen in unserem Land gefällt und daß keine zu großen und schweren Aufgaben an Sie herangetragen werden.«
    Zehn Minuten später sahen wir schon wieder das Flugplatzgelände vor uns.
    »Wer war der Mann, der uns empfangen hat?« fragte ich unseren Begleiter.
    Er zog ein wenig die linke Augenbraue hoch, eben soviel, wie es sein Pokergesicht erlaubte.
    »Der Innenminister«, antwortete er würdevoll.
    Das war der erste Minister, dem ich je die Hand gedrückt habe.
    Die Maschine, in der wir jetzt verfrachtet wurden, war ein beachtliches Stück kleiner, als die Constellation, mit

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