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Wie verführt man einen Prinzen?

Wie verführt man einen Prinzen?

Titel: Wie verführt man einen Prinzen?
Autoren: Sandra Hyatt
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1. KAPITEL
    Durchatmen und weitermachen! Danni St. Claire hatte den Spruch irgendwo gelesen und fand ihn passend. Sie spreizte ihre behandschuhten Finger, bevor sie sie wieder um das Lenkrad legte.
    Ihre Passagiere hinter der Glasscheibe – vor allem einer davon – würden sie kaum bemerken. Das taten die wenigsten. Vor allem, wenn sie ihren Job gut machte. In diesem Fall bedeutete das, Adam Marconi, den Thronerben des europäischen Fürstentums San Philippe, und seine mondäne Begleiterin zu ihrem Bestimmungsort zu bringen.
    Ohne irgendwelche Zwischenfälle.
    Der wichtigste Teil des Jobs war allerdings, Adam nicht merken zu lassen, dass sie ihn fuhr. Das sollte sie hinbekommen. Vor allem, wenn sie ihren Mund hielt – womit sie gelegentlich Probleme hatte. Entweder sprach sie, wenn sie schweigen sollte, oder sie sagte die falschen Sachen. Aber heute Abend würde sie den Mund halten. Das konnte doch nicht so schwer sein. Sie hatte auch gar keinen Grund, etwas zu sagen. Jemand anders würde die Wagentür für Adam öffnen und schließen. Sie musste nur den Wagen lenken. Wenn möglich, ohne dass jemand auf sie aufmerksam wurde. Sie würde heute Abend unsichtbar sein. Ein Schatten. An der nächsten Kreuzung zog sie die Chauffeursmütze ihres Vaters ein bisschen tiefer in die Stirn.
    Der Palast hatte von einem „speziellen Auftrag“ gesprochen. Das war er nicht nur für den Palast, sondern auch für ihren Vater. Der wollte nämlich nicht, dass Wrightson heute Abend fuhr, denn er betrachtete ihn als Konkurrenten um seine Position als erster Chauffeur. Danni wusste das aus der Zeit, bevor sie aufs College gegangen war, der Zeit, als sie noch offiziell für den Palast gearbeitet hatte. Seitdem hatte sie Adam nicht wiedergesehen.
    Außerdem hatte sie nicht gewusst, dass ausgerechnet Adam ihr Fahrgast sein sollte, als sie den Auftrag angenommen hatte. Sie hatte gedacht, sie solle Adams Begleiterin, eine schöne, elegante Fulbright-Studentin, abholen und zum Restaurant kutschieren. Aber dann hatte sich herausgestellt, dass sie beide nach Hause fahren sollte. Inzwischen war also klar, warum der Auftrag „speziell“ war.
    Ihr Magen grummelte. Fürs Abendbrot hatte die Zeit nicht gereicht. Und ihr Vater fand es unnötig, etwas Essbares im Handschuhfach zu deponieren. Der kleine Kühlschrank im Fahrgastraum enthielt alle nur möglichen Köstlichkeiten, aber sie konnte wohl schlecht fragen, ob einer der beiden dort hinten ihr etwas davon kurz rüberreichen könnte. Das wäre äußerst unpassend. Irgendwie musste sie mit der Rolle Pfefferminzbonbons durch die nächsten Stunden kommen.
    An der nächsten Ampel warf sie einen Blick in den Rückspiegel und verdrehte die Augen. Für den Fall, dass der Palast davon ausgegangen war, dass irgendetwas „Spezielles“ auf dem Rücksitz passieren würde, konnte sie Entwarnung geben. Adam und seine Begleiterin unterhielten sich. Beide blickten dabei so ernst drein, als würden sie gerade die Probleme der Welt lösen. Möglicherweise versuchten sie sogar genau das. Möglicherweise war das so üblich, wenn Prinzen und Studentinnen sich verabredeten. Und möglicherweise sollte Danni dankbar dafür sein, dass es Menschen gab, die sich über etwas anderes als den Inhalt des Kühlschranks Gedanken machten.
    Dennoch: Sie hatte angenommen, dass die beiden sich besser kennenlernen wollten, statt irgendwelche Probleme zu besprechen. Sie seufzte. Was wusste sie schon über das Hofprotokoll? In Adams Welt liefen die Dinge anders. Das war schon immer so gewesen. Schon als Teenager hatte er den Eindruck erweckt, als laste die ganze Welt auf seinen Schultern. Er hatte seine Pflichten immer sehr ernst genommen. Zu ernst fand sie.
    Sie wusste, dass Adam eine passende Ehefrau suchte. Eine potenzielle Kandidatin saß gerade auf dem Rücksitz.
    Mit seinen einunddreißig Jahren musste er – jedenfalls, wenn man den Medien glauben konnte – die Erwartungen seines Vaters und seines Landes erfüllen und das Richtige tun. Das Richtige bedeutete in seinem Fall zu heiraten, ein ruhiges Leben zu führen und Erben zu zeugen. Männliche Erben vorzugsweise, um die Linie der Marconis fortzuführen und die Erbfolge sicherzustellen.
    Danni fand allerdings, dass der Prinz eher eine Dosis Aufregung gebrauchen könnte. Sie war schon immer davon überzeugt gewesen, dass Adam sich lieber auf die Möglichkeiten des Lebens konzentrieren sollte statt auf das, was andere von ihm erwarteten. Solange er nur das Naheliegende

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