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Vampire Academy 02 ● Blaues Blut

Vampire Academy 02 ● Blaues Blut

Titel: Vampire Academy 02 ● Blaues Blut
Autoren: Richelle Mead
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Frage werfen, wie ernst es mir mit meiner künftigen Berufslaufbahn war.
    „Sie packen das schon”, wiederholte Dimitri. „Das Gute in Ihrer Akte überwiegt das Schlechte.”
    Manchmal war es, als könne er meine Gedanken lesen. Ich lächelte schwach und wagte es, zu ihm hinüberzuspähen. Es war ein Fehler. Ein langer, hagerer Körper, dessen Konturen selbst im Sitzen wahrnehmbar waren. Unergründliche, dunkle Augen. Schulterlanges, braunes Haar, das er im Nacken zusammenband. Dieses Haar fühlte sich an wie Seide. Ich wusste es, weil ich mit den Fingern hindurchgefahren war, als Victor Dashkov uns mit dem Lustzauber belegt hatte. Mit großer Zurückhaltung zwang ich mich, wieder zu atmen, und wandte den Blick ab.
    „Danke, Coach”, neckte ich ihn und kuschelte mich wieder in den Sitz.
    „Ich bin hier, um zu helfen”, wiederholte er. Sein Tonfall war unbeschwert und entspannt - eine Seltenheit bei ihm. Normalerweise war er stets sprungbereit, auf jeden Angriff gefasst. Wahrscheinlich dachte er, er sei in einem Honda sicher - oder zumindest so sicher, wie er in meiner Nähe nur sein konnte. Ich war nicht die Einzige, die Mühe hatte, die romantische Spannung zwischen uns zu ignorieren.
    „Wissen Sie, was wirklich helfen würde?”, fragte ich, ohne ihm in die Augen zu sehen.
    „Hmm?”
    „Wenn Sie diese bescheuerte Musik ausstellen und etwas auflegen würden, das nach dem Fall der Berliner Mauer rausgekommen ist.”
    Dimitri lachte. „Ihr schlechtester Kurs ist Geschichte, trotzdem wissen Sie irgendwie alles über Osteuropa.”
    „He, ich brauche schließlich Material für meine Witze, Genosse.” Immer noch lächelnd suchte er einen anderen Sender und blieb bei einer Countrystation hängen.
    „He! Ich hatte eigentlich an was anderes gedacht”, rief ich.
    Ich konnte erkennen, dass er wieder drauf und dran war, in Gelächter auszubrechen. „Entscheiden Sie sich. Entweder das eine oder das andere.”
    Ich seufzte. „Dann stellen Sie wieder das Zeug aus den Achtzigern ein.” Er drehte wieder am Rad, und ich verschränkte die Arme vor der Brust, während eine vage europäisch klingende Band etwas darüber sang, dass das Video den Radiostar gekillt habe. Ich wünschte, jemand würde dieses Radio killen.
    Plötzlich kamen mir fünf Stunden gar nicht mehr so kurz vor, wie ich gedacht hatte.
    Arthur und die Familie, die er beschützte, lebten in einer Kleinstadt an der T90 , nicht weit von Billings entfernt. Die allgemeine Auffassung der Moroi in Bezug auf Orte, an denen man leben konnte, war ziemlich geteilt. Einige Moroi argumentierten, dass große Städte am besten seien, weil sie es Vampiren ermöglichten, in der Menge unterzutauchen; nächtliche Aktivitäten erregten nicht so viel Aufmerksamkeit. Andere Moroi, wie diese Familie, entschieden sich anscheinend für weniger stark bevölkerte Städte, weil sie glaubten, die Wahrscheinlichkeit aufzufallen sei geringer, wenn es weniger Menschen gab, denen man auffallen konnte.
    Ich hatte Dimitri dazu überredet, an einem durchgehend geöffneten Restaurant zu halten, um etwas zu essen, und da wir außerdem noch einen Tankstop einlegen mussten, ging es schon gegen Mittag, als wir ankamen. Das Haus war weitläufig angelegt, alles ebenerdig, grau geflecktes Holz und große Erkerfenster - natürlich mit getönten Scheiben, um das Sonnenlicht abzublocken. Es wirkte neu und edel, und auch wenn es mitten im Nichts stand, war es in etwa das, was ich von Mitgliedern einer königlichen Familie erwartet hatte.
    Ich sprang ins Freie, und meine Stiefel sanken im glatten Schnee zwei oder drei Zentimeter tief ein und knirschten dann auf dem Kies der Einfahrt. Es war fast windstill, und ein tiefes Schweigen lag über der Landschaft. Dimitri und ich gingen über einen mit Flusskieseln bestreuten Gehweg durch den Vorgarten zum Haus. Ich konnte beobachten, wie er wieder auf Arbeitsmodus umschaltete, dabei aber ebenso gut gelaunt wie ich. Die angenehme Autofahrt hatte uns beide mit einer Art schuldbewusster Befriedigung erfüllt.
    Ich rutschte auf dem eisbedeckten Gehweg aus, und Dimitri streckte sofort die Hand aus, um mir Halt zu geben. Einen unheimlichen Augenblick lang hatte ich ein Déjà -vu-Erlebnis, das mich zurück in die erste Nacht trug, in der wir einander begegnet waren, zurück zu dem Augenblick, da er mich vor einem ähnlichen Sturz gerettet hatte.
    Frostige Temperaturen hin oder her, seine Hand fühlte sich warm an auf meinem Arm, selbst durch die diversen

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