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SOS am Gipfelkreuz

SOS am Gipfelkreuz

Titel: SOS am Gipfelkreuz
Autoren: Ralf Lilienthal
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    Gipfelstürmer unterwegs
    »Ah, endlich!«
    Benny sah auf und wusste sofort, warum Anna so erleichtert klang. Zehn Meter voraus hatten die vier Oldies den gewundenen, steilen Bergweg verlassen und sich auf einen verwitterten Felsbrocken gesetzt. Pause! Die Aussicht auf einen Schluck Wasser und eine kleine Stärkung kam genau zum richtigen Zeitpunkt.
    Auf diese Wandertour in den Alpen hatten sich Anna und Benny schon monatelang gefreut. Zwei miteinander befreundete Familien, die in den Sommerferien von Hütte zu Hütte wandern, tagsüber Gipfel stürmen und abends in urigen Hütten gemütlich zusammensitzen   – das hatte nach Abenteuer und Romantik geklungen. Inzwischen wussten sie, dass auch Blasen an den Füßen dazugehörten oder Muskelkater in den Waden und manchmal, wie jetzt, auch ein komplett ausgetrockneter Mund.
    »Na, ihr müden Krieger, gleich habt ihr’s geschafft! Noch etwa eine Dreiviertelstunde, dann sind wir an der Hütte!«
    Bennys Vater, der mit seinen Freunden jedes Jahr eine größere Bergtour unternahm und kein bisschen erschöpft schien, hielt Anna und Benny eine Dose mit Trockenfrüchten und Nüssen entgegen. Die beiden warfen ihre Rucksäcke zu Boden und ließen sich auf den von der Sonne erwärmten Felsbrocken plumpsen.
    »Wie viele Kilometer waren das heute?« Annas Mutter sah zu ihrem Mann und hielt sich dabei die Hand über die geblendeten Augen.
    »Vierzehneinhalb. Erst runter und jetzt ziemlich steil rauf   – heute Abend wird es uns besonders gut schmecken!«
    Eine Weile schwiegen alle und ließen den Ausblick über das weite Tal und die fernen Bergspitzen auf sich wirken.
    Benny versuchte, den Verlauf des heutigen Weges zwischen den Felsen und Latschenkiefern zurückzuverfolgen, war sich aber nicht ganz sicher, woher sie gekommen waren.
    »Stimmt schon.« Sein Vater hatte seinen Blick bemerkt. »Dort runter, bis zu dem kleinen Ahornwäldchen und der Holzbrücke. Siehst du den Bach? Wo der die Schleife nach links macht, sind wir auf dem schmalen Pfad weiter abgestiegen. Und wenn du da hochguckst   … die schräge Spitze mit dem Gipfelkreuz   …«
    »Da waren wir am späten Vormittag!«
    »Genau, die Hütte liegt dann ein Stück weiter westlich.«
    Nach nicht einmal einer Viertelstunde hatten alle gegessen und getrunken. Während die Väter sonst nach jeder Pause zum Aufbruch drängen mussten, standen dieses Mal alle sechs beinahe gleichzeitig wie auf ein geheimes Kommando auf. Die nahe Berghütte und damit die Aussicht auf einen vergnüglichen, erholsamen Abend trieb die beiden Familien zum Endspurt an.
    Es war wie schon an den Tagen zuvor. Je länger sie der Weg in lang gezogenen Serpentinen den Berg hinaufführte, desto spannender wurde es. Hinter jeder Wegbiegung konnte die Berghütte auftauchen. Aber wie würde sie aussehen? Hatteman von dort einen guten Ausblick? Und war sie von vielen Wanderern besucht?
    »Da! Ich sehe sie. Sie liegt ein Stück tiefer   – die letzten zwei-, dreihundert Meter geht es nur noch bergab!«
    Annas Vater war stehen geblieben und zeigte nach rechts. Alle Augen folgten dem ausgestreckten Zeigefinger, der auf ein etwas tiefer gelegenes Hochplateau wies.
    Immer schneller lief die kleine Gruppe jetzt den schmalen, treppenartigen Weg hinab. Das Rumpeln der auf und ab hüpfenden Rucksäcke schlug den Takt dazu.
    Bennys Müdigkeit war plötzlich wie weggeblasen. Und während Anna mit ihrer Mutter schon darüber stritt, warum sie nicht auch den dritten Abend in Folge Leberkäse essen konnte, beeilte sich Benny, zu seinem Vater aufzuschließen.
    Dabei bemerkte er, dass bei der Hütte irgendetwas Ungewöhnliches vor sich ging. Auf der großen, hölzernen Veranda hatten sich viele Menschen versammelt. Andere schienen aufgeregt hin und her zu laufen.
    »Was ist denn da los?«, fragte Benny überrascht und zeigte auf vier Personen, die etwas abseits um einen Platz standen, der mit einem großen, weiß gekalkten H gekennzeichnet war.
    »Siehst du die Jacken? Das ist die Bergwacht. Das H ist der Landeplatz für den Rettungshelikopter. Irgendetwas ist dort unten passiert. Komm, wir werden es ja gleich sehen!«
    Wenig später standen sie vor der Menschentraube, die sie schon von oben bemerkt hatten. In der Mitte lagen zwei Männer auf Liegen mit Rotkreuzsymbolen.
    »Verzeihung.« Bennys Vater hatte sich an einen Mann gewandt, der die rot-blaue Jacke der Bergwacht trug. »Hatten die beiden einen Unfall?«
    »Die zwei hier und ihre Kollegen dort drüben in

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