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Solange es hell ist

Solange es hell ist

Titel: Solange es hell ist
Autoren: Agatha Christie
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hatte Major Rich unmittelbar davor das Haus verlassen. Mr Clayton sagte, dass er nicht warten könne, da er einen Zug erreichen müsse, aber eine schriftliche Nachricht hinterlassen werde. Folglich ging er in den Salon, um dies zu tun. Burgoyne hatte seinen Herrn nicht nachhause kommen hören, da er gerade dessen Bad einlaufen ließ, und Major Rich hatte natürlich mit seinem eigenen Schlüssel aufgeschlossen. Nach Meinung des Dieners war es etwa zehn Minuten später, als Major Rich ihn rief und Zigaretten holen schickte. Nein, in den Salon war er nicht gegangen, da Major Rich unter der Tür gestanden hatte. Fünf Minuten später war er mit den Zigaretten zurückgekommen und in den Salon gegangen, in dem er nur seinen Herrn vorfand, der rauchend am Fenster stand. Sein Herr hatte sich erkundigt, ob sein Bad bereit sei, und es, als er hörte, dass dies der Fall war, auch genommen. Er, Burgoyne, hatte Mr Clayton nicht erwähnt, da er davon ausging, dass sein Herr Mr Clayton angetroffen und diesen selbst hinausgelassen hatte. Das Verhalten seines Herrn war genau wie immer gewesen. Er hatte sein Bad genommen, sich umgekleidet, und kurz darauf waren Mr und Mrs Spence eingetroffen, denen etwas später Major Curtiss und Mrs Clayton folgten.
    Es sei ihm nicht in den Sinn gekommen, erklärte Burgoyne, dass Mr Clayton vor der Rückkehr seines Herrn gegangen sein könnte. Dann hätte Mr Clayton die Wohnungstür hinter sich zuschlagen müssen, und das hätte der Diener mit Sicherheit gehört.
    In der gleichen unbeteiligten Art und Weise führte Burgoyne aus, wie er die Leiche gefunden hatte. Zum ersten Mal wurde meine Aufmerksamkeit auf die verhängnisvolle Truhe gelenkt. Es handelte sich um ein ziemlich großes Möbelstück, das neben dem Grammofonschrank an der Wand stand. Die Truhe war aus einem dunklen Holz und reich mit Messingnägeln beschlagen. Der Deckel ließ sich problemlos öffnen. Ich sah hinein und schauderte. Obwohl man sie gründlich gereinigt hatte, waren ominöse Flecken zurückgeblieben.
    Plötzlich stieß Poirot einen leisen Schrei aus. »Diese Löcher da – sie sind sehr merkwürdig. Man könnte meinen, sie seien erst kürzlich gemacht worden.«
    Die fraglichen Löcher befanden sich auf der rückwärtigen, der Wand zugewandten Seite der Truhe. Insgesamt waren es drei oder vier. Sie hatten einen Durchmesser von einem guten halben Zentimeter und machten in der Tat den Eindruck, als wären sie erst vor Kurzem angebracht worden.
    Poirot bückte sich, um sie zu untersuchen, und sah dann fragend den Diener an.
    »Das ist wirklich sonderbar, Sir. Ich kann mich nicht erinnern, die Löcher schon früher gesehen zu haben, aber vielleicht sind sie mir auch lediglich nicht aufgefallen.«
    »Das ist ohne Belang«, sagte Poirot.
    Er klappte den Deckel der Truhe zu und trat einige Schritte zurück, bis er mit dem Rücken am Fenster stand. Dann stellte er unvermittelt eine Frage.
    »Sagen Sie mir, als Sie Ihrem Herrn an dem bewussten Abend die Zigaretten brachten, da stand doch etwas in diesem Zimmer nicht an seinem gewohnten Platz?«
    Burgoyne zögerte einen Moment und erwiderte dann etwas widerwillig: »Merkwürdig, dass Sie das fragen, Sir. Jetzt, wo Sie es erwähnen – das war wirklich der Fall. Der Paravent dort drüben, der die Zugluft von der Schlafzimmertür abhält, der stand ein bisschen weiter links.«
    »Etwa hier?«
    Poirot bewegte sich blitzschnell vorwärts und verrückte den Paravent. Es war ein schönes Stück aus bemaltem Leder. Der Wandschirm versperrte bereits ein wenig den Blick auf die Truhe, und als Poirot ihn weiterschob, verbarg er die Truhe vollständig.
    »Ja, genau so, Sir«, sagte der Diener. »Da stand er.«
    »Und am nächsten Morgen?«
    »Da stand er immer noch so. Ich erinnere mich genau. Ich schob ihn weg, und da sah ich den Fleck. Der Teppich ist in der Reinigung, Sir. Deshalb sind die Fußbodendielen nackt.«
    Poirot nickte.
    »Ich verstehe«, sagte er. »Ich danke Ihnen.«
    Er drückte dem Diener einen Schein in die Hand.
    »Vielen Dank, Sir.«
    »Poirot«, sagte ich, als wir draußen auf der Straße waren, »die Sache mit dem Paravent – ist das ein Punkt, der Rich helfen könnte?«
    »Es ist ein weiterer Punkt, der gegen ihn spricht«, sagte Poirot trübsinnig. »Der Paravent verbarg die Truhe vor den Leuten im Zimmer. Und er verbarg den Fleck auf dem Teppich. Früher oder später musste das Blut durch das Holz sickern und den Teppich verfärben. Der Paravent verhinderte, dass der
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