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Weiß wie der Tod

Weiß wie der Tod

Titel: Weiß wie der Tod
Autoren: Roman Rausch
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Prolog
    Wie lautet das Passwort?«
    Der Mann, der zum Schutz seiner Persönlichkeitsrechte lediglich als Holger M. bekannt war, kniete in einem Gemisch aus Blut und Urin. Er hustete und spuckte zähe Speichelfäden auf den blanken Betonboden. Ein Tritt gegen den Kopf ließ ihn zur Seite kippen. Selbst in dieser ausweglosen Lage wollte er einen letzten Rest Dominanz bewahren und setzte auf Häme. »Mehr hast du nicht von mir gelernt?«
    Sein bemühtes Grinsen wirkte bizarr. Er blickte auf, blinzelte gegen das grelle Licht der Deckenbeleuchtung an. Sein Peiniger saß am Tisch. Vor ihm der Computer. Der Cursor blinkte vor dem weißen Hintergrund des Monitors. Dahinter verbarg sich das versteckte Laufwerk.
    Er würde sein Geheimnis mit ins Grab nehmen, dessen war er sich sicher.
     
    *
    »Das Passwort!«
    An Händen und Füßen zusammengezurrt, kauerte Holger M. in einer dunklen Ecke des Kellers. Er weigerte sich noch immer, das Passwort zu nennen. Dann wäre sein Leben nichts mehr wert. Aus dem Licht kam eine Hand auf ihn zu. Er zuckte zusammen, suchte Schutz vor der nächsten Attacke.
    Die kleine Gewürzflasche entließ nur einen Tropfen, der auf seine nackte Schulter fiel. Holger M. drückte sich noch weiter in die Ecke, zitternd vor Furcht, was passieren würde, wenn der Tropfen eine der klaffenden Wunden auf seinem Rücken erreichte.
    Ein gellender Schrei. Die Flüssigkeit war ins offene Fleisch gelangt.
     
    *
    »Passwort!«
    Halb besinnungslos stöhnte Holger M. am Boden. Sein Kopf lag auf dem Metallgitter, das inmitten des Raums in den Beton eingelassen war. Durch das angeschwollene Auge konnte er schemenhaft die Gestalt erkennen, die mit einer Bohrmaschine auf ihn zukam. Der Bohrer heulte auf.
    Ein Fuß stemmte sich auf seinen Hals und drückte ihn für die bevorstehende Operation fest nach unten.
    »Warte«, flehte er angesichts des rotierenden Bohrers über seinem Gesicht.
    Die Bohrmaschine verharrte in ihrer Position.
    »Valerie … 9 … x … 5768.«
     
    *
    Der Ordner Kontakte öffnete sich. Ein Klick auf die erste Datei. Der aufgezeichnete Messenger-Dialog füllte den Bildschirm.
    Sweet16: Wie siehst du aus? ;-)
    Loverboy: Ist das wichtig?
    Sweet16: Wär ’n Anfang.
    Loverboy: Wie hättest du mich denn gern?
    Sweet16: Jetzt sag schon.
    Loverboy: Du wirst es mir nicht glauben.
    Sweet16: Bitte …
    Loverboy: OK, du hast es so gewollt ;-)) Stell dir Brad Pitt in Rendezvous mit Joe Black vor.
    Sweet16: Ha-ha.
    Loverboy: Niemand glaubt mir, solange er mich nicht gesehen hat ;-) Im Ernst, eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich nicht leugnen.
    Sweet16: Schick mir ein Bild von dir.
    Loverboy: Was würde das beweisen?
    Sweet16: Stimmt auch wieder.
    Loverboy: Finde es doch heraus.
    Sweet16: Was?
    Loverboy: Wie ich aussehe.
    Sweet16: Ich weiß nicht … und wenn du ein durchgeknallter Psycho bist?
    Loverboy: Dann gehst du einfach wieder.
    Sweet16: Hm, lass mich nachdenken.
    Loverboy: Lass dir Zeit. Ich träum so lange von dir.
    Sweet16: Du weißt doch auch nicht, wie ich aussehe.
    Loverboy: Ich fühle dich. Das reicht.
    Sweet16: Ein Poet? Schwärm.
    Loverboy: Don’t be so quick to walk away. Dance with me. I wanna rock your body.
    Sweet16: Du magst Justin? Schmelz.
    Loverboy: Ich habe 2 Karten fürs Konzert am 12.
    Sweet16: Seit Wochen ausverkauft. Du lügst.
    Loverboy: Hier in meiner Hand. Ich schwör’s.
    Sweet16: Verkaufst du eine? Zahle jeden Preis.
    Loverboy: Was sagen deine Eltern dazu?
    Sweet16: Die müssen nicht alles wissen.
    Loverboy: Bist du alt genug? Es gibt Kontrollen am Eingang.
    Sweet16: Ich leih mir den Perso von meiner Schwester. Und du kannst Daddy spielen.
    Loverboy: CU morgen, 3 Uhr, vorm Siouxsie’s.
     
    Noch bevor die nächste Datei geöffnet wurde, meldete der Messenger eine eingehende Nachricht.
    LordofLust: Ist der Job erledigt?
    Zögern. Dann ein Klick auf Antwort. Der Cursor blinkte für die Eingabe.
    Darkman: OK.
    LordofLust: Gut. Ich habe ein neues Ziel im Auge.

1
Ein Jahr später. Hamburg, Strafjustizgebäude.
    Antje drohte ein gemeines Miststück zu werden. Hinterlistiger und verheerender, als es Katrina in New Orleans gewesen war. So fürchteten es zumindest die Meteorologen. Gemächlich wie ein fettes, bösartiges altes Weib hielt Antje auf die deutsche Nordseeküste zu. Ihre Ausläufer hatten die Nacht zuvor die Shetland-Inseln gestreift und gewaltige Sturmfluten an die zerrissenen Küsten geworfen. Das genaue Ausmaß der Schäden war in den frühen Morgenstunden noch nicht

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