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PR 2657 – Geheimbefehl Winterstille

PR 2657 – Geheimbefehl Winterstille

Titel: PR 2657 – Geheimbefehl Winterstille
Autoren: Leo Lukas
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Wir müssen unbedingt Raum für Zweifel lassen, sonst gibt es keinen Fortschritt, kein Dazulernen. Man kann nichts Neues herausfinden, wenn man nicht vorher eine Frage stellt. Und um zu fragen, bedarf es des Zweifelns.
    Richard P. Feynman,
    1965 Nobelpreisträger für Physik
     
     
    Prolog:
    Merkst du was?
     
    Test: eins, zwei, eins, zwei ... Der Pegel passt. Na gut. Ich fange einfach mal an.
    H-hm. Das ist eine Nachricht für dich, Vater. Ein paar Dinge, die ich dir dringend sagen will; aber irgendwie bringe ich es nicht übers Herz, so von Angesicht zu Angesicht.
    Nein, keine Sorge, jetzt kommt nicht der Vorwurf, mit dir könne man nicht reden, denn du würdest nie richtig zuhören. Es stimmt schon, dass du Konflikten möglichst aus dem Weg gehst, harmoniesüchtig, wie du nun einmal bist. Aber zu behaupten, du würdest dich grundsätzlich nicht für die Probleme deiner Familienmitglieder interessieren, wäre ungerecht.
    Warum wähle ich dann den Umweg über diese Aufzeichnung? Ich glaube, weil ich es nicht ertragen kann, dich leiden zu sehen.
    Und leiden wirst du, wenn ich offen damit herausrücke, was mich bewegt. Wenn ich nicht doch wieder zurückstecke, nur um dir nicht wehzutun.
    Mir ist völlig klar, dass ich dir auf diese indirekte Weise nicht weniger, sondern eher mehr Schmerzen zufüge. Ich bin ja kein Kind mehr.
    Bloß, was soll ich machen? Mir will absolut keine bessere Lösung einfallen.
    Erspare ich dir die hässliche Wahrheit, ersticke ich daran. Was, denke ich, auch wieder nicht in deinem Sinn wäre. Schließlich hast du dich bemüht, uns zu aufrichtigen und aufrechten Terranern zu erziehen.
    Womit wir beim Thema sind.
    Papa, bitte sei mir nicht böse: Ich halte es nicht länger aus, wie du vor den Invasoren buckelst. Im übertragenen Sinn natürlich; du bist zu unwichtig, als dass du bislang in persönlichen Kontakt mit ihnen gekommen wärst.
    Aber die Haltung, die du an den Tag legst, die du uns vorlebst und auch von uns einforderst, ist die gebückte Haltung der Passivität. Widerstandslos unterwirfst du dich den Sayporanern und ihren Marionetten, diesem obskuren sogenannten Umbrischen Rat.
     
    *
     
    Ja, du duckst dich, von Anfang an. Du hast es hingenommen, dass ihre Propheten, die Auguren, eine Vielzahl von terranischen Jugendlichen mit falschen Versprechungen angelockt und entführt haben.
    »Was kann unsereins schon dagegen tun, außer besser auf die eigenen Kinder aufzupassen?«, hast du gesagt und: »Zum Glück ist wenigstens niemand von unserer Familie betroffen.«
    Dann hast du dich entschuldigt und in deine Werkstatt verkrochen – bevor Alina und ich von Mitstudenten oder Freunden erzählen konnten, die sehr wohl den Auguren auf den Leim gegangen und über ein Transitparkett ins Ungewisse verschwunden sind.
    Genauso bist du einer ernsthaften Diskussion ausgewichen, nachdem die Puppengesichtigen und ihre seesternartigen Krieger die Macht über Terra und das Sonnensystem an sich gerissen hatten. Durch die Erpressung, dass sie unter Terrania City ein verheerendes Erdbeben auslösen würden, falls die Regierung der LFT nicht kapituliere!
    »Sehr unschön und bitter, aber was willst du machen?«, hast du gesagt. »Wenn nicht einmal die Zellaktivatorträger ein Mittel dagegen finden ...«
    Na klar. Entweder die Unsterblichen beseitigen ratzfatz alle Probleme, oder Hopfen und Malz ist verloren.
    Wann wirst du endlich aufhören, dich hinter den Aktivatorträgern zu verstecken?
    Zumal viele von ihnen, darunter Perry Rhodan, Atlan und Gucky, unerreichbar weit entfernt sind und Reginald Bull, der neue Resident, recht sang- und klanglos in der Zona Mexico umgekommen ist. Homer G. Adams wiederum scheint ebenso im stillen Kämmerchen die Däumchen zu drehen wie du.
    Mann, Papa, was ist aus uns Terranern geworden – eine Herde von Angsthasen, die sich ihrem Schicksal ergeben! Von einer Handvoll Dahergelaufener haben wir uns ins Joch zwingen lassen, einen schleichenden Schritt nach dem anderen.
    Komm mir bitte nicht mit »Alles halb so wild« und »Es könnte weit schlimmer sein« und »Im Wesentlichen geht das Leben weiter seinen gewohnten Gang«. Eine Diktatur, die auf leisen Sohlen und mit Samthandschuhen errichtet wurde, bleibt trotzdem eine Diktatur.
     
    *
     
    Außerdem: Was könnte schlimmer sein, als uns die Sonne auszuknipsen?
    Ach, dafür sollten wir uns eigentlich dankbar zeigen, oder? Zumindest erdreistet sich diese Anicee Ybarri, das zu behaupten.
    Es ist ja nur zu unserem Besten, dass

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