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Oneway to Montréal - Roman (German Edition)

Oneway to Montréal - Roman (German Edition)

Titel: Oneway to Montréal - Roman (German Edition)
Autoren: Katie S. Farrell
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Vor geschichte
    Der Ast, an welchem er sich hinaufgezogen hatte, knackte laut und er hielt erschrocken inne. Nur mühsam konnte er seinen schnellen Atem wieder kontrollieren.
    Vorsichtig ließ er sich auf einem stärkeren Ast nieder und schlang zur Sicherheit seinen Arm um den starken Stamm des Ahornbaumes, der im Garten des weitläufigen Grundstückes mit dem kleinen Landsitz darauf wuchs.
    Dort unten lag sie gerne in der gestreiften Hängematte und las. Oft schon hatte er es vom Zaun aus beobachtet, gut versteckt hinter den riesigen, im Frühjahr beinahe verschwenderisch blühenden Büschen.
    Nun aber war er ihr viel näher und keiner konnte ihn hier in der Dunkelheit sehen! Nicht sie, nicht ihr Vater, nicht der ständig achtsame Dan!
     
    Das Licht in ihrem Zimmer ging an und er richtete sich gespannt auf.
    Da war sie! Er wusste, was sie nun tat, auch wenn er es nicht in allen Einzelheiten sehen konnte. Aber er kannte ihr Zimmer gut: Nun machte sie ihre Stereoanlage an, dann begann sie zu tanzen, mal filigran und ästhetisch wie eine Elevin, dann springend und tanzend wie ein ausgeflippter Teenie in einer Diskothek. Sie stellte die Anlage wieder aus und begann sich auszuziehen, um daraufhin im Badezimmer zu verschwinden.
    Kurz kehrte sie noch einmal zurück und trat direkt ans Fenster – nur für ihn, auch wenn sie es nicht wusste.
    Er lächelte glücklich.
    Sie sah in die Dunkelheit hinaus, ein zierlicher Schatten vor dem Licht. Dann zog sie die Vorhänge zu. Das Licht im Schlafzimmer erlosch, alles war nun hinter dichten Vorhängen verborgen.
    Aber schon morgen würde er sie wiedersehen, am Tag und auch in der Nacht!
     
    Edouard de Montfort sah von seiner Zeitung auf, als er das Geschrei der Kinder hörte. Er blickte hinüber zum Waldrand auf dem kleinen Hügel und da kamen sie auch schon:
    Allen voraus wieder einmal Sammy mit wehenden blonden Haaren. Sie flitzte um die Hausecke auf die Terrasse und warf sich an seinen Hals, ungeachtet der Folgen für die Zeitung. Er brachte es nicht übers Herz seine süße Tochter auszuschelten.
    „Sammy, du wilde Maus, wo hast du denn den Rest deiner Gang gelassen?“
    „Es ist doch nicht meine Gang, Papa. Dan ist unser Boss!“
    „Wo bleibt denn dein Boss dann, lässt er sich so leicht abhängen?“
    „Ich habe ihn ausgetrickst!“, lachte Sammy, „er hat ziemlich lange suchen müssen.“
    Nun kam der „Boss“ Dan Cameron mit hochrotem Kopf ums Eck gehetzt, hinter ihm die kleine, quirlige Jeannie und zwei weitere Jungen, Will Mansfield und Patrice LaSalle.
    Alle lachten durcheinander und Eduard de Montfort legte seufzend seine Zeitung aus der Hand. Aus war es mit der beschaulichen Ruhe an diesem Sonntagnachmittag.
    Er rief zur geöffneten Wohnzimmertür hinein:
    „Nadine, sie sind zurück. Ich werfe jetzt den Grill an.
    Jungs, ihr könnt mir helfen und die Tische zusammenstellen und danach die Stühle aus dem Gartenhaus holen.
    Sammy und Jeannie, helft ihr bitte Nadine?“
     
    Patrice trödelte zum Gartenhaus hinüber und bemerkte gar nicht, dass Will ihm nicht folgte. Der etwas dickliche, blonde 15-jährige Klassenkamerad von Dan stand nach wie vor auf der Terrasse. Seine Blicke hingen wie festgesaugt an der 12-jährigen Sammy.
    Sammy, mit den blonden Haaren ihrer Mutter, hatte die dunklen Augen des Vaters geerbt, ein überaus reizvoller Kontrast. Zierlich, aber schon sehr groß für ihr Alter, wirkte sie dennoch etwas älter als die gleichaltrige, aber um einen halben Kopf kleinere Jeannie.
    Dan jedoch hatte es sehr wohl bemerkt. Er runzelte die Stirn und gab dem Jungen einen unsanften Rempler.
    „Will, mach dich auf die Socken und hilf Patrice!“
    Wut blitzte kurz in den hellblauen Augen auf, dann senkte Will den Blick und schlenderte zu Patrice hinüber. Gemeinsam begannen sie die Stühle hervorzuzerren und trugen sie hinüber auf die Terrasse.
     
    Dan schleppte den Kohleneimer zum Grill, wo Sammys Vater bereits auf ihn wartete.
    Der Junge sah ehrfurchtsvoll in das Gesicht des älteren Mannes. Edouard de Montfort war 46 Jahre, wirkte aber durch seine ruhige Ausstrahlung eher älter. Der französische Diplomat hatte sich nach dem tragischen Tod seiner Frau bei einem Autounfall vor etwa zwei Jahren mit seiner kleinen Tochter in Kingston niedergelassen.
    Die Entfernung nach Ottawa war akzeptabel, da seine Anwesenheit in der Botschaft nicht immer erforderlich war.
    Er bearbeitete viele Angelegenheiten von Zuhause per E-Mail, aber mindestens zweimal pro Woche

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