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Modesty Blaise 13: Bellman (Kurzgeschichte von Cobra Trap)

Modesty Blaise 13: Bellman (Kurzgeschichte von Cobra Trap)

Titel: Modesty Blaise 13: Bellman (Kurzgeschichte von Cobra Trap)
Autoren: Peter O'Donnell
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Der Tag war heiß in Tanger, aber Willie Garvin fühlte sich in seinem dezent grauen Sommeranzug sehr wohl, als er die Empfangshalle des Malaurak Hotels durchquerte und dem Aufzug mit dem Hinweis
Nur für Berechtigte
zustrebte. Man bekam hier Zugang zu den Geschäftsräumen im obersten Stockwerk des Hotels, die dem
Netz
gehörten. Willie drückte den Rufknopf und wahrte das Auftreten eines ernsten jungen Angestellten, bis sich die Aufzugtüren hinter ihm geschlossen hatten. Erst jetzt erlaubte er sich ein Lächeln.
    Das
Netz
war eine kriminelle Organisation und hielt ihren Namen und ihre Aktivitäten geheim, aber sie waren der Polizei von Tanger trotzdem wohlbekannt und Inspektor Hassan war mit der Situation überaus zufrieden. So muss es sein, dachte Willie. Seit den Bandenkriegen der vier Gangs, die zur Gründung des
Netzes
durch Modesty Blaise vor drei Jahren geführt hatten, herrschte deutlich wieder mehr Gesetz und Ordnung in Tanger.
    Als der Aufzug im fünften Stock hielt, stieg Willie aus und, während er den Gang zu Garcias Büro entlangging, sann er über Modesty Blaise nach. Und immer wenn er an sie dachte, was oft vorkam, fühlte er einen ehrfürchtigen leichten Schauer. Mit nur siebzehn Jahren hatte sie die unbedeutende Louch-Bande übernommen, sie vor der Vernichtung durch weitaus mächtigere Gangs bewahrt und begonnen die Organisation aufzubauen, die nun fast weltweit tätig war. Sie hatte dabei etliche Drogendealer ausgeschaltet, mit dem Abschaum von Tanger bis Levante aufgeräumt und sich zu einer unschätzbaren Informationsquelle gemacht, die es Inspektor Hassan ermöglichte, selbst präventiv gegen das Verbrechen vorzugehen.
    Sie hatte sich auch bei etlichen Geheimdiensten im Ausland Achtung erworben und nutzte ihre Beziehungen zu ihnen. Wie Inspektor Hassan wussten sie sehr genau, dass sie sich durch verschiedene dunkle Geschäfte auf der internationalen Bühne ein Vermögen schuf, aber es schien, dass sie damit leben konnten, vielleicht weil das
Netz
unter ihren ungewöhnlichen aber strengen Regeln geführt wurde und diese von den Leuten, die es sich in ihrer Position erlauben konnten mehr auf Gerechtigkeit als auf Recht zu sehen, gebilligt wurden.
    Willie rief sich eine Unterredung mit Inspektor Hassan nach Abschluss einer unangenehmen Sache ins Gedächtnis, mit der Willie von Modesty Blaise beauftragt worden war, weil sie Hassan rechtlich keinen Zugriff erlaubte. ›Es gibt drei Arten von Verbrechen, Mr. Garvin,‹ hatte der Inspektor begonnen.
    ›Schmutzige Verbrechen, sehr schmutzige Verbrechen und relativ saubere Verbrechen. Als Polizist missbillige ich alle drei Kategorien. Als Staatsbürger und Vater aber habe ich Achtung vor Menschen, die sich dafür einsetzen, die ersten beiden auszumerzen, auch wenn sie – auch wenn diese Person sich in der dritten beruflich angesiedelt hat. Danke für Ihre Unterstützung in den vergangenen zwei Tagen, Mr. Garwin.‹
    ›Ich werde es Miss Blaise ausrichten. Ich handle nur in ihrem Auftrag, Inspektor.‹
    ›Selbstverständlich. Aber ich darf auch annehmen, dass sie sich in ihrem Dienst wohlfühlen.‹
    Willie musste lächeln, denn ihm fiel keine passende Antwort ein. Dann hatte er kurz erwidert: ›Ja, ich bin zufrieden.‹
    Doch jetzt war ihm etwas unbehaglich zu Mute, als er an Garcias Tür klopfte und eintrat, denn in seiner Stimme am Telefon hatte er eine ungewohnte Besorgnis gespürt, als er ihn ins Büro beordert hatte. Garcia war von der ersten Stunde an mit Modesty Blaise zusammen und ihre rechte Hand, und wie der Rest ihrer Mitarbeiter war er ihr vollkommen ergeben.
    Niemand sprach sie anders an oder redete anders über sie als ›Mam’selle‹ oder ›Mam’selle Blaise‹ außer Willie Garwin, der unter so bemerkenswerten Umständen zum
Netz
gestoßen war, dass sie ihm das
Prestige
zubilligte, sie so anzureden, wie er es an dem Tag getan hatte, als sie ihn aus dem Gefängnis im Fernen Osten freigekauft hatte. Damals hatte er sie Prinzessin genannt.
    Garcia schloss einen Ordner auf seinem Schreibtisch und nickte. »Setz dich, Willie. Wie weit ist die Sache mit dem Zuhälter und seinen Kumpanen, die Claudine nicht in Ruhe lassen, gediehen?«
    Willie nahm sich einen Stuhl. »Darum kümmere ich mich noch heute. Kann ich Sammy Wan bekommen und tausend Pfund für die Unkosten? Ich weiß, es ist viel, aber ich denke auf lange Sicht die Sache wert.«
    »Was hast du vor?«
    Willie erzählte es ihm und Garcias Schmunzeln entwickelte sich zu einem

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