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Im Licht des Mondes: Roman (German Edition)

Im Licht des Mondes: Roman (German Edition)

Titel: Im Licht des Mondes: Roman (German Edition)
Autoren: Nora Roberts
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betraten einige Touristen  – er war nicht so lange weg gewesen, dass er nicht Touristen von Insulanern unterscheiden konnte  – die Buchhandlung.
    Er blieb, wo er war, die Hände in den Taschen, zögerte die Sache hinaus. Es gab wenig, was Mia Devlin in vollem Zorn glich. Er rechnete damit, dass sie ihn hinauswarf, wutschnaubend, in derselben Minute, in der sie ihn erblickte.
    Und wer könnte ihr deswegen einen Vorwurf machen? Dann wieder erinnerte er sich daran, dass es wenig gab, was erregender war als Mia in vollem Zorn. Es würde … sehr unterhaltsam werden, sich wieder mit ihr zu messen. Und ebenso befriedigend, ihren Zorn anschließend zu besänftigen.
    Er überquerte die Straße und öffnete die Tür zum Buch-Café.
    Lulu saß hinter dem Tresen. Er hätte sie überall erkannt. Die winzige Frau mit ihrem Gnomengesicht, nahezu verschluckt von ihrer silbergerahmten Brille, hatte im Wesentlichen Mia erzogen. Die Devlins waren mehr aneinander und am Reisen interessiert als an ihrer Tochter, und Lulu, das frühere Hippie-Mädchen, wurde eingestellt, um für sie zu sorgen.
    Weil Lulu gerade bei einem Kunden kassierte, hatte er einen Moment, um sich im Laden umzuschauen. Die Deckenbeleuchtung war ähnlich wie ein Sternenhimmel arrangiert, wodurch die Suche und das Durchblättern von Büchern einen festlichen Charakter bekamen. Eine gemütliche Sitzgruppe war vor einen Kamin gruppiert, auf dem ein Kessel stand, geputzt und poliert und mit weiteren Frühlingsblumen gefüllt. Ihr Geruch war angenehm, ebenso wie die Flötenklänge, die aus den Lautsprechern drangen.
    Glänzende blaue Regale, gefüllt mit Büchern  – ein eindrucksvolles
Arrangement, dachte er beim Herumschlendern, und genauso erlesen, wie er das von der Eigentümerin erwartet hatte. Geschmacklosigkeit wäre das Letzte, was man Mia vorwerfen könnte.
    Er verzog das Gesicht, als er die anderen Regale sah, in denen Ritualkerzen, Tarotkarten, Runen, Feen-Figuren, Zauberer, Drachen ausgestellt waren. Eine stattliche Ansammlung eines weiteren … Interesses von Mia, dachte er. Er hatte auch das nicht anders erwartet.
    Er nahm sich einen Rosenquarz aus einer Schale, rieb ihn zwischen seinen Fingern  – für Glück. Obgleich er es besser wusste. Bevor er ihn zurücklegen konnte, spürte er einen kühlen Windhauch. Leicht lächelnd, drehte er sich zu Lulu um.
    »Wusste immer, dass du zurückkommst. Falsche Fuffziger finden sich immer wieder an.«
    Das war die erste Barriere  – der Drachen vor dem Tor. »Hallo, Lu.«
    »Dein ›Hallo, Lu‹ kannst du dir schenken, Sam Logan.« Sie schniefte, spießte ihn mit ihrem Blick auf. Schniefte noch einmal. »Kaufst du das, oder muss ich den Sheriff rufen, um dich wegen Ladendiebstahls einbuchten zu lassen?«
    Er legte den Stein zurück in die Schale. »Wie geht es Zack?«
    »Frag ihn selber, ich werde meine Zeit nicht mit dir verschwenden.« Obgleich er sie um gut dreißig Zentimeter überragte, trat sie einen Schritt vor und tippte ihm an die Brust, sodass er sich fühlte, als wäre er wieder zwölf Jahre alt. »Was zur Hölle willst du?«
    »Die Heimat wiedersehen. Mia wiedersehen.«
    »Warum tust du uns allen nicht einen Gefallen und verschwindest wieder dahin, wo du dich die letzten Jahre rumgetrieben
hast? New York, Paris, Frankreich und o-la-la. Wir sind alle prima ohne dich zurechtgekommen auf den Drei Schwestern.«
    »Offensichtlich.« Er warf noch einen Blick auf den Laden. Er war nicht beleidigt. Ein Drachen hatte, fand er, seiner Prinzessin ergeben zu sein. Soweit er sich erinnern konnte, hatte Lulu diese Rolle immer perfekt gespielt. »Nett hier. Wie ich höre, soll das Café besonders gut sein. Und von Zacks Frau geleitet werden.«
    »Das hast du ganz richtig gehört. Also, hör zu. Hau endlich ab.«
    Nicht beleidigt, das nicht, aber er blickte etwas nervöser, das Grün in seinen Augen vertiefte sich. »Ich bin gekommen, um Mia zu sehen.«
    »Sie ist beschäftigt. Ich sage ihr, dass du vorbeigekommen bist.«
    »Nein, das tust du nicht«, sagte er ruhig. »Sie wird es sowieso wissen.«
    Noch während er sprach, hörte er das Geräusch hoher Hacken auf Holz. Es hätten Dutzende anderer Frauen sein können, die die Wendeltreppe herunterkamen. Aber er wusste es. Da sein Herz einen Hüpfer in seiner Brust machte, trat er vor die Bücherregale und sah sie, als sie gerade die letzte Stufe betrat.
    Und dieser Blick, dieser eine Blick, schnitt ihn in tausend Stücke.
    Die Prinzessin, dachte er, ist

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