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Himmel, Polt und Hölle

Himmel, Polt und Hölle

Titel: Himmel, Polt und Hölle
Autoren: Alfred Komarek
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geliebt, gesucht, verstanden und mit
Mühen gewonnen sein. Das können nicht viele, und er bringt Tausende um Tausende
um. Er macht sie alt, er tötet sie oder löscht die Flamme des Geistes in ihnen
aus. Seine Lieblinge aber lädt er zu Festen ein und baut ihnen
Regenbogenbrücken zu seligen Inseln. Er legt, wenn sie müde sind, Kissen unter
ihr Haupt und umfaßt sie, wenn sie der Traurigkeit zur Beute fallen, mit leiser
und gütiger Umarmung wie ein Freund und wie eine tröstende Mutter. Er
verwandelt die Wirrnis des Lebens in große Mythen und spielt auf mächtiger
Harfe das Lied der Schöpfung.
    Ist natürlich trotzdem Kitsch, das alles, aber
schön. Ein geschickter Mensch, der Hesse, wie er mit Wortwahl und Sprachfarben
spielt. Dabei geht es um etwas ganz banales. Nehmen wir zum Beispiel das
Glücksspiel. Die meisten zahlen drauf, ein paar wenige werden reich. Aber im
Mittelpunkt steht immer die Spielleidenschaft, die Sucht.“
    „Ihr Wortgedächtnis möchte ich haben, Herr Fürst.“
    „Von wegen. Das meiste ist längst weggesoffen. Nur
ein paar Lieblingstexte kann ich noch aufsagen, immer wieder, wie eine
Gebetsmühle. Ziemlich langweilig für meine Freunde.“
    Polt riß ein paar Grashalme aus. „So richtig habe
ich nicht begriffen, worauf Sie hinauswollen. Aber mir kommt es so vor, als ob
Sie sich da ein paar schöne Ausreden für das Saufen zurechtphilosophieren.“
    „Durchaus denkbar. War ein schönes Streitgespräch
wert, eine Nacht lang oder so.“
    „Nein danke. Zu anstrengend für mich.“
    „Es käme dann womöglich auch noch zu Dienstverfehlungen!
Ist es Ihnen übrigens schon aufgefallen, Herr Gendarm, daß die meisten Menschen
sich nur bemühen, nichts falsch zu machen, statt einfach das Richtige zu tun?“
    „Und Sie tun einfach das Richtige, Herr Fürst?“
    „Nein. Ganz bestimmt nicht. Ich richte mich mit heiterer
Miene zugrunde. Verdammt rücksichtslos gegenüber allen, die noch immer zu mir
halten. Aber es ist eben Herbst für mich, mitten im Sommer.“
    „Selbstmitleid?“
    „Klingt so, trifft aber nicht zu. Eher ein letzter
Rest von Vernunft. Hat Sie übrigens die Karin Walter geschickt, für ein
Gespräch von Mann zu Mann?“
    „Ja.“
    „Liebe, liebe Karin.“
    „Ja.“ Polt dachte nach. „Könnte vielleicht eine neue
Aufgabe etwas für Sie ändern, Herr Fürst? Im Weinbaumuseum fehlt zum Beispiel
jemand, der sich um alles kümmert.“
    „Und der nach einer Woche die Eintrittsgelder versäuft.“
    „Sind Sie verliebt in Ihr Unglück, oder was?“
    „Natürlich. Gendarmen haben immer recht.“
    „Blödsinn. Aber wenn Sie mich schon an meinen Beruf
erinnern: Nachts hat sich ja in den letzten Tagen einiges getan in Burgheim.
Wissen Sie davon?“
    „Vielleicht war ich dabei, irgendwie?“
    „Aber! Da wüßt ich gerne mehr darüber!“
    „Sie werden nichts erfahren. Und wenn Sie mir jetzt
mit Ihrer amtlichen Autorität kommen: Wovor sollte ich noch Angst haben?“
    „Was sagen Sie zu der Bitte, mir zu helfen?“
    „Nichts. Weil es keine Hilfe wäre, wenn ich rede.“
    ,Auch gut.“ Polt stand auf. „Schade um die Zeit.“
    „Ja. Schade.“ Franz Fürst hatte sich abgewandt und
schaute zu Boden. „Und sagen Sie der Karin, daß sie wiederkommen soll. Bitte.“
    „Damit Sie ihr was vorspielen können?“
    „Ihr und mir. Das hilft ein wenig.“
     
    Der
Tod im Wald
     
    Am späten Vormittag war die Kellergasse fast
unbelebt. Erst nach dem Essen würden hier Familien einen kleinen Sonntagsspaziergang
unternehmen und ein paar alte Männer wie jeden Tag langsam und unbeirrt den
Kellern zustreben. Doch einer, Bruno Bartl, war schon jetzt unterwegs, und er
hatte es offenbar eilig. „Hallo, Bruno!“ Polt hielt ihn am Hemdsärmel fest.
„Was treibst du denn hier? Du bist doch in der Brunndorfer Kellergasse zu
Hause.“
    Bartl blieb widerwillig stehen. „Ich bin überall zu
Hause, Herr Inspektor Polt.“
    „Ja, wenn du das so siehst. Hast du ein paar Minuten
Zeit für mich?“ Der Gendarm schob ihn zur einer kleinen Holzbank, die im
Schatten üppig wuchernder Robinien stand. „Also, wo zieht es dich hin, Bruno?“
    „Zum Herrn Fürst. Ein kluger Mann, der Herr Fürst,
und so freundlich.“
    „Und immer eine kühle Weinflasche in Griffweite,
nicht wahr?“
    „Im Weine liegt Wahrheit.“
    „Jaja. Und auch sonst noch allerhand. So nebenbei,
Bruno: Du hast dir doch ein Küchenmesser gekauft, ist das richtig?“
    „Hab ich! Ein langes, spitzes Messer, ganz ein

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