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Himmel, Polt und Hölle

Himmel, Polt und Hölle

Titel: Himmel, Polt und Hölle
Autoren: Alfred Komarek
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eine Leberkässemmel in Arbeit
hat.“
    Mißmutig schaute Polt aus dem Fenster, wartete und
fragte sich, was es denn da so endlos zu besprechen gäbe. Er hatte gerade den
Entschluß gefaßt, mit irgendeiner Ausrede ins Büro seines Dienststellenleiters
vorzudringen, als er eine Hand auf seiner Schulter spürte. Er fuhr herum und
stand der jungen Lehrerin gegenüber. „Karin!“
    „Hallo, Simon. Können wir rasch ein paar Sätze
reden, ungestört?“
    Ernst Holzer grinste, stand auf und ging.
    „Also, was ist?“
    „Es geht um den Fürst Franzi, du kennst ihn ja.“
    „Den Lehrer? Natürlich.“
    „Hat sich was mit Lehrer! Er ist gekündigt worden,
vor ein paar Wochen schon. Alle haben ihn gemocht, Kinder, Eltern, Kollegen.
Niemand hat ihm seine Verrücktheiten übelgenommen und seine oft recht extremen
Standpunkte. Aber die Sauferei hat ihn kaputtgemacht, Simon. Er war einfach
nicht mehr tragbar.“
    Polt nickte. „Sein Zimmer im Gemeindehaus hat er ja auch
verloren. Wohnt jetzt in der Burgheimer Kellergasse, soviel ich weiß.“
    „Wohnen ist übertrieben, Simon. Aber seine Verwahrlosung
war nicht das Schlimmste. Er ist dabei, sich aufzugeben, will einfach nicht
mehr. Und wenn ich ihm gut zureden will, macht er mir Komplimente und spielt
mir den fröhlichen Luftikus vor.“
    „Und wenn ich mit ihm rede?“
    „Wer weiß, vielleicht funktioniert das besser, von
Mann zu Mann. Danke, Simon!“ Karin strich ihm mit den Fingerspitzen über das
schlecht rasierte Kinn.
    „Eine Dienstauffassung ist das, ich muß schon
sagen!“ Von der Tür her klang die kräftige Stimme der Aloisia Habesam.
    Polt räusperte sich. „Guten Morgen. Was kann ich tun
für Sie?“
    „Mir zum Beispiel sagen, warum Sie so einen roten
Kopf haben, Herr Inspektor Polt. Und warum eine Junglehrerin die Schule
schwänzt. Aber darum geht's nicht.“
    „Sondern?“
    „Dieser Bruno Bartl war heute in meinem Geschäft.
Ich hab lüften müssen nachher.“
    „Und?“
    „Wenn wer fragt, dann ich! Und ich möchte wissen,
woher er das Geld gehabt hat.“
    „Wofür denn, Frau Habesam?“
    „Für ein Küchenmesser. Ein großes, scharfes. Und
ganz verliebt angschaut hat er's.“
    Das Fass des Diogenes
     
    Polt vermißte den vertrauten Geruch von Leberkäse,
als er das Büro seines Vorgesetzten betrat.
    „Kannst du mir sagen, Simon, warum ein Mensch bei
halbwegs klarem Verstand so etwas ißt?“ Harald Mank löffelte eine weißliche
Masse aus einem kleinen Pappbecher. „Die Mayonnaise schmeckt wie Stearin und
der Rest schmeckt nach gar nichts.“
    „Kindheitserinnerungen, wenn du mich fragst.“ Polt
nahm sich einen Sessel, von dem er hoffte, daß er vorhin Karin Walter getragen
hatte. „In den 60er Jahren war so ein Gabelbisssen der pure Luxus.“
    „Jaja. Und Sportgummi-Zuckerln im Kino. Aber du
möchtest wohl über was anderes mit mir reden.“
    „Ja, schon. Im Zeughaus der Feuerwehr hat's
gebrannt, so gegen sechs Uhr früh. Ich war zufällig dabei. Keine große Sache.
Nur etwas ist mir komisch vorgekommen: Alle Fenster waren zu, und die Tür war
versperrt, wie immer. Trotzdem hat einer drinnen Feuer gelegt, und zwar so, daß
nicht viel passieren konnte. Der Weinwurm Edi hat's inoffiziell gelöscht und
will sich erst einmal bei seinen eigenen Leuten umhören.“
    „Gute Idee. Ist ja leider gar nicht so selten, daß
ein Feuerwehrmann zündelt. Was ich noch sagen wollte: Von dieser anrüchigen
Sache vor dem Gemeindeamt hast du schon gehört?“
    „Ja, Sepp Räuschl hat's mir erzählt. Ich glaube
fast, da kommt noch was auf uns zu. Gut möglich, daß diese Bosheitsakte, oder
was immer das war, miteinander zu tun haben. Einen Hinweis dafür gibt es sogar.
Aber der schaut eher nach einem Schundheftlroman aus.“ Polt nahm ein Blatt
Papier und skizzierte ungeschickt einen Hut. „Der geheimnisvolle Täter
hinterläßt sein Zeichen.“
    Harald Mank betrachtete mit Abscheu die Mayonnaisereste
im Pappbecher. „Behalten wir die Sache eben im Auge, Simon. Ganz abgesehen
davon: Diese Karin Walter! Da war ich ganz gern wieder Schüler.“
    „Klar.“ Simon Polt stand auf. „Mit einem Stammplatz
auf der Eselsbank.“
     
    Tags darauf, an einem dienstfreien Sonntagvormittag,
schob der Gendarm sein schwarzes Waffenrad durch die ansteigende Burgheimer
Kellergasse. Die Sonne stand noch nicht hoch am Himmel, aber sie hatte schon
Kraft, und die Wände der Preßhäuser leuchteten blendend hell. Sehnsüchtig
dachte Simon Polt an die Weinkeller darunter,

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